INTERVIEW MIT TIFA: 28.02.2014

Ein Leben für den Rock´n´Roll

© KOSMO / Rajo Đokić
KOSMO traf ein Pop-Idol des ehemaligen Jugoslawien. Mladen Tifa Vojičić war Sänger legendärer Bands wie Bijelo Dugme, Divlje Jagode und Vatreni Poljubac.


Mladen Tifa Vojičić ist wieder da. Und er hat ein neues Album im Gepäck: „Spreman sam na sve“ - „Zu allem bereit“. KOSMO besuchte vor Kurzem Tifas Konzert, das von dem bekannten Wiener Musikmanager Fikret Vukalić Fantom organisiert wurde und sprach mit einer lebenden Legende.


KOSMO: Dein musikalisches Talent hast du schon während der Schulzeit entdeckt?

Tifa: Ja, schon zu meiner Zeit war die Rockband „Indexi“ sehr populär. Den Sänger der Band, Davorin Popović, sehe ich als meinen Mentor. In der Schulband spielte ich Bassgitarre. Dann ist zu einem Konzert der Sänger nicht erschienen und ich  musste einspringen. Damit begann mein halsbrecherisches Abenteuer als Rock’n’Roll-Stimme.

Nach der Schule hast du dich aber erst einmal an der Fakultät eingeschrieben?

Auf Wunsch meiner Eltern habe ich eine Hochschulausbildung begonnen. Mein Vater war Ingenieur, Geodät. Meine Mutter war Hausfrau und sie erwarteten, dass ich die väterliche Tradition fortsetzen und Naturwissenschaftler werden würde. Während mein Bruder Dragan Jus absolvierte, habe ich mich an der Maschinentechnischen Fakultät eingeschrieben. Auf der anderen Seite stand ich schon tief in der Welt der Musik.

1984 wurdest du Sänger der größte Band des ehemaligen Jugoslawien, Bijelo Dugme. Wie war die Zeit für dich?

Am Anfang sehr anspruchsvoll. Als erheblich jüngeres Bandmitglied und relativer Außenseiter hatte ich vor allem mit dem Schlagzeuger der Band, Goran Ivanić, eine gemeinsame Sprache. Er war nur fünf Jahre älter als ich, der Rest der Gruppe bis zu zehn Jahre. Der Bandleader, Goran Bregović, ist auch ein sehr guter Geschäftsmann und hatte nicht viel Verständnis für die jüngeren Generationen, die mit den härteren Sound der späten Siebziger aufgewachsen waren. Ich war Hardrocker. Gruppen wie „Deep Purple“ und später „White Snake“ waren meine Idole. Zwischen uns lagen ein Generationensprung und ein unterschiedliches Verständnis der gesellschaftlichen Umstände.

Mit dem Sänger Alen Islamović hast du eine berühmte Rochade vollzogen: Er ging zu Bijelo Dugme und du begannst bei Divlje Jagode?

Ja, Bregas Dugme suchte immer nach einem thematischen Crescendo (einem allmählich anschwellenden Ton), während ich eine Band mit einem konstanten Rock-Sound suchte. So kam ich zu Jagode.

Es folgte die Band „Vatreni Poljubac“ und du begannst deine Solokarriere?

Ja, am 2. April 1990, zwei Tage vor dem Zerfall Jugoslawiens, nahm ich mein erstes Soloalbum „No 1“ auf.

Während des Krieges in Bosnien-Herzegowina hast du Sarajevo nicht verlassen?

Ich habe sogar eine Reihe von Liedern aufgenommen, z.B. „Grbavica“ oder „Sarajevo Insallah“.

Und dann bist du in die Welt hinausgezogen, zuerst nach Deutschland und dann nach Amerika?

Ein Besuch an der Westküste der USA 1996 gab mir neue Inspiration, und dann ging ich für meine Solokarriere zurück nach Sarajevo.

Du hast ein neues Album herausgebracht?

Die Produktion „Spreman sam na sve“ ist 2013 herausgekommen. Damit bin ich im Moment auf Welttournee. Es ist eine Kombination aus härterem Rock und maritimen Versen.

Welche Motive stehen hinter diesem Titel?

Die Aussage ist: Übertreib es nicht, aber versuche alles, solange du die Situation im Griff hast. Wenn du zum Sklaven wirst, hör’ auf.

Interview: Josip Andrejevski / KOSMO


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