INTERVIEW 22.11.2013

„Ein voller Kühlschrank und Musik sind alles, was ich brauche“

© KOSMO
KOSMO traf den jungen Musiker Jasmin Sultanić zum Interview über seine Musik, das Leben in Wien und bezahlte Rechnungen.


Jasmin Sultanić (27) ist ein Jazz-Musiker, und besucht derzeit eine Ausbildung im Jam Music Lab, einer der Einrichtungen des Musik-Clusters im Wiener Gasometer (dazu gehören neben dem Jam Music Lab auch die Electronic Music Academy und die POP Akademie)

KOSMO: Was ist das Jam Music Lab eigentlich?

Jasmin Sultanić: Das ist eine Ausbildungseinrichtung für Musiker, in der ich Jazz-Schlagzeug studiere. Es ist eine Privatschule mit dem Rang einer Universität. Mit jedem Studierenden wird hier in Einzelarbeit gelernt.

Du kommst aus Tuzla… Wie hast du dort mit der Musik angefangen?

Naja, ich habe riesige Hände und lange Finger, vielleicht ist das der Grund… (lacht). Ich habe spät begonnen zu spielen, mit neunzehn. Die Liebe zur Musik ist also nicht so alt, aber intensiv. Tuzla ist eine Stadt, in der jeder Zweite Musik macht. Wenn du in keiner Band bist, gehörst du fast schon nicht dazu… Aber ich habe nicht nur wegen der Frauen angefangen zu spielen… (lacht).

Aber du hast nicht gleich mit Jazz-Schlagzeug begonnen…

Natürlich. Ich habe wie die meisten mit Rock ´n´ Roll begonnen… Zum Jazz kam ich erst schrittweise. Ich komme aus einer wirklich klassischen kommunistischen Familie, bin der Sohn eines Maschineningenieurs und einer Sekretärin… (lacht). In Tuzla habe ich in einer Cover-Band begonnen. Wir haben alles gespielt, was „die Jugend so hört“. Aber das war eine gute Schule. Du lernst alle möglichen Genres und Stile zu spielen. Damals habe ich für mich begriffen, dass die Musik Eins ist, du kannst sie nicht aufteilen. Jedenfalls glaube ich, das begriffen zu haben. Und dann kam der Jazz dazu – sozusagen als Krönung. Darin habe ich mich verliebt.

Spielst du klassischen Jazz?

Nein, Adi (Adrian Gaspar) kommt aus derselben Region wie ich, wir sind unruhige Seelen. Außerdem kriegst du den Balkan nicht aus den Leuten heraus. Und ich weiß auch nicht, ob man das sollte. Wir haben einen Kompromiss gefunden zwischen traditionellem Jazz und unserer eigenen Musik. Wir spielen mit diesem Erbe, "borgen" uns Dinge daraus… Das ist ein Kreislauf und das Schönste an der Musik… (lacht)

Woran arbeitest du gerade?

Derzeit bereiten wir eine Tour durch die Länder des ehemaligen Jugoslawien vor: Zagreb, Belgrad, Skopje, Sarajevo – Es soll im Dezember los gehen. Mit mir in der Band sind Adrian Gaspar, ein Österreicher mit rumänischen Wurzeln und phänomenaler Pianist und Komponist und Vladimir Pešić aus Niš. Danach gehen wir ins Studio und spielen ein Album ein. Heuer haben wir unter anderem auf dem Sarajevo Film Festival gespielt und auf dem Nashville Jazz Festival. Daneben arbeite ich mit einem Musiker aus Portugal an einem Duo-Album. Es wird ein Blues-Rock-Album und kommt im April heraus.

Wie lange lebst du schon in Wien?

Seit sieben Jahren. Ich kam eigentlich hierher um etwas ganz anderes zu studieren. Ich hatte vor, etwas Naturwissenschaftliches zu studieren – Geologie genauer gesagt. Aber irgendwann ist mir klar geworden, dass mich das eigentlich überhaupt nicht interessiert. Ich spielte damals schon Schlagzeug und liebte das Instrument, so viel mir die Entscheidung nicht schwer mich von der Geologie zu trennen.

Ist  Wien ein guter Ort für Jazz?

Auf jeden Fall. Es gibt viele talentierte Leute aus allen möglichen Richtungen. Wie jede Großstadt lebt auch Wien von den Menschen, die von außen kommen, von dieser Energie. Wenn man bedenkt, dass Jazz eine aussterbende Kunstform ist, bin ich mit Wien sehr zufrieden.

Kannst du von der Musik leben?

Wer kann heute schon von Musik leben?

Was sind deine langfristigen Ziele im Leben?

Ein voller Kühlschrank und eine handvoll bezahlter Rechnungen. (lacht) Und dass ich weitermachen kann mit dem, was ich liebe. Das ist dsa größte Privileg.

Interview: Uroš Miloradović / KOSMO

www.jammusiclab.at

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