GESCHICHTE 09.04.2014

Der große Krieg - Teil 1: Der Kriegsausbruch

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Anlässlich des hundertsten Jahrestags des Ersten Weltkriegs machen wir einen Rückblick auf die Ereignisse dieser Zeit. Teil 1: Der Kriegsausbruch


In den österreichischen Geschichtsbüchern gilt das Attentat von Sarajevo als Auslöser des ersten Weltkriegs. Am 28. Juni erschoss der Gymnasiast Gavrilo Princip den Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau, die Herzogin Sophie, mit einer Pistole. Princip war Mitglied der südslawischen Organisation Mlada Bosna, die sich gegen die österreichisch-ungarische Annexion Bosnien-Herzegowinas stellte.

Zuvor, im Jahre 1878, hatten es die Großmächte Österreich-Ungarn gestattet, die damalige osmanische Provinz Bosnien-Herzegowina für 30 Jahre zu besetzen. Nach der Besetzung erklärte Österreich-Ungarn 1908 die Annexion Bosnien-Herzegowinas. Gegen die Annexion kämpften sowohl Serbien als auch Menschen mit einer südslawischen Orientierung außerhalb Serbiens.

Die Kriegskampagne startet

Der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig beschreibt die Ereignisse unmittelbar nach dem Sarajevo-Attentat in dem Buch „Die Welt von gestern“. Zweig beschreibt Franz Ferdinand als unsympathisch und beim Volk unbeliebt. Die Nachricht von seinem Tod habe die Menschen nicht besonders berührt, so Zweig. Ein paar Stunden nach der Veröffentlichung der Nachricht spielte in den Lokalen in Baden bereits wieder die Musik. „Nichts deutete darauf hin, dass dieses Ereignis zu einer politischen Aktion gegen Serbien führen könnte“, hielt der Schriftsteller später fest.

Doch bald erschienen erste hysterische Artikel in den Zeitungen, und zwar fast identisch in allen Blättern. Eine solche Ähnlichkeit konnte kein Zufall sein, bemerkte der Schriftsteller. „Die österreichischen Medien begannen zu trommeln, dass Serbien für das Attentat von Sarajevo verantwortlich sei und dass das nicht ungestraft bleiben könne.“

Die Imperialisten müssen in den Krieg

Die Historiker sind sich einig, dass der Erste Weltkrieg eine Folge der Widersprüchlichkeiten des Imperialismus war. Die Interessen der großen Mächte gerieten auf vielen Gebieten in Konflikt miteinander. Deutschland, das erst spät (1871) vereinigt worden war, litt sehr darunter, dass es an der Kolonialisierung der Welt nur einen kleinen Anteil hatte. Großbritannien kämpfte in jener Zeit um seinen Status als größte Weltmacht. Frankreich erlebte eine rapide wirtschaftliche Expansion. Das damalige Österreich-Ungarn wurde zunehmend industrialisiert, hatte jedoch Probleme mit seinen zahlreichen Nationen.

Gleichzeitig strebte Italien, das ebenso wie Deutschland, erst spät (1861) vereinigt worden war, eine größere internationale und kolonialistische Rolle vor allem in Nordafrika an. Russland verstärkte in diesen Jahren seinen Einfluss am Balkan und in Asien. Darüber geriet es mit den europäischen Mächten in Konflikt, aber auch mit der Türkei und Japan. Währenddessen erlebten die USA abseits der europäischen Politik ein unaufhaltsames wirtschaftliches Wachstum. Unter ihren immer stärkeren Einfluss gerieten Südamerika und die Pazifikregion. An der asiatischen Pazifikküste entwickelte sich Japan nach der bürgerlichen Revolution 1867 zu einer starken imperialistischen Macht. Seine Interessen wiesen nach China und Korea.

Die Entente und die Mittelmächte

Einer der wichtigsten geopolitischen Brennpunkte war damals der Balkan. Mit seiner sprunghaft wachsenden Schwerindustrie strebte Deutschland nach Expansion, und zwar vor allem gegenüber der Türkei und dem Nahen Osten. Schnell baute es eine starke Kriegsflotte, die es mit der britischen, der stärksten Kriegsmarine der Welt, aufnehmen konnte.

Die Konstellation der zukünftigen Gegner im Ersten Weltkrieg kristallisierte sich immer deutlicher heraus: Großbritannien, Frankreich und Russland bildeten die Entente auf er einen Seite, auf der anderen standen die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn, denen sich auch Italien anschloss.

Hals über Kopf in den Krieg


Ein Krieg größeren Ausmaßes hätte auch schon 1908 ausbrechen können, als Österreich-Ungarn das bisher besetzte Bosnien-Herzegowina annektierte. Russland war jedoch nach der Niederlage im Krieg gegen Japan 1904-1905 zu einem gleichzeitigen Krieg gegen Österreich-Ungarn und ein immer militanteres Deutschland nicht bereit. Im Jahre 1911 brach zwischen Frankreich und Deutschland aufgrund der Marokkokrise der nächste Konflikt aus. Die Balkankriege 1912 und 1913 hätten ebenfalls zu einem größeren Krieg führen können.

Der Weltkrieg wurde schließlich am 28. Juli 1914 durch die österreichisch-ungarische Kriegserklärung an Serbien ausgelöst. Russland verkündete daraufhin schon am 29. Juli eine Teilmobilmachung. Deutschland zögerte nicht – es drohte Russland mit Krieg, wenn Russland seine Kriegsvorbereitungen nicht einstellen würde. Die Kettenreaktion war in Gang gesetzt.

In dem Krieg, der in Folge zum Ausbruch kam, waren insgesamt 28 Länder beteiligt - drei Viertel der damaligen Weltbevölkerung wurden in die bis dahin größte militärische Auseinandersetzung gezogen. Der Krieg wurde auf einer enorm großen Landfläche und auf fast allen Ozeanen und Meeren geführt.

LESEN SIE TEIL 2: Österreich-Ungarns Ernüchterung in Serbien

Milan Ilić / KOSMO

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