PORTRAIT 05.05.2014

Die Macht der Violine

© zVg.
Die Violinistin Tanja Paucanović (25) ist in unserer Community kein unbekanntes Gesicht: Auf zahlreichen „Jugo-Hochzeiten“ in Wien lässt sie mit ihrer Geige die Balkanherzen höher schlagen.

Eigentlich kam die gebürtige Walachin aus dem serbischen Laznica vor einigen Jahren nach Wien, um Violine und Jazzgesang am Konservatorium in Wien zu studieren. Aber während sich Tanja unter der Woche auf der Universität sich vor allem mit klassischer Musik befasst, verdient sie ihr Geld an den Wochenenden bei Hochzeitsfeiern. „Natürlich sind es zwei verschiedene Welten. Aber ich fühle mich sowohl in der klassischen, aber auch in der Balkanmusik zuhause“, sagt die junge Studentin.

Musik mit Emotionen


Ihr mitreißender und energischer Stil versetzt die Hochzeitsgäste nicht nur in Freude, sondern weckt auch nostalgische Erinnerungen an die Heimat. „Bei Balkanmusik hat die Emotion eine ganz spezielle Rolle. Und wenn man die Emotion richtig an den Hörer bringen kann, dann hat man schon gewonnen“, sagt die Geigerin über ihre eigene Erfahrungen. Meistens bildet sich bei den Hochzeitsfeiern um die Violinistin ein Reigentanz (Kolo), bei dem alle Augen auf die junge Dame und ihr Geschick am Instrument gerichtet sind. „In solchen Momenten spürst du wie mächtig eigentlich dein Instrument ist. Es ist die Macht der Violine“, sagt Paucanović.

Vor allem auf walachischen Hochzeiten ist die Geigerin ein gern gesehener Gast, da sie selber Angehörige dieser Minderheit in Serbien ist. „Wir Walachen sind von Natur aus temperamentvoll und dynamisch, oft sogar explosiv. Man muss schon genug Feuer haben, um auf solchen Hochzeiten zu spielen“, sagt die Violinistin aus Serbien. Obwohl sie sich selber als Serbin fühlt, ist Tanja stolz auf ihre Wurzeln und vor allem auf ihre Zweisprachigkeit. „Dass ich zwei Sprachen und zwei Kulturen kenne, ist schon eine große Bereicherung für mich, sowohl im Zwischenmenschlichen als auch in der Musik“, so die junge Geigerin.

Wenn die Scheine fliegen

Dass sich bei Balkanhochzeiten auch gutes Geld verdienen lässt, verheimlicht die junge Dame im Gespräch mit KOSMO nicht. Die Gäste bei Balkanhochzeiten sind dafür bekannt, dass sie sehr spendabel sind. In den Youtube-Videos von Tanja sieht man, wie ihre Violine regelmäßig von den Besuchern mit Euro-Scheinen geschmückt wird. "Im Prinzip geht es mir aber nicht ums Geld. Ich liebe die Musik und meine Landsleute", sagt Tanja.

In der Zukunft will die Musikerin bei ihren eigenen Projekten traditionelle mit moderner Musik verbinden. „Ich mag noch gar nichts verraten, aber es wird definitiv eine spannende musikalische Mischung“, sagt die bescheidene Geigenspielerin.

Ihren großen Traum verrät uns die junge Frau am Ende unseres Gesprächs: Sie will als auch Großmutter auf Hochzeiten spielen und auf Bühnen herumspringen. „Ich will es wie Tina Turner machen und auch als alte Oma die Menge  zum Kochen bringen. Sie ist mein großes Vorbild, weil sie – genauso wie ich – ein Energiebündel ist“, sagt Tanja abschließend. 

Sandra Radovanović / KOSMO

Ein Video von einem von Tanjas Auftritten finden Sie unterhalb des Fotos.

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