SATIRE 12.03.2015

Der Zahntechniker und nationale Hygiene

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Der Autor und KOSMO-Redakteur Uroš Miloradović schreibt „Geschichten aus dem kurzsichtigen Winkel“ – diesmal: Wie sich ein Zahntechniker in die weite Welt aufmachte.


Es war einmal ein Zahntechniker, der im Land der Skifahrer lebte. Er liebte alle Zähne und Kiefer, alle Zahnkronen und Implantate ebenso wie das ganze Reich der Mundhöhle. Dennoch fühlte er, dass er für eine größere Arena gemacht war und der Kampf gegen den Karies nicht der Kampf seines Lebens sein würde.

„Die Mundhygiene ist sehr wichtig“, dachte er. „Aber die Hygiene der Nation – das ist noch viel, viel wichtiger.“ Dieser Gedanke gefiel dem Zahntechniker sehr gut.
Schnell hatte er die Feinde seiner nationalen Hygiene erkannt. Es waren die Einwanderer, besonders jene, die einer anderen Glaubensgemeinschaft angehörten. Vor allem die Muslime. Fanatische und fundamentalistische Nicht-Skifahrer.

Einmal predigte er: „Der Islam ist kein Teil unseres Landes!“ Er hielt Vorträge wo, immer er konnte, er mahnte das Volk wegen seiner Leichtgläubigkeit und Naivität.

 „Von denen ist noch nie etwas Gutes gekommen“, rief er ein anderes Mal.

 „Außer Kaffee“, bemerkte eine Stimme aus dem Menge.

„Gut. Nichts, außer Kaffee!“

„Und Kebab“, schloss sich ein Zweiter, mit vollem Mund, an.

„Gut. Dann, nichts außer Kaffee und Kebab!“

„Und Aristoteles!“

„In Ordnung! Dann eben Kaffe, Kebab und Aristoteles. Aber nichts anderes. Und jetzt Schluss!“, antwortete der schon etwas entnervte Zahntechniker.

„Und die arabische Zahlen!“

„Jetzt reicht es aber!“, donnerte er. Und auf einmal wurde ihm klar, dass die Tatsache, dass er ab und zu, heimlich, ein Kebab isst, nicht sein größtes Problem ist. Er hatte, nämlich, auch arabische Zahlen verwendet! Mit Angst und Entsetzen blickte er auf seine Hände hinunter, besonders auf seine verräterischen Finger. Da kam ihm die zündende Idee:

„Aber die fahren nicht Ski? Richtig?“

„Genau!“, kam es aus der Menge zurück.

„Und sie schicken ihre Töchter nicht zum Schwimmen! Das sollte ja wohl ausreichen! Seht ihr jetzt, wie abscheulich das ist?“, rief er und die Menge jubelte.

„Das sollte reichen“, dachte sich der zufriedene Zahntechniker.

Uroš Miloradović / KOSMO

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