INTERVIEW 03.11.2014

Dragana Mirkovic: "Hier entsteht mein eigenes Museum"

© DM
Dragana Mirković, serbische Madonna und einer der größten Stars der Balkanmusik, hat für KOSMO erstmals die Türen ihres Palasts im niederösterreichischen Ebenfurth geöffnet.


Über die Karriere von Dragana Mirković wurden zahlreiche Zeitungsseiten, ihre Hits hört man auf jeder Party. Wenn sie jedoch nicht auf der Bühne steht oder geschäftliche Meetings absolviert, verwirklicht sie „das größte Projekt ihres Lebens“: die Renovierung eines riesigen Schlosses im niederösterreichischen Ebenfurth, den sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Toni Bijeljić vor vier Jahren gekauft hat.

KOSMO: An der Renovierung eures Schlosses wird mit Volldampf gearbeitet und einige Räume sind schon fast fertig. Habt ihr euch hier schon eingerichtet?

Dragana Mirković:
Wir halten uns immer öfter hier auf, aber bis zum endgültigen Umzug wird es noch einige Zeit dauern. Heute haben die Arbeiter die Turmuhr fertiggestellt. Seitdem wir alle 250 neuen Fenster eingebaut und die Stromversorgung, Wasser und Kanalisation im ganzen Schloss erneuert haben, kann man sagen, dass der schwerste Teil der Arbeit getan ist.

Was liebst du an dem Palais am meisten?

Wir lieben den Ballsaal. Er ist einfach großartig, barock und erinnert an den Glanz alter Zeiten. Mein Gott, wenn ich mir vorstelle, wer alles durch diese Hallen gewandelt ist, von Maria Theresia bis zu der Nobelpreisträgerin Bertha von Suttner, bekomme ich Gänsehaut...

Dir gefällt die Geschichte?

Natürlich. Immer wenn Leute hören, dass ich das Schloss gekauft habe, denken sie, dass es mir um seinen materiellen Wert geht, aber die historische Komponente ist das, was es in Wirklichkeit besonders macht. Ich habe die Geschichte des Schlosses im Detail studiert und lerne noch immer dazu. Dieser Wert lässt sich mit Geld nicht messen. Darin liegt in Wahrheit sein Reiz.

Ich sehe, dass du mitten in der Planung steckst, wie du die Details im Palais gestalten willst. Wie sehen sie aus?

Ja, wir haben eine Menge Pläne, aber einer der romantischsten ist für mich, dass wir unter der Turmuhr eine Bibliothek einrichten, wo ich all meine Bücher aus Kindertagen unterbringen will und auch die deutsche Literatur, die mein Mann besitzt. Schon als Mädchen war ich verrückt nach Büchern und der Geruch alter Bücher hat für mich eine besondere Magie.

Wie sehr bist du heute Managerin und Geschäftsfrau und wie sehr tatsächlich Musikerin?


Wenn ich die Stimme meines Herzens frage, kommt die Musik gleich nach meiner Familie, die über allem steht. Geschäftlich gesehen kommt ansonsten derzeit die Managerrolle vor der musikalischen. Aber wenn ich Musik mache, mache ich das noch immer hundertprozentig.

Es ist kein Geheimnis, dass Geld und Erfolg Neid hervorrufen. Wie gehst du damit um?


Naja, wenn man den Balkanmedien glauben will, sind wir schon hundertmal Bankrott gewesen, unser Haus wurde konfisziert und alles Mögliche sonst… Ehrlich gesagt wollte ich gegenüber unseren Medien von Anfang an verschweigen, dass wir ein Schloss kaufen, denn ich habe alle möglichen Dummheiten erwartet. Aber nachdem ich ein im ORF Interview gegeben hatte, war das nicht mehr zu umgehen.

Wie sehen die Österreicher die Tatsache, dass ein Star vom Balkan jetzt über einen ihrer Kulturschätze herrscht?


Ich bin positiv überrascht von den Reaktionen, angefangen vom Bürgermeister der Gemeinde bis zu unseren Nachbarn, die sich freuen, dass wir uns der Rettung dieses kulturellen Juwels annehmen. Obwohl das Schloss meinem Mann und mir gehört, sind wir uns der Verantwortung bewusst, die wir haben. Außer dass wir darauf achten, dass alle Elemente ihren alten Geist behalten, sammeln wir auch alle alten Bilder des Schlosses, alte Dokumente und wertvolle Dinge, die im Schloss gefunden werden. Ich glaube, die beste Lösung ist ein Museum, mit dem wir allen ermöglichen, dieses Juwel zu bewundern.

Während ich auf dich gewartet habe, hat mir euer Architekt verraten, dass du auch ein Dragana Mirković-Museum planst.

Na, du hast ja keine Zeit verloren! Das habe ich noch geheim gehalten, aber jetzt ist es zu spät (lacht). Ja, es wird auch ein Museum mit meinen Preisen und Platten geben. Ich muss zugeben, dass ich durch Österreich und die Österreicher erst begriffen habe, wie beeindruckend meine Karriere eigentlich ist.

Warum hast du dafür gerade die Österreicher gebraucht?


Als ich hierhergekommen bin, habe ich nicht geahnt, dass die Österreicher so auf meine Karriere reagieren würden. Ich dachte, dass ich hier ein Niemand sein würde, ein vollkommener Anonymus. Aber sie haben mich nicht nur zum Festival der modernen Kunst eingeladen, sondern ich war auch Botschafterin der Basketball-Europameisterschaft in Österreich. Ich bin Österreich dankbar, sowohl dem Staat als auch der Gesellschaft als Ganzes. Sie haben mich mit offenen Armen aufgenommen und das werde ich ihnen niemals vergessen.

Deine Kinder haben dir einmal verboten, im ORF Deutsch zu sprechen. Wie geht es dir heute mit der deutschen Sprache?


Naja, heute würde ich ein Interview schon auf Deutsch geben. Ich habe mich verbessert, auch wenn mein Deutsch nie so klingen wird wie das meiner Kinder, die einen echten österreichischen Akzent haben. Obwohl sie hervorragend Serbisch sprechen, ist Deutsch eigentlich ihre Muttersprache.

Wirst du irgendwann einmal auf Deutsch singen?

Oh, na, eigentlich müsste ich das, wo ich doch auch schon in verschiedenen anderen Sprachen gesungen habe. Hier und da singe ich mal Udo Jürgens, aber das mehr für mich selbst. Schauen wir mal…

Wie siehst du die Situation der Zuwanderer aus dem ehemaligen Jugoslawien in Österreich?

Ich glaube, dass wir Österreich viel zu geben haben. Unsere Landsleute gehören in dem, was sie tun, oft zu den Besten, und das werden auch die kommenden Generationen beweisen.

Glaubst du, dass sich unser Image in Österreich verbessern lässt?

Wenn ich mir meine Kinder und die jungen Menschen aus Ex-Jugoslawien anschaue, die hier leben, sehe ich zukünftige Manager, Wissenschaftler, Sänger… Und ich bemühe mich, auch mit meinen Auftritten und meiner Beziehung zu diesem Schloss und meiner Umwelt unser Image im Land und in der Gesellschaft zu verbessern. Wir sind Teil dieser Gesellschaft und müssen darum auch Verantwortung übernehmen.

Petar Rosandić / KOSMO

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