Erfolgreiche BKS Unternehmer 09.09.2013

Eine Idee, die Gold wert ist

© KOSMO / Radule Božinović
POPCORN. Die Schwestern Emina und Sanela Mandžuka zeichnen sich durch Jugend, Kreativität, Mut und Selbstvertrauen aus. Auf dem Weg ihres geschäftlichen Erfolgs gehen sie mit langen und wohl überlegten Schritten voran.


Im klitzekleinen eleganten Geschäft "Popcorner" im Herzen von Wien stehen auf den Regalen minimalistisch gestaltete Kartonverpackungen voller buntem Popcorn. Dies ist seit März letzten Jahres das Reich der Schwestern Mandžuka - Emina (36) und Sanela (26).

Die beiden produzieren Popcorn in 15 Standardgeschmacksrichtungen, und jede Woche fügen sie je nach Saison neue hinzu, die dann 14 Tage im Sortiment bleiben. Das "Popcorner" bietet Popcorn mit verschiedenen Früchten an (Erdbeere, Heidelbeere, Banane, Himbeere u.s.w.), aber auch mit dem Geschmack von Apfelstrudel, Olivenöl, Tomate, Bier... Und das alles hat ganz zufällig begonnen.

Zwischen den beiden Schwestern liegen zehn Jahre Altersunterschied. Beide nach dem Abschluss des Gymnasiums Hochschuldiplome für Gastronomie und Hotellerie erworben.  Emina, die ältere der beiden, hat danach auch ein Wirtschaftsstudium abgeschlossen und 12  Jahre als strategische Managerin in einer großen Firma in Frankfurt gearbeitet. Währenddessen hat ihre Schwester Sanela begonnen, Kunstgeschichte zu studieren.

"Als Sanela vor etwas mehr als vier Jahren ihren kleinen Sohn Dominik erwartete, habe ich ihr aus Frankfurt farbiges Popcorn mitgebracht, das ihr sehr gefallen hat, und so bat sie mich jedes Wochenende um eine neue Lieferung", erinnert sich Emina lächelnd an den ständigen Hunger ihrer jüngeren Schwester. Obwohl das Popcorn aus einem deutschen Vergnügungspark nur gefärbt und voller Zucker war, gefiel es auch der Mama der Schwestern Mandžuka und ihren Freundinnen, und so wurden die Bestellungen immer größer. So brachte Emina ihrer kleinen Schwester zu Neujahr statt einer Großlieferung Popcorn eine eigene Popcornmaschine mit. Das Experiment begann.


Experiment Popcorn

"Dem klassischen Popcorn habe ich verschiedene Geschmacksstoffe beigefügt und habe alle nacheinander gegessen, aber ich war nicht zufrieden. Das wurde meine Obsession, denn ich spürte, dass es noch besser werden könnte" erinnert sich Sanela. Die Obsession griff auch auf die ältere Schwester über. Und irgendwie ist dann spontan die Idee entstanden, dass daraus ein Geschäft zu machen.

Emina erzählt heute mit Stolz von ihren ersten Erfahrungen und Erfolgen. Sie kennt sich inzwischen bestens aus mit den Eigenschaften der verschiedensten Früchten, wie sie auf verschiedene Arten von Zucker reagieren, auf Öl oder auf unterschiedliche Temperaturen. Von Walnussöl bis Palmenöl haben sie alles ausprobiert, aber ihrem anspruchsvollen Geschmack entsprach nur das Kokosöl mit der Kennzeichnung "Bio". Heute benutzen sie es aufgrund seiner außerordentlichen Eigenschaften auch in ihrer privaten Küche.


Der lange Weg lohnt sich

Aber am Anfang standen Rückschläge. Als sie versuchten, Popcorn mit Schokolade zu machen, wurde es nicht knusprig und die Glasur fiel ab. Sanela beschloss in Vorarlberg eine Ausbildung in der Schokoladenverarbeitung zu machen.

Für gutes Popcorn ist hochwertiger Mais wichtig, und der einzige österreichische Produzent im Burgenland hat eine Sorte, die zu klein ist. "Der ungarische Mais hat uns auch nicht gefallen, und so haben wir uns für gesunden Biomais aus Frankreich entschieden, der eine hervorragende Qualität hat. Aber als wir kürzlich den Samen aus Frankreich kaufen wollten, wollte man ihn uns nicht verkaufen. Darum haben wir von einem österreichischen Bauern eine Bioparzelle gekauft und versuchsweise unseren eigenen Mais gesät. Wenn die Qualität stimmt, beginnen wir mit der Produktion", kündigen die beiden fleißigen Mädchen an.

Emina und Sanela produzieren ihr Popcorn aus Zutaten, die zu 99 % die Kennzeichnung "Bio" tragen. Die Produktion ist in Vösendorf und derzeit beschäftigen sie sieben Leute. Es ist ein multikulturelles Team, in dem jeder die Besonderheit seiner Herkunft einbringt.

"Wir achten auf ein gutes Klima in der Firma und auch auf die soziale Mission, für die wir uns von Anfang an entschieden haben. Wir beschäftigen alleinerziehende Mütter und Studenten und arbeiten auch mit Institutionen zusammen, die sich um Personen mit besonderen Bedürfnissen kümmern. Wir genießen noch immer in hohem Maße die Unterstützung unserer Eltern, was uns besonders hilft, wenn wir mit der Umsetzung neuer Geschäftsschritte beginnen", kündigen die Schwestern die Eroberung neuer Märkte an.


Für den Erfolg bestimmt

Die Schwestern haben keine Angst vor neuen geschäftlichen Herausforderungen. Als sie sich auf das Geschäft eingelassen haben, wussten sie, dass ihr Laden im Zentrum von Wien sein sollte.

„Wir haben mit einer kleinen Maschine begonnen. Vor der Eröffnung des Ladens haben wir eine Woche lang nur produziert, und die gesamte Menge haben wir an einem einzigen Tag verkauft. Zu dieser Zeit wurde in der Produktion 18 Stunden am Tag gearbeitet. Dann haben wir eine große Maschine gekauft und es wurde viel leichter. Heute haben wir partnerschaftliche Beziehungen zu großen österreichischen Konzernen, für die wir Popcorn in der Verpackung mit ihrem Logo und mit dem von ihnen gewünschten Geschmack produzieren. Unser Geschäft steht in den Wiener Touristenführern, und so kommen viele Touristen, aber auch die Wiener kaufen bei uns. Unsere Wünsche wurden schon am ersten Tag erfüllt, als wir das Geschäft eröffneten, und alles Weitere ist das Resultat von harter Arbeit und ein bisschen Glück“, sagen die jungen Mädchen ehrlich.


KOSMO / Vera Marjanović

Lesen Sie diesen Artikel auf Bosnisch/Kroatisch/Serbisch in unserer aktuellen KOSMO-Ausgabe (Nr. 46. 09/2013).

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