GESCHICHTE 09.04.2014

Der große Krieg - Teil 2: Österreich-Ungarns Ernüchterung in Serbien

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Anlässlich des hundertsten Jahrestags des Ersten Weltkriegs machen wir einen Rückblick auf die Ereignisse dieser Zeit. Teil 2: Österreich-Ungarns Ernüchterung in Serbien.

LESEN SIE TEIL 1: Der Kriegsausbruch

Österreich-Ungarn hatte seinen Angriff auf Serbien 1914 als „Strafexpedition“ geplant. Das Kaiserreich war überzeugt, den Einsatz leicht und schnell mit der militärischen Niederlage Serbiens beenden zu können. Darin hatte es sich jedoch fatal verrechnet, erklärt Dr. Christian Ortner, der Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums in Wien.

Ortner erinnert daran, dass das serbische Heer trotz der Erschöpfung nach den Balkankriegen von 1912 und 1913 im Jahre 1914 eine kleine, aber beeindruckende Kriegsmacht war. Erfolgreich in den Gegenoffensiven brachte es Österreich-Ungarn einige schwere Niederlagen bei (Schlachten von Cer, Kolubara u.a.) und drängte den Aggressor mehrfach aus dem Land. Erst Ende 1915 wurde Serbien besiegt und besetzt, nachdem Deutschland Österreich-Ungarn zu Hilfe gekommen war.

Rückzug aus Serbien

Aber Serbien kapitulierte selbst nach der Besetzung nicht. Da ihm der kürzeste Weg nach Griechenland durch das Vardar-Tal abgeschnitten war, zog sich der Hauptteil des serbischen Heeres auf einem weitaus schwereren Weg nach Korfu und auf andere griechische Inseln zurück, nämlich über die albanischen Gebirge. Von dort wurde er mit Schiffen nach Nordgriechenland übergesetzt. In wenigen Monaten hatte sich das serbische Heer konsolidiert und bereitete sich auf eine Offensive an der Front von Solun vor. Schließlich schlug es im Sommer 1918 den Feind mit vereinten Kräften, drang nach Serbien ein und befreite das Land.

Kriegseintritt der USA und Kriegsende

Russland trat nach der Oktoberrevolution 1917 aus dem Ersten Weltkrieg aus. Im März 1918 unterzeichnete es mit den Mittelmächten einen sehr unvorteilhaften Friedensvertrag.

Deutschland  kämpfte aber immer noch an der Westfront - nicht nur gegen französische und britische Truppen, sondern auch gegen Einheiten aus den USA, die im April 1917 in den Krieg gegen die Mittelmächte eingetreten waren. Gleichzeitig kam das amerikanische Heer auch den Italienern an der Alpenfront gegen Österreich-Ungarn zu Hilfe.

Der Krieg endete schließlich im November 1918. Deutschland erkannte, dass es  nicht mehr über die nötigen Reserven verfügte, um den Krieg fortzuführen. Serbische und französische Einheiten befreiten Serbien, nachdem sie Bulgarien eine schwere Niederlage zugefügt und es aus dem Krieg herausgedrängt hatten. Die Mittelmächte waren damit an allen Fronten besiegt oder standen unmittelbar vor der Niederlage.

Der Frieden und die Spätfolgen
des Kriegs

Vor dem Ende des Ersten Weltkriegs zerfiel Österreich-Ungarn, was auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts großen Einfluss hatte. Deutschland ging geschlagen und frustriert aus dem Krieg hervor, was wiederum zu unabsehbaren Folgen führte. Der deutsche Militarismus war geschwächt, aber nicht besiegt. Er sollte nach Hitlers Machtergreifung 1933 wieder aufleben und zum Zweiten Weltkrieg führen.

Nach dem Kriegsende konsolidierte sich auch die kommunistische Regierung in Russland, was für die spätere Weltgeschichte von großer Bedeutung war. Die Mitliedsländer der Entente zeigten bei den Friedensverhandlungen 1919 deutlich, dass sie die Vorherrschaft in der Welt für sich beanspruchten. Deutschland sollte dabei unterworfen bleiben und das sowjetische Russland  sollte isoliert werden.

Deutschland wurde nach dem Ersten Weltkrieg territorial verkleinert. Die Region Elsass-Lothringen wurde wieder Teil Frankreichs. Deutschland verlor auch alle Kolonien in Übersee. Auch die Türkei, im Ersten Weltkrieg Verbündete von Deutschland und Österreich-Ungarn, wurde durch die Friedensverträge nach dem Krieg kleiner. Bulgarien verlor einige Teile seines Vorkriegsterritoriums. Österreich wurde zum Kleinstaat und Ungarn, das von 1526 bis 1918 in einer Union mit Österreich gelebt hatte, wurde wieder selbständig, verlor jedoch zwei Drittel seiner ehemaligen Länder.

Milan Ilić / KOSMO

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