LITERATUR 03.06.2014

Die Verschwörung der Fahrradfahrer

© zVg.
"Die Verschwörung der Fahrradfahrer" („Fama o biciklistima“) von Svetislav Basara ist ein jugoslawischer Kultroman, der im Original vor fast dreißig Jahren erschien. Die erste deutsche Übersetzung erschien vor kurzem im Dittrich Verlag. Wir sprachen mit der Übersetzerin Mascha Dabić.


KOSMO: Wie kaum ein anderes Buch ist Basaras Roman von 1986 vor allem durch seinen Spitznamen bekannt – "Fama". Woher kommt der Kultstatus des Romans?

Mascha Dabić: Es gibt mehrere Antworten auf die Frage, warum die „Fama“ Kultstatus erlangt hat: Das Buch ist eine Satire, die ihrer Zeit voraus war. Der Autor übte satirische Kritik an einem System, das in der Bürokratie zu ersticken drohte, und wurde von der Realität bei weitem überholt. Der Autor verbindet Witz und Intelligenz mit historischem Wissen, messerscharfer politischer Analyse und kompromisslosem Humor. Übrigens, auf Deutsch hat „Fama“ als Titel nicht so gut funktioniert, deshalb haben wir uns an die englische Version angelehnt („The Cyclist Conspiracy“, in der Übersetzung von Randall A. Major), und so wurde aus der „Fama“ im Deutschen „Die Verschwörung der Fahrradfahrer“.

Wie lange hast du an der Übersetzung gearbeitet und was waren die größten Herausforderungen?

Ich habe etwa zwei bis drei Jahre an der Übersetzung des Romans gearbeitet, allerdings nicht durchgehend. Als große Herausforderung empfand ich die große Bandbreite an unterschiedlichen Stilen, mit denen der Autor jongliert. An manchen Stellen war es nötig, viel Recherche zu betreiben, um die richtigen Ausdrücke zu finden. Der mitunter sehr subtile Humor des Autors war ebenfalls eine - schöne - Herausforderung. Außerdem war es wichtig, jedem der vielen Protagonisten eine authentische Stimme zu verleihen.

Die postmoderne Literatur aus der „Fama“ hervorgegangen ist, hat den Gipfel ihrer Popularität schon überschritten. Was ist es, das für den heutigen Leser interessant sein kann?


Ich denke, es kann interessant sein, sich damit zu beschäftigen, wie eine Stilrichtung, die früher geradezu futuristisch war, heutzutage eher antiquiert wirkt und trotzdem aktuell bleibt; „aktuell“ in dem Sinn, dass große gesellschaftspolitische und philosophische Fragen verhandelt werden, die heutzutage ebenfalls relevant sind, aber oft nicht mehr offen diskutiert werden, weil heute das individuelle Erleben stärker in den Vordergrund gerückt ist.

Was glaubst du, wie das Buch im deutschsprachigen Raum aufgenommen wird?

Der Roman könnte potenziell jeden Leser und jede Leserin ansprechen, weil er leichtfüßig durch Zeit und Ort reist und damit an keine bestimmte Epoche gebunden ist. Die „Fama“ kann immer und überall eine Aktualität entfalten, weil sie sehr viele Bereiche des menschlichen Erlebens und der gesellschaftspolitischen Problematik umfasst. Es handelt sich um eine sehr wertvolle Lektüre, und es lohnt sich, sich darauf einzulassen.

Was hat dir selbst als Leserin an besten gefallen?

Ich mochte die Korrespondenz Freuds über den fiktiven Patienten J. Kowalsky. Ich mochte auch die Gedichte Kowalskys. Die Monologe Karls des Grässlichen fand ich manchmal sehr amüsant, und zuweilen auch erschreckend wahrhaftig. Besonders berührend fand ich die kammerartige Szenen im sowjetischen Arbeitslager.

Interview: Uros Miloradović / KOSMO

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