ZMAJEVI 03.09.2014

„Dzeko ist wie mein Bruder”

© KOSMO / Radule Božinović
Anel Hadžić, der defensive Mittelfeldspieler von Sturm Graz, trägt in letzter Zeit fast immer ein Lächeln im Gesicht. Dieser sympathische junge Mann, ein Gastarbeiterkind aus Cazin, hat sich mit seinem Auftritt für Bosnien-Herzegowina in Brasilien einen Traum erfüllt, für den fast jeder Fußballspieler auf der ganzen Welt lebt – die Teilnahme an einer Fußballweltmeisterschaft.


KOSMO: Anel, welche Eindrücke hast du aus Brasilien mitgebracht?

Anel Hadžić: Für mich war das eine großartige Erfahrung, das Trikot meines Landes anzuziehen und für dieses Land anzutreten – das ist etwas unbeschreibliches. Dieses Gefühl kann man nicht für Geld kaufen. Natürlich ist es schade, dass wir nicht weitergekommen sind, vor allem wegen unserer Qualität und unseren Fans. Aber ich glaube, dass uns einfach noch die Erfahrung großer Turniere fehlt. Und auch die Schiedsrichter waren uns in entscheidenden Momenten nicht gerade wohlgesonnen. Alles in allem war das trotzdem eine große Sache für Bosnien-Herzegowina.

Bis zum Schluss wusstest du nicht, ob du eine Einladung nach Brasilien bekommst. Kaum jemand hat damit gerechnet, dass du in der WM auch zum Einsatz kommen würdest. Aber beides ist eingetreten...

Darüber bin ich überglücklich. Als ich vor dem Spiel gegen den Iran die Hymne gehört habe, habe ich gezittert und Gänsehaut bekommen. Aber die anderen Nationalspieler haben mir sehr geholfen. Edin Džeko ist vor dem Spiel zu mir gekommen, hat mich umarmt und gesagt: „Entspann dich, alles wird OK...“. Das hat mir viel bedeutet. Da habe ich begriffen, dass diese Mannschaft nicht nur aus großen Stars besteht, sondern auch aus großartigen Menschen.

Außer deinen Eltern, die in Österreich leben, ist der größere Teil deiner Familie noch in Cazin. Wie haben die darauf reagiert, als du aufgestellt wurdest?

Am meisten hat das alles meinen Vater berührt, der sogar vor Freude geweint hat. Als er mich im Trikot von Bosnien-Herzegowina gesehen hat, war es, als ob ihm ein Stein vom Herzen fiele. Er hat immer an mich geglaubt und davon geträumt, dass ich eines Tages dieses Trikot tragen würde. Natürlich war auch der übrige Teil der Familie euphorisch, wie ja im Übrigen auch das ganze Land. Ständig kamen Nachrichten, Einladungen, Glückwünsche....

Es gab Spekulationen, dass du nach der WM nach England zu Newcastle gehen würdest, und es wurden auch einige andere Clubs erwähnt. Wann wirst du Sturm verlassen und in welcher Liga würdest du am liebsten spielen?

In diesen Wochen sollte die Entscheidung fallen. Noch laufen die Verhandlungen, und ich werde nichts sagen, solange es nicht fix ist. Persönlich würde ich am liebsten in Italien oder Spanien spielen. Das sind Ligen, zu denen mein spielerischer Stil sehr gut passen würde.

Im März hattest du dein Debut gegen Ägypten, aber in Brasilien hast du doch mehr Einblick in die ganze Nationalmannschaft gewonnen. Wie ist die Atmosphäre bei den Drachen?

Die Atmosphäre ist super. Alle sind absolute Profis, aber gleichzeitig gibt es in der Mannschaft auch viel Spaß. Wir Bosnier sind ja bekannt für unseren Humor, und genauso ist es auch im Nationalteam. Als ich das erste Mal bei den Zmajevi dabei war, war ich nicht sicher, wie sie mich aufnehmen würden, aber alle waren super zu mir und haben mich aufgenommen, als ob wir uns schon seit zehn Jahren kennen würden, und nicht erst seit ein paar Tagen. Das hat mir das alles sehr erleichtert.

Man weiß, dass die kroatischen Fußballer vor den Spielen patriotische Lieder gehört haben. Was hört man im Mannschaftsbus der Drachen vor den Spielen?

Meistens werden irgendwelche Volkslieder gesungen. In Brasilien haben Halid Bešlić, Enes Begović und Semša Suljaković dominiert. Wenn man die Atmosphäre anheizen will, ist das einfach das Beste...

Mit wem hast du dir in Brasilien das Zimmer geteilt?


Jeder hatte sein eigenes Zimmer, aber am meisten Zeit habe ich mit Muhamed Bešić, Tino Sušić und Avdija Vršajević verbracht. Sie sind mir auch im Alter am nächsten.

Bald beginnen die Qualifikationen für die Europameisterschaft. Wie beurteilst du Euer Team?

Obwohl wir eine starke Mannschaft sind, müssen wir bei Israel und Wales aufpassen. Sie können unangenehm werden. Belgien ist unser stärkster Gegner. Ich gehe davon aus, dass wir gegen sie um den ersten Platz kämpfen werden, und ich glaube auf jeden Fall, dass wir uns für die EM qualifizieren werden. Wir gehören einfach dahin. Wir haben ein tolles Team.

Interview: Petar Rosandić / KOSMO  


STECKBRIEF:


Geburtsort und -datum: 16.8.1989, Velika Kladuša (Bosnien-Herzegowina)
Aufgewachsen in: Ried
Erster Profivertrag: SV Ried
Spielt derzeit für: Sturm Graz
Erstes Bundesligator: 25.10.2009 gegen Red Bull Salzburg
Erste Nominierung für BiH: 5.3.2014 gegen Ägypten


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