INTERVIEW 13.01.2014

Der Timbaland aus Fünfhaus

© zVg.
Mario Skakalo (26), besser bekannt als „Freshmaker“, zählt momentan zu den meistgefragten heimischen Musikern, wenn es um hitverdächtige Beats geht. In seinem Studio in Fünfhaus werden täglich neue Beats produziert, die auf Veröffentlichungen bekannter Rapper in Deutschland, Österreich und auf dem Balkan landen.


„Es gibt selten einen Tag, an dem ich nicht an neuen Beats schraube, etwas einspiele, verbessere oder Spuren hin und her schicke. Musik ist meine tägliche Leidenschaft“, sagt Freshmaker, als er uns in seiner Wohnung empfängt. Der gebürtige Kroate aus dem Westen Wiens kann mttlerweile auf viele Erfolge zurückschauen: Chart-Einstiege, millionenfache Youtube-Hits gehören ebenso dazu wie Musikproduktionen für Kinofilme wie den letzten Mundl-Film. Längst hat er schon den Anschluss an die internationale Musik-Szene gefunden: Bekannte Namen wie Juice (Serbien), Frenkie (Bosnien-Herzegowina), Kollegah, Massiv, Blut & Kasse (Deutschland), aber auch slowakische Rapgrößen wie Radikal vertrauen auf seine Soundunterlagen.

Nun soll Ende Februar sein erstes Solo-Album unter dem Titel „Checkpoint“ erscheinen.

KOSMO: Wann war deine erste Berührung mit Musik? Wie fing alles an?

Freshmaker: Eigentlich schon sehr früh: Mit sieben Jahren nahm ich das erste Mal Musikunterricht. Das ging damals von meiner Mutter aus und ich fing an Flöte und Gitarre zu spielen. Mit der Zeit lernte ich immer mehr musikbegeisterte Leute kennen und unter ihnen war auch mein Mentor CJToxic. Er brachte mir das Arbeiten mit Musikprogrammen bei. Dank ihm lernte ich auch die Grundkentnisse des Beatbastelns. Ich bin ihm sehr dankbar für alles.

Wieso hast Du dich gerade auf Hip Hop spezialisiert?

Ich habe selber zu der Zeit viel Hip Hop gehört, vor allem den neuen Sound, der Anfang der Jahrtausendwende aus Deutschland kam. Mir hat damals einfach die Attitüde der Beats und der Raps gefallen. Es war etwas komplett Neues. Zu der Zeit lernte ich einige Rapper in Wien kennen, unter anderem auch Nazar, von dem ich mir mein erstes Keyboard günstig abkaufte. Prägend und erwähnenswert ist noch heute meine Zusammenarbeit mit Kid Pex. Meine erste Veröffentlichung im Handel überhaupt war seine damaliges Mixtape „Gastarbeiterlife“. 2010 landeten wir gemeinsam mit ihm und Juice den Hit „Kako je u Beču“ (Wie es in Wien ist), der mittlerweile auf Youtube die zwei Millionen Clicks geknackt hat. Mit der Zeit entschied ich mich, noch einen Schritt weiterzugehen und den Anschluss an den deutschen Markt zu suchen. Die überschaubare Wiener Hip-Hop Szene war mir persönlich nicht genug. Ich wollte, dass meine Beats auch im Ausland laufen, auf größeren Bühnen und in anderen Ländern...

Kannst Du dir vorstellen auch im Pop-Bereich was zu machen?

Ja, definitiv. Ich würde gerne mehr mit Sängerinnen und Sängern machen.

Viele Wiener Produzenten träumen davon bekannte deutsche Rapper auf ihren Beats zu hören. Du arbeitest gleich mit mehreren bekannten Namen zusammen. Wie kommen solche Kooperationen zustande?

Es fing mit dem „Vorsicht Balkan“ Projekt an, welches 2009 deutschsprachige Rapper mit Wurzeln in Ex-Jugoslawien vereinte. Damals lernte ich über dieses Projekt auch die Leute von Selfmade Records kennen und gab ihnen einige meiner Beats mit. Einige Monate später landete ich auf dem Hoodtape von Kollegah. Was man braucht? Naja, das Talent, außergewöhnliche Beats, eine Portion Glück und die Connection. Darum geht`s.

Kannst Du uns das Geheimrezept für einen guten Beat verraten? Du müsstest es ja wissen...

Die Melodie des Beats und die Originalität der Produktion ist letztendlich auschlaggebend. Meine Ambition ist es immer dem Beat auch meine eigene Duftmarke zu verpassen: dieses gewisse Etwas – das hebt letztendlich oft Beats von anderen, soliden Produktionen ab. Bei mir ist das die wohl die Freshness (lacht).

Hast du ein Vorbild in dieser Hinsicht?

Mir gefallen grundsätzlich Produzenten, die sehr viel Wert auf einen Wiedererkennungwert ihrer Beats legen. Das krasseste Beispiel ist wohl Timbaland. Da hört man einfach auf Anhieb: „Ja, das ist ein Timbaland-Beat, keine Frage“.

Dein Album „Checkpoint“ ist in den Startlöchern. Was können wir erwarten?

Für mein erstes eigenes Produzentenalbum habe ich mir 20 Rapper ins Boot geholt, die auf 14 bis 15 Liedern zu hören sein werden. Auf dem Album habe ich sehr viele gute Rapper dabei, unter anderem Automatikk, Timeless, Liquit Walker, Blut & Kasse, Gio, Rec-Z, Blut & Kasse, Juri, Bosca und Tilos. Für mich persönlich ist das Album ein weiterer Meilenstein in meiner Karriere. Ich bin auch sehr stolz, dass alle Beteiligten mit Leib und Seele bei dem Projekt dabei waren.

Wo wird man dein Album kaufen können?

Es wird einen Gratis-Download des Albums auf www.hiphop.de, der bekanntesten deutschsprachigen Hip-Hop Seite, geben. Ebenso wird aber auch eine physische CD für alle Fans erscheinen, die das Album in Händen halten wollen.

Gibt es noch Rapper, mit denen du gerne zusammenarbeiten würdest?

Drake wäre eine Traumfeature. Genauso wie Sido oder Kool Savas aus Deutschland. Obwohl ich nichts verstehe, finde ich Frankreich wegen der Aussprache und der Sprachmelodie persönlich auch sehr interessant. Sefyu oder Booba, das wär`s. Die richtigen Beats hätte ich ja eigentlich, aber da fehlt es noch an Connections.

In 10 Jahren willst Du...

...eine goldene Schalplatte haben. Das wär natürlich ein Traum, den ich mir noch erfüllen will.

FRESHMAKER IM WORDRAP:

Fünfhaus – RAF Camora.
Juice – der Bushido Serbiens.
Ottakringer Straße – dort hab ich meine Jugend verbracht.
Luka Modrić – Beste.
Shisha – Colonial Wien.
Beats – Standard.
Training – Ausgleich.
Checkpoint – wird alles rasieren (lacht).

Interview: Petar Rosandić / KOSMO

Freshmaker auf Facebook
Freshmaker auf Youtube

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook