COMMUNITY 11.04.2014

Ein Leben für den Sport

© KOSMO / Radule Božinović
Wir sprachen mit Stanka Mugoša Božović, die von ihrer Kindheit bis zu ihrem 51 Lebensjahr als Handballerin aktiv war. Sie errang zahlreiche Medaillen für Jugoslawien und für Österreich. Heute muss sie trotzdem als Verkäuferin arbeiten.


Stanka Mugoša Božović (51), wurde in montenegrinischen Podgorica geboren, war jugoslawische Nationalspielerin und trug ganze 13 Jahre lang die Kapitänsbinde des Handballclubs Hypo und der österreichischen Nationalmannschaft. Ihr Mann Momo (60) galt in Montenegro als hervorragender Fußballspieler und ist einer der Gründer des dortigen Tennisverbands. Ihr Sohn Janko (28) spielt in der deutschen Bundesliga und auch für die österreichische Nationalmannschaft Handball während Marko (10) Fußball trainiert. Wir sprachen mit Stanka, die sich erst vor wenigen Monaten aus dem aktiven Sport zurückzog, über ihr ereignisreiches Leben.

Es begann in der Kindheit

Stanka Božović, damals noch Mugoša, errang 1972 ihre erste Medaille bei der Handballmeisterschaft der Podgoricaner Grundschulen. Damals war sie ein elfjähriges Mädchen, und die Leiter des Clubs „Budućnost“, der damals im jugoslawischen Handball führend war, entdeckten ihr Talent. Mit 19 debütierte Stanka gemeinsam mit zwei ihrer Schwestern in der jugoslawischen Nationalmannschaft. Das waren Jahre voller großer Erfolge, aber auch Entbehrungen. Für Jugoslawien hat sie fast 150 Spiele gespielt, zahlreiche Medaillen gewonnen. „Es gibt für einen Sportler keinen größeren Stolz als den, das Nationalmannschaftstrikot zu tragen“, sagt sie heute.

Österreich öffnete ihr die Türen

Bei einem internationalen Turnier in Ljubljana 1989 spielte unter anderem auch das Damenhandballteam der Hypo aus Niederösterreich, dessen Trainer Vinko Kandija und der Hauptmanager Gunnar Prokop waren. Mit ihm wendete sich Stankas sportliche Karriere in eine andere Richtung. Es war der Start einer 13-jährigen aktiven Handballkarriere in Österreich. Für die österreichischen Nationalmannschaft hat sie bei drei Europa- und fünf Weltmeisterschaften gespielt und auch bei zwei Olympischen Spielen. Bis vor ein paar Monaten hat sie in der Frauenliga Handball gespielt. Nach einer Verletzung in einem Spiel wurde ihr klar, dass sie sich mit ihren 51 Jahren aus dem Sport zurückziehen musste.

Arbeiten für die Pension

Wie ungerecht die Welt des Sports sein kann, sieht man bei Stanka deutlich. Die Frau, die unzählige Male auf dem Siegerpodest stand und deren Finger von zahlreichen Sportverletzungen knorrig sind, arbeitet seit sieben Jahren in einem Geschäft für Sportartikel in einem Einkaufszentrum. „Ich muss arbeiten gehen, denn ich muss für die Pension verdienen. Handball ist nicht Fußball oder irgendein anderer gut bezahlter Sport, in dem man viel Geld verdient”, sagt uns Stanka, die trotzdem keinen Moment ihrer langen Karriere missen will.

Große Resultate gibt es im Sport nicht ohne große Entbehrungen. „In meiner frühen Jugend und auch später hatte ich keine Zeit, mit meinen Freunden auszugehen. Meine Familie hat mich oft vermisst, und ich sie auch. Darum versuche ich heute, all das nachzuholen. Ich genieße es, für meine Familie zu kochen und sie zu verwöhnen“, erzählt unsere Gesprächspartnerin. Auch ihr Ehemann Momo freut sich über die neu gewonnene Zweisamkeit.

Ein untypischer Montenegriner

„Schon am Anfang unserer Beziehung wusste ich, dass ich mich zurückhalten muss und kann. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die von der Frau erwarten, dass sie ihre Karriere für den Egoismus des Mannes opfert“, sagt Momo, der viele Jahre lang in einem Sportinternat als Fahrer beschäftigt war und parallel dazu als Tennistrainer arbeitete.

Mamas Nachfolger auf dem Handballfeld ist Janko, der im Moment in der deutschen Bundesliga spielt und parallel dazu die österreichischen Nationalfarben verteidigt. „Janko ist Linkshänder wie ich und ist mit 19 Jahren in die erste österreichische Nationalmannschaft aufgenommen worden. Er war im ersten Teil der deutschen Erstligasaison der beste Schütze mit den meisten, aus dem Spiel heraus erzielten Toren. Wenn er früher mit dem Handball angefangen hätte, wäre er sicher einer der besten Spieler der Welt geworden“, erzählt die Vollblutsportlerin über ihren Sohn.

Vera Marjanović / KOSMO

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