MAGAZIN 07.04.2015

Die Billa-Karte: der erste Schritt zur Einbürgerung

Der Autor und KOSMO-Redakteur Uroš Miloradović schreibt „Geschichten aus dem kurzsichtigen Winkel“ – diesmal: Was Putin, Billa und H.C. miteinander zu tun haben.

Wien im Jahr 2020. In einer Presseausendung vom 1. April, forderte die Wiener FPÖ die Abschaffung der Billa-Karte für Ausländer: „In fast allen Fällen ist die Billa-Karte das erste Ausweisdokument, das Ausländer hier in Österreich erlangen. In diesem Augenblick befindet sich ein Großteil von ihnen ohne gültige Aufenthaltsbewilligung auf unserem Territorium. Wir in der FPÖ glauben, dass diese Personen dadurch nur weiter ermutigt werden, in Österreich zu bleiben. Die Billa-Karte ist der allererste Schritt auf dem Weg zur österreichischen Staatsbürgerschaft.“ Die Presseausendung wurde mit folgendem Aufruf beendet: „Ermäßigungen nur für Österreicher! Billa für unsere Leut‘!“

Wien im Jahr 2015. Ebenso wie alle Medien der Welt wurde meine Oma langsam von der Frage besessen, wohin der russische Präsident Putin verschwunden war. An diesem Mittwoch kam sie ganz aufgeregt von ihrer Shopping-Tour nach Hause und warf sich sofort ans Telefon. Sie rief ihre beste Freundin an.

„Du glaubst nicht, was gerade passiert ist …“
„...???“
„Gerade eben, beim Billa… Ich habe alles Nötiges gekauft, gehe an die Kassa, und plötzlich steht er da…!“
 „...???“
„Wladimir Wladimirowitsch, Menschenskind…“
 „...???!!!“
„Putin, meine Liebe, Putin! Er nahm die Waren vom Fließband, ganz geschickt, und zog sie sie völlig entspannt und mühelos über den Scanner. Und lächelte dabei! Er sieht sogar an der Kassa noch so staatsmännisch aus, sag ich dir! Richtig souverän! Weiße Zähne, ein breites Lächeln –  zwar, ein bisschen sadistisch… Er ist ein Kopf größer als alle, wusstest du das?“    
 „...?!“
„Vielleicht stand er auf eine Bananenkiste, ich weiß es nicht, es ist nicht wichtig… Keine Ahnung warum er hier gelandet ist. Er dürfte irgendwo herausgefunden haben, dass die Roten neue Gemeindewohnungen bauen, und da ist er gierig geworden… Ihm ist wahrscheinlich der Kreml zu klein geworden!“
 „...?“
„Aktion? Natürlich! Ganze Hendl gibt‘s, drei Euro das Stück… Aber, du muss dich beeilen, die sind bald aus…“
 „...?“
„Was? Ah, ja, alles in Ordnung. Die haben mich angerufen und gesagt, dass schon alles erledigt ist. Die Staatsbürgerschaft sollte ich in sechs Monate bekommen. Du musst gar nichts einreichen, außer einer Kopie deiner Billa-Karte…“

Uroš Miloradović / KOSMO

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