SATIRE 04.12.2014

Der falsche Weihnachtsmann

© istockphoto.com
Der Autor und KOSMO-Redakteur Uroš Miloradović schreibt „Geschichten aus dem kurzsichtigen Winkel“ – diesmal: eine Begegnung mit dem Weihnachtsmann.


Als ich gerade den Müll herunter bringen will, laufe ich in die pummelige Figur eines Mannes hinein, der als Weihnachtsmann verkleidet ist. An die Existenz des Weihnachtsmanns glaube ich schon lange nicht mehr, aber ich glaube daran, dass es ziemlich viele Psychos und Irre auf der Welt gibt.

Da er mich weder anknurrt noch anspringt, bin ich ein wenig beruhigt. Nachdem ich ihn kurz gemustert habe, entscheide ich, dass der Kostümierte harmlos und gutartig sein muss. Dazu stelle ich fest, dass er ein wenig dem Wiener Bürgermeister ähnelt. 

„Was wünschest du dir zu Weinachten?“, fragt er ein bisschen wichtigtuerisch.

„Die österreichische Staatsbürgerschaft“, antworte ich ohne viel Überlegen. Für alle Fälle. Vielleicht ist es ja doch der Bürgermeister Häupl, der sich verkleidet unter dem Volk gemischt hat und jetzt den Migranten Wünsche erfüllt.

„Solche Wünsche kann ich nicht erfüllen. Ich bin ein serbischer Weihnachtsmann und kann nur serbische Wünsche erfüllen. Zum Beispiel ein Diplom von einer serbischen Universität, vielleicht ein Doktorat oder einen Ehrendoktortitel… Oder eine Baubewilligung wäre auch möglich, auch eine Bewilligung für den Ausbau eines Dachgeschosses, die Legalisierung eines illegalen Bauobjekts irgendwo in Serbien oder Ähnliches… Ich könnte dir auch einen Job bei einer staatlichen Firma anbieten oder eine Genehmigung für die Frühpension…“

„Vergiss es, Opa. Sag mal, du bist noch frisch hier, oder? Hast du überhaupt eine amtliche Genehmigung, herumzulaufen und serbische Wünsche zu erfüllen?“

„Nein…“

„Einen Meldezettel hast du auch nicht, oder? Eine Krankenversicherung? Einen Zugang zum Arbeitsmarkt? Einen Mietvertrag?“

„Nein, nein, nein und nochmals nein…“, gibt der Weihnachtsmann zu.

„Obwohl du ein halbmythisches Wesen bist, Weihnachtsmann, wirst du aller Voraussicht nach frohe Weihnachten und einen guten Rutsch in einem österreichischen Knast feiern. Also, vergiss deine Wunscherfüllung. Lass mich etwas für dich ausfüllen!“

„Was denn?“, fragt Weihnachtsmann überrascht.

„Einen Meldezettel. Und schick bitte einen deiner österreichischen Kollegen vorbei. Den könnte ich wirklich gebrauchen.“  

Uroš Miloradović / KOSMO

Tekst na srpskom:
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