NACHBARSCHAFT 23.07.2014

Eine Community für alle

© MonteLaa.net
Der Vertreter der Nachbarschaftsinitiative und Vereinsobmann von „Miteinander am Monte Laa – Laaer Berg“ Velibor Kojić hat viel zu erzählen. Über die Menschen in dem Wiener Stadtteil, über das Wohngebiet und vor allem über Gemeinschaft.


„Um über Monte Laa schreiben zu können, muss man es gesehen haben. Man muss es gespürt haben.“ Mit diesen Begrüßungsworten begibt sich der Serbe Velibor Kojić mit KOSMO auf einen kleinen Lokalaugenschein in dieser Wohnsiedlung.

Monte Laa ist ein Gebiet im 10. Wiener Gemeindebezirk Favoriten. Das Viertel zwischen der Absbergergasse und dem Laaer Wald gehört dem Unternehmen Porr, welches dort sein Hauptquartier in den 1990er Jahren errichtet hat. Seit 2001 wurden immer mehr Wohngebäude in der Gegend erbaut. Heute befinden sich im Stadtteil Monte Laa über 2.100 Wohnungen aber auch Institutionen und – eine Gemeinschaft.

Die Nachbarschaftsinitiative

Die Nachbarschaftsinitiative „Miteinander am Monte Laa – Laaer Berg“ fördert zwischenmenschliche Beziehungen und agiert als Kommunikationsdrehscheibe. Sie organisiert gemeinsame Feste, arbeitet aktiv bei der Entwicklung der Wohnumgebung mit, versucht stetig die Lebensqualität zu erhalten und hilft bei der Umsetzung kreativer Ideen.
 „Wichtig sind alle. Jeder einzelne Bewohner hat etwas zu geben, das muss man nutzen“, erzählt Kojić voller Engagement und Leidenschaft über die Nachbarschaft im Stadtteil.

Im Jahr 2007 begann alles mit einem kleinen Kennenlerntreffen. Jede Wohnanlage der Monte Laa Siedlung hat Gemeinschaftsräume – in einem davon traf sich Kojić mit seinen Nachbarn zum Kennenlernen, Ideenaustausch und letztendlich zur Gründung der Nachbarschaftsinitiative. Und dann hatte jemand die Idee mit dem Fest. Im Mai 2009 wurde das erste Nachbarschaftsfest organisiert, welches seitdem jährlich stattfindet. Es wirkt wie der Anstoß für die Initiative und ist sehr gut besucht. Heuer wurden knapp 700 Gäste gezählt.

„Die Initiative ist das Wichtigste. Menschen, die aktiv etwas leisten. Egal ob für die Umgebung oder auch nur einen einzelnen Nachbarn“, meint Kojić. Dass die Nachbarschaft offen für jedes Talent und jegliche Art von Kreativität ist, wird nur bestätigt. Eine Mutter, die als Lehrerin arbeitet, hat unter anderem eine mehrsprachige Spielgruppe gegründet. Immerhin spricht Monte Laa über 20 verschiedene Sprachen. Mittlerweile können die Kinder das Lied „Bruder Jakob“ bereits in acht verschiedenen Sprachen singen.

Ein talentierter Künstler hingegen bietet wöchentlich Kunstbetreuung für jedermann an, eine Nachbarin musiziert mit Kindern und der Gemeinschaftsgarten ist ohnehin ein Herzeigeprojekt. Seit Frühjahr 2011 gibt es den selbstangelegten Garten mit rund 20 Beeten, der von Familien aus aller Welt in der Wohnsiedlung betrieben wird.
Der Wunsch nach einem Bewegungsprogramm konnte ebenso gemeinsam mit der Sportunion Favoriten  umgesetzt werden. Täglich gibt es zwei Turnstunden für Jung und Alt in einem Sportsaal in Monte Laa. Und als eine Nachbarin einen Flohmarkt organisieren wollte, wurde die Idee voller Freude angenommen und auf die gesamte Nachbarschaft ausgelegt. Auch bei der Stadtteilentwicklung konnte die Nachbarschaftsinitiative mitreden, so werden in Zukunft Geschäfte und Institutionen in der Gegend angesiedelt, die die Bewohner selber gewünscht haben.

Von jedem für alle

Die Online-Plattform montelaa.net dient als Austauschmöglichkeit und Kommunikationsdrehscheibe. Der Verein betreut die Webseite und hilft bei der Umsetzung von Ideen, koordiniert die Initiative. „Wenn man Musik spielen möchte, braucht man eine Audio-Anlage. Wenn man ein Fest anmelden möchte, braucht man eben einen Verein. Er war eine bürokratische Notwendigkeit ihn zu gründen, doch der Verein ist es nicht, der Monte Laa ausmacht. Es ist das Gefühl und Engagement der Nachbarschaft“, betont Kojić stolz.
Auch die BKS-Community ist in der Gegend stark vertreten: „Mit Abstand“, meint der Vereinsobman. Einige Bewohner aus dem ehemaligen Jugoslawien bilden immer wieder ihre eigenen Gruppe, doch die Nachbarschaftsinitiative versucht jedermann, egal welcher Herkunft zu integrieren, den Gemeinschaftssinn zu fördern und hat keinen ethnischen Fokus. Es gibt Österreicher, Türken oder Asiaten. Menschen und Institutionen aus aller Welt und aus diversen Bereichen wollen den Lebensstandard und das Gefühl der Siedlung am Leben erhalten. „Hier ist es schön“, meint Kojić mit einem Lächeln im Gesicht, „und das dürfen wir nie vergessen.“

Anna-Magdalena Druško / KOSMO

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