KOMMENTAR 30.04.2014

Die Wurzeln des Radikalen

© zVg.
Ein Kommentar von KOSMO-Chefredakteur Nedad Memić zum aktuellen Fall der beiden „Syrien-Mädchen“.


Die Öffentlichkeit in Österreich und Bosnien-Herzegowina ist gleichermaßen geschockt: Am 10. April rissen zwei Mädchen (15 und 16 Jahre) bosniakischer Herkunft aus einer gut integrierten Wiener Familie, die vom Krieg in Bosnien-Herzegowina nach Österreich geflüchtet war, angeblich nach Syrien aus, um dort „für den Islam“ zu kämpfen. Die österreichische Boulevardpresse fand sofort ein weiteres beliebtes Thema, das sie seit einigen Wochen ausschlachten kann. Während man alles über die bizarren Wortmeldungen, die die beiden Mädchen übers Internet geschrieben haben, lesen kann, fragt sich kaum jemand nach dem Grund für die Flucht aus ihrem Zuhause.

Die Syrien-Mädchen sind in erster Linie zwei manipulierte Minderjährige, die das ganze Ausmaß der Situation, in der sie sich momentan befinden, bei Weitem nicht einschätzen können. Sabina und Samra liefen von zu Hause weg: eine Handlung, die unter Pubertierenden nicht komplett ungewöhnlich ist. Beide Mädchen suchten offenbar nach einem Ausweg, gefunden haben sie ihn in einem Fanatismus, der ihnen und ihrer religiösen und kulturellen Tradition nicht nahesteht. Ebenso hätten sie sich in ihrer Entfremdung der Drogensucht oder der Gewalt zuwenden können. Die Ursachen für diese Flucht sollte man daher vor allem in der unmittelbaren Umgebung der Mädchen suchen, etwa bei ihren Familien oder Freunden.

Nedad Memić / KOSMO

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