BODYBUILDING 11.07.2014

Der weibliche Terminator

© KOSMO / Radule Božinović
Andrijana Dabić aus Belgrad ist heute die erfolgreichste österreichische Bodybuilderin. Über ihren ungewöhnlichen Lebensweg sprach sie mit KOSMO.


Theorien darüber, dass das männliche auch gleichzeitig das stärkere Geschlecht ist, lösen sich in Luft auf, wenn man Andrijana Dabić kennenlernt, die weibliche Version des berühmten Arnold Schwarzenegger und gleichzeitig die beste österreichische Bodybuilderin. Die junge Dame aus dem Belgrader Bezirk Zvezdara zieren nicht nur große, bis zur Perfektion definierte Muskeln, sondern vor allem auch der unbeugsame Wunsch, in dem Sport Erfolg zu haben, dem sie ihr Leben widmet – im Bodybuilding.

Nachdem sie für Österreich bei der Europameisterschaft den sechsten Platz  und beim Wettbewerb „Miss Olympia“ in Prag den vierten Platz errungen hat, war es höchste Zeit für uns zu erfahren, was sich hinter ihrer erfolgreichen Karriere verbirgt.

KOSMO: Die breitere Öffentlichkeit weiß nur wenig über das Frauenbodybuilding. Wie bist du zu diesem Sport gekommen?


Andrijana Dabić: Schon als Mädchen faszinierten mich drahtige und muskulöse Körper. Ich habe immer auf große Muskeln, gute Körper, schöne Haltungen und wohlgeformte Hintern geschaut... Mit 17 Jahren begann ich dann auch mit dem Gewichtheben. Ich ging ins Fitnessstudio und trainierte meine Muskeln. Inzwischen ist das Bodybuilding ein unverzichtbarer Teil meines Lebens. Ich arbeite nicht nur als Trainerin im Fitnesscenter, sondern baue mir gleichzeitig auch meine eigene Bodybuilding-Karriere auf.

Dennoch ist deine Erscheinung – im Verhältnis zu durchschnittlichen Maßen – in jedem Fall ungewöhnlich. Wie reagiert Umgebung auf dein Aussehen?


Ehrlich gesagt achte ich nicht mehr auf die Kommentare, die ich so höre. Wenn ich in der Stadt unterwegs bin oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahre, trage ich immer ein XXL- Leiberl, damit man meine Muskeln nicht sieht. Es ist vorgekommen, dass mich Leute provozieren wollen, dass sie mir hässliche Kommentare hinterherrufen, aber das kümmert mich nicht. Ich weiß, was ich will, privat und beruflich bin ich eine sehr glückliche Frau. Und was meine Neider dazu sagen ist mir egal.

Du warst sechste bei der Europameisterschaft, und in Prag hat du im letzten Monat beim Wettbewerb „Miss Olympia“ den vierten Platz erreicht. Wie weit willst du es in diesem Sport bringen?

Ich will an die Spitze. Ich mache diesen Sport zu lange und nehme das alles zu ernst, um jetzt bescheiden zu sein. Meine Ergebnisse zeigen, dass ich schon ganz an der Spitze bin. Es fehlt nur noch wenig, und ich werde die internationale Konkurrenz in die Tasche stecken. In Österreich habe ich sowieso keine.

Was sagen deine Eltern dazu?

Na ja, ich will nicht lügen. Meine Mama ist nicht begeistert, dass ich mir gerade diesen Sport ausgesucht habe. Aber da es nun einmal so ist, müssen sich meine Eltern nun langsam mit den Entscheidungen ihrer Kinder abfinden.

Viele junge Männer gehen ins Fitness-Center um Muskeln zu bekommen. Welche Tipps kannst du denen als professionelle Bodybuilderin geben?

Ich bin entsetzt, wenn ich sehe, was die alles machen und wie sie unseren Sport kompromittieren. Zuerst einmal gehören viele von ihnen aufgrund ihres Alters gar nicht in ein Fitnesscenter. Vor dem siebzehnten Lebensjahr haben sie dort nichts zu suchen, weil ihr Körper noch nicht ausgereift ist. Traurig finde ich es auch, wenn ich sehe, mit welchen Anabolika sie sich da aufpumpen. Dann ist es auch kein Wunder, dass manche schon fünf Jahre trainieren und ihre Muskeln noch immer aussehen wie bei Kindern. Sie sind echt lächerlich. Ich würde ihnen raten, einmal mit jemandem zu reden, der sich in diesem Sport ein bisschen auskennt und weiß, wie man richtig trainiert.

Gehst du manchmal in Wien aus?

Nein, sehr, sehr selten. Das interessiert mich nicht. Ich gehe nicht ins Fitnessstudio, um mich billig irgendwo in einer Diskothek oder in irgendeinem Club zu präsentieren, sondern auf professionellen Wettkämpfen, wo eine Fachjury entscheidet und nicht irgendwelche Frauen in Miniröcken.
 
Trotzdem hast du eine Zeitlang im Sicherheitsdienst eines bekannten ex-Yu-Clubs in Wien gearbeitet. Welche Erfahrungen hast du dort gemacht?

Mein Mann Ivica ist auch Bodybuilder, und wir haben gemeinsam unser Geld im Sicherheitsdienst eines Clubs verdient. Ehrlich gesagt interessiert mich das nicht mehr. Ich will nicht mit Gewalttätern, Messern, Pistolen und so weiter zu tun haben. Das ist nicht meins.

Dein Mann Ivica betreibt denselben Sport. Hat euch der Sport noch stärker verbunden?


Natürlich. Er begleitet mich zu den Wettkämpfen und wir sind zeitweilig auch als Paar aufgetreten. Es ist großartig, jemanden zu haben, der dich versteht und sich mit derselben Tätigkeit beschäftigt.

Interview: Petar Rosandić / KOSMO

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