INTERVIEW 04.05.2015

Die Königin der serbischen Volksmusik

© KOSMO / Radule Božinović
Der Saal in der Lugner City dröhnte vom Applaus und der authentischen Stimme von Zorica Brunclik. Es war ein großes Musikspektakel, das Balkanstar organisiert hatte, aber vorher traf sie sich mit KOSMO zum exklusiven Interview.


KOSMO: Letzes Jahr haben Sie das 40. Jubiläum Ihrer Karriere mit einem großen Konzert in der Belgrader Arena begangen. Wissen Sie noch, wie es war, als Sie angefangen haben?


Zorica Brunclik:
Jetzt sollte ich witzig sein und sagen, dass das schon so lange her ist, dass ich das nicht mehr weiß. Wissen Sie, jeder dieser Momente, die Sie aus der Welt der Anonymität in die Welt der Berühmtheit katapultieren, scheint außerordentlich zu sein. Und dann gewöhnen Sie sich einfach daran. Dann tritt eine Ernüchterung ein, denn es kommt der Generationenwechsel. Neue, junge Künstler treten in Erscheinung, deren Auftreten und Genres interessanter sind und die den Menschen gefallen. Und dann setzen Sie sich hin und haben dieses Aha-Erlebnis, dass nichts für immer ist, nicht einmal das Leben.

Aber Ihre Karriere ist noch immer ziemlich erfolgreich…


Es gibt etwas, worüber ich sehr oft nachdenke, und das hat mir Aca Lukas gesagt. Einmal kommen Sie in die Situation, dass Sie die Popularität Ihrer Lieder übertreffen. Dann scheint es Ihnen, dass Ihre Lieder nicht gut genug sind. Sie werden anspruchsvoller und auf gewisse Weise auch narzisstisch. Und dann finden Sie sich ab. Sie sagen sich, gut, ich bin lange genug hier, ich habe 15 Millionen Tonträger verkauft, was will ich mehr? Ich habe mich in allen Lebensbereichen verwirklicht. Und dann erschüttert Sie Ihr Jubiläum.

Ihr in jedem Sinne treuer Begleiter ist der Harmonikaspieler Kemiš. Wie haben Sie herausgefunden, dass er Ihre verwandte Seele ist?

Ich glaube, dass jeder auf der Welt eine verwandte Seele bzw. seine andere Hälfte hat. Und wenn sich diese beiden Hälften verbinden, dann ist das eine vollkommene Einheit. Die gute Kombination bei uns ist, dass wir beide in verschiedenen Fächern am besten sind. Wären wir beide Sänger, hätten wir vielleicht Konflikte und Rivalitäten. Aber wir sind Inspiration für einander. Und das ist der Schlüssel zu unserer Beziehung. Und dass wir uns ergänzen, und vor allem, dass wir uns nicht ersticken. Wir respektieren und verstehen unsere Bedürfnisse nach Zeit für uns selber.

Heute werden Ehen kaum geschlossen und noch schneller geschieden… Was meinen Sie, warum ist das so?


Ich habe Ihnen diese märchenhafte Seite unserer Ehe geschildert. Eine Ehe ist eine Gemeinschaft zweier Menschen mit vielen Kompromissen. Wenn Sie nicht bereit sind, Opfer zu bringen, im richtigen Moment zu schweigen und auf vieles zu verzichten, dann kann eine Ehe sicher nicht gelingen. Ich glaube, dass die jungen Leute dazu heute nicht mehr bereit sind. Aber wenn Sie ihre richtige Hälfte gefunden haben, erkennt sie Ihren Verzicht und belohnt ihn mit Dankbarkeit, Liebe, Gesten, Geschenken…

Ihr Haar mit seiner ungewöhnlichen Farbe ist ihr Markenzeichen. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich pink färben zu lassen?

In der Welt des Showbusiness müssen Sie einzigartig sein. Sie müssen eine Marke sein. Vor allem ich, die ich im Horoskop Löwin bin, achte auf das Aussehen meines Gesichts, das ist für mich das Wichtigste. Meine Farbe ist eigentlich Lila, aber das ist bei der Haarpflege viel schwieriger. Und so sind wir irgendwie auf diese Nuance gekommen und jetzt würde ich sie nicht mehr ändern, denn sie ist zu meinem Markenzeichen geworden.

Ist Pink wirklich Ihre Lieblingsfarbe? Haben Sie zu Hause Dinge in dieser Farbe?


Ja, ich habe eine kleine Bibliothek, die meine Freunde gerne ein Kabinett nennen, denn sie ist nur dreimal drei Meter groß. Hier ist alles in Pink und Weiß. Das hat mir mein Mann vor drei Jahren für den Valentinstag so gestaltet. Sogar die Schalter sind pink. Und jetzt hat er auch einen rosa Fernseher für mich gefunden.

Können Sie aus der Unmenge von Hits drei herausgreifen, die Ihnen am meisten am Herzen liegen?


Ich habe in gewisser Weise die Emotionen aller meiner Lieder durchlebt, während ich sie aufgenommen habe. Aber meine Stimmfarbe und meine Sensibilität neigen mehr zu der Trauer, die ich vermitteln kann und die mir die Menschen glauben. Ich könnte Ihnen die drei Lieder nennen, denen ich am dankbarsten bin. Das erste, das mich bekannt gemacht hat „Ne daj da nas rastave“ („Lass nicht zu, dass man uns trennt“), dann das nächste, das meine Karriere neu belebt hat: „Ja znam“ („Ich weiß“), und als Drittes ein Lied das „zum Vampir geworden ist“: „A tebe nema“ („Aber du bist nicht da“).

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