INTERVIEW: ROBERT PERIŠIĆ 05.02.2014

Die Verantwortung des Erzählers

© zVg.
KOSMO traf einen der erfolgreichsten kroatischen Autoren bei seiner Lesung in Wien. Robert Perišić sprach mit uns über das Schreiben, die Krise und die Verantwortung des Geschichtenerzählers.


Robert Perišić, geboren 1969 in Split, ist derzeit der meistübersetzte Schriftsteller Kroatiens. „Mercedes-manijak“ ist nur einer seiner kritischen Essays über die aufgemotzte Verhaltensweise der „West-Balkanesen“. Sein Bestseller „Unser Mann vor Ort“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt. KOSMO traf ihn vergangene Woche bei seine Lesung in Wien.

KOSMO: Du absolvierst gerade einen einmonatigen Aufenthalt als Artist in Residence in beim Unabhängigen Literaturhaus Niederösterreich. Welchen Eindruck hast von Österreich bekommen?

Robert Perišić: Ich habe an einigen höheren bildenden Schulen in Eisenstadt und Wien unterrichtet. Hauptsächlich waren es Schüler, die sich mit der bosnisch/kroatisch/serbischen Sprache auseinandersetzen. Ob man studiert hat oder Arbeiter ist, den Menschen scheint es trotzt der allgemeinen Wirtschaftskrise gut zu gehen. Österreich ist ein traditionell hart arbeitendes Land und solche Länder geraten nicht so leicht in die Krise. Hier herrscht ein anderes Arbeitsethos. Die Menschen sind hier auch gelassener und fühlen sich wirtschaftlich sicherer.

Wie zufrieden bist du mit dem Erfolg deines letzten Buchs „Unser Mann vor Ort?

Nach der Buchveröffentlichung in Republiken Ex-Jugoslawiens fand die nächste Premiere in Graz statt (2011 - Literaturpreis der Steiermärkischen Sparkasse, Anm.). Das Buch wurde auch in den USA, Großbritannien und Italien herausgegeben. Es ist der meistübersetzte Roman in Kroatien in den letzten zehn Jahren. Ich bin sehr zufrieden.

Wovon handelt der Roman?

Die Geschichte handelt von einem Dramaturgen, der als Journalist in Zagreb arbeitet und für eine Berichterstattung im Irakkrieg 2003 angeworben wird. Aber er liefert nur konfuse Berichte ab. Am Ende stellt sich heraus, dass der Protagonist selber die Gräuel des Krieges erlebt hat und, dass ihm diese Erlebnisse verfolgten. Trotz der Schwere des Themas wird die Geschichte dem Leser mit Humor näher gebracht. Bei jüngeren Lesern Ex-Jugoslawiens kam das Buch sehr gut an!

Nach dem film „100 minuta slave“ (100 Minuten Ruhm), für welchen du das Drehbuch geschrieben hast, spieltest du in zwei weiteren, in Cannes nominierten Kurzfilmen mit…

Ja, das waren zwei Kurzfilme vom Regisseur Dalibor Matanić, “Suša” (Die Dürre) und „Tulum“ (Die Party). Ich erzähle unter befreundeten Schauspielern gerne die Anekdote dass ich bei zwei in Cannes nominierten Filmen mitgespielt habe ohne jede schauspielerische Erfahrung (lacht).

Was ist deine Botschaft an junge Autoren?

Man sollte zu sich selbst ehrlich und fantasievoll sein. Ein Buchautor trägt die ganze Verantwortung seines Werkes mit sich, dessen sollte man sich bewusst sein.

Interview: Josip Andrejevski / KOSMO

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