INTERVIEW: KULTUR SHOCK 23.02.2015

Der ganz normale Balkan-Wahnsinn

© zVg.
In seiner Jugend war er in Sarajevo als Pop-Sternchen Gino Banana bekannt – heute lebt er in den USA und ist der Kopf der Hardcore-Formation KULTUR SHOCK. Wir trafen Srđan „Gino“ Jevđević bei seinem energiegeladenen Wien-Konzert und sprachen mit ihm über sein wechselhaftes Leben, den American-Way of Life und seine Heimat Sarajevo.


KOSMO: Ihr habt ein neues Album im Gepäck. Was erwartet uns darauf?


Srđan Jevđević:
Neun Lieder, neun Leben, neun von allem. Es ist unser neuntes Album, und wir wollten uns auf nur neun Songs beschränken. Musiker in meinem Alter wollen meistens noch Musik machen, aber niemand will sie mehr hören. Ich kann mich glücklichen schätzen, dass wir für diese Tournee angefragt wurden und die Menschen uns wirklich hören wollen.

Früher warst du das jugoslawische Pop-Sterchen „Gino Banana“. Heute bist du Hardcore-Rocker - wie geht das?

Ich habe in der ersten Hälfte meines Lebens das gemacht, was mir damals gefallen hat, und heute mache ich das, was mir heute gefällt. Zwischen diesen beiden Lebenshälften lag ein Krieg. Das ist sicher einer der großen Einschnitte auf meinem Weg gewesen. Wenn du das Leben nicht nützt und alles tust, was du tun willst, wirst du es später bereuen.

Eines eurer Alben trägt den Titel „Integration“ – was muss man tun, um sich in den USA zu integrieren?

Seine Hautfarbe ändern (lacht). Seine Hautfarbe, die Farbe seines Lebens, seiner Persönlichkeit – es gibt in Wirklichkeit keine Integration. Der Titel ist ironisch gemeint. In den USA ist es eigentlich sogar leichter, sich zu integrieren, als in dem Land, in dem wir uns gerade befinden, oder vielen anderen Ländern Europas, in denen Menschen vom Balkan versuchen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Den Arbeitgebern ist es in Wirklichkeit am liebsten, wenn sie nur arbeiten würden, und man sie möglichst nicht auf den Straßen sehen würde.

Bleiben wir noch bei den USA – welche Vorstellungen haben die Amerikaner, wenn sie hören, dass jemand vom Balkan kommt?

Dieselben wie hier in Europa, obwohl es sich langsam ändert. Aber grundsätzlich denken sie: „Gleich zieht er ein Messer! Gleich klaut er etwas!“ Es spielt keine Rolle, dass wir und die Türken ihre Häuser bauen und sie ohne uns nichts zu essen hätten. Was die Musik betrifft: Sie lieben nur unsere Musik, aber nicht uns. Die DJs spielen sie gerne über ihre Laptops, aber am besten wäre, wenn sie diese Musik irgenwie haben können, ohne allzuviele von uns in ihrer Nähe zu haben.

Vermisst du Sarajevo bzw. denkst du daran irgendwann zurückzukehren?

Ich bin am Dienstag wieder in Sarajevo – wann fährst du? (lacht) Nein, ich vermisse gar nichts. Das Einzige, was mir fehlt, ist etwas Ruhe, wenn ich ständig im Flieger bin. Wenn es darum geht, dass ich nach Sarajevo gehe und es nie wieder verlasse, dann wird das nie passieren. Ich muss einfach reisen.

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