INTERVIEW 30.03.2015

Der Slavinator: Das Ski-Wunder aus Doboj

© Stefanie Luger / KOSMO
Die Nachricht war eine echte Sensation: Slaven Dujaković ist erst 20 Jahre alt und könnte als erster Skifahrer mit Migrationshintergrund Mitglied der österreichischen Nationalmannschaft werden. Wir besuchten ihn bei seiner Familie in Viehhofen in Salzburg.


KOSMO: Slaven, wann fällt die Entscheidung darüber, ob wir dich in der kommenden Saison auf den Fernsehbildschirmen sehen können?

Slaven Dujaković: Die Verhandlungen mit dem Österreichischen Skiverband sollten demnächst beginnen. Dann werden wir sehen, was, wie und wohin. Ich bin optimistisch, denn die Resultate sprechen für mich.

Wie hat das alles angefangen? Wann hast du mit dem Skifahren begonnen?

Als ich noch nicht ganz drei war, hat mein Vater in einem Lokal am Kitzsteinhorn als Kellner gearbeitet. Einmal hat er mich mitgenommen und mich auf Skier gestellt. So hat alles begonnen, und zwei-drei Jahre später war ich bereits bei den ersten Kinderwettkämpfen dabei. Bei den Schulwettbewerben gewann ich erste Preise und kam später zu den Wettkämpfen des Internationalen Skiverbands FIS. Der Höhepunkt der Geschichte ist bis jetzt meine Teilnahme an der Junior WM, die gerade vorbei ist. Aber das ist nur der Anfang...

Du sprichst mit echtem Salzburger Akzent, bist in deiner Generation der beste Skifahrer Österreichs und hast hier auch das Skifahren gelernt. Hast du dich wegen deiner Herkunft jemals benachteiligt oder ungerecht behandelt gefühlt, wegen deiner guten Resultate?


Naja, am Anfang haben sich die Leute einfach gewundert, dass jemand mit balkanischen Wurzeln regelmäßig einen Platz auf dem Treppchen der Kinderwettkämpfe erringt. Sie sagten: “Schau da den an, den Jugo! Scho wieder er!”. Aber mit der Zeit haben sich die Leute daran gewöhnt, vor allem in meinem Viehhofen. Von den Trainern hatte ich immer große Unterstützung, vor allem vom Hubert Margesin, der mir das Skifahren auch beigebracht hat. Die Menschen, die an mich geglaubt haben, haben mich nicht benachteiligt, sondern haben mich als Mensch und als Skifahrer geprägt. Aber es gab auch schwere Situationen, zum Beispiel als mir Blizzard die Unterstützung aufgekündigt hat und mir keine Ausrüstung mehr zur Verfügung stellen wollte, weil ich damals kein österreichischer Staatsbürger war.

Wie bist du da herausgekommen? Damals warst du 12, das war doch die entscheidende Phase deiner Skifahrerkarriere, d.h. sein oder nicht sein...

Es war eine katastrophale Situation, aber mein Vater und mein Trainer haben sich bemüht, eine Lösung zu finden. Sie sind zum nächsten Intersport gegangen, haben mit den Leuten dort geredet und sie aufgrund meiner Wettkampfergebnisse von meinem Talent und meinen Fähigkeiten überzeugt. Am Ende ist Fischer eingesprungen und hat eingewilligt, mich mit einer Skiausrüstung zu versorgen. Sie haben mir in dem Moment meine Karriere gerettet.

Du hattest einen schwereren Weg als andere österreichische Skifahrer. War das für dich ein zusätzliches Motiv, es in diesem Sport zu schaffen?

Ich weiß, was wir durchgemacht haben, und dessen bin ich mir immer bewusst. Wahrscheinlich haben mich diese Situationen gelehrt, das, was ich habe und bekomme, mehr zu schätzen. Skifahren ist ein teurer Sport und meine Eltern haben viele Opfer gebracht, verzichtet und mehr gearbeitet, um mir den Traum zu erfüllen. Natürlich will ich ihnen das zurückgeben, nicht nur ihretwegen, sondern auch meinetwegen. Das wird unser gemeinsamer Sieg.

Du bist in den schnellen Disziplinen wie der Abfahrt und dem Super G besonders gut. Bist du der neue Hermann Maier?

Naja, solche Vergleiche sind im Moment unrealistisch und es ist zu früh, darüber zu sprechen. Ich bin erst 20 und muss mich im professionellen Wettkampfsport erst beweisen. Aber ich habe das Talent und den Willen zum Erfolg. Und ich werde es schaffen, wenn es keine Verletzungen oder unvorhersehbaren Hindernisse gibt. Davon bin ich überzeugt.

Zoran, Sie und Ihre Frau Ljubica haben Ihrem Sohn die Karriere zum größten Teil finanziert. Wie schwer ist es, dem Rhythmus und den Anforderungen des professionellen Skifahrens finanziell standzuhalten.

Zoran: Naja, ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es nicht schwer war. Aber ich wollte nicht, dass mein Sohn bei irgendetwas eingeschränkt wäre oder dass er keine Chance hätte, in etwas weiterzukommen, worin er gut ist. Darum haben wir auch alles Mögliche gearbeitet, von einem Kellnerjob bis hin zur Fabrikarbeit. Zeitweilig gleich drei Jobs gleichzeitig. Aber es tut mir nicht Leid um die Summe von ca. 200.000 Euro, die wir in die Karriere unseres Sohnes investiert haben. Viele Leute vom Balkan fragen mich, warum ich dieses Geld nicht in ein Haus in unserer Heimatstadt Doboj gesteckt habe, aber ich finde, dass ich das Richtige getan habe. Ich habe das Geld in mein Kind investiert. Das ist mir wichtiger als das typische dreistöckige Gastarbeiterhaus in der Heimatstadt.

Slaven, wie oft bist du in Doboj? Hast du eine Verbindung zu deiner Heimat?

In den letzten Jahren war ich im Sommerurlaub meistens in Doboj. Natürlich habe ich eine Verbindung zur Heimatregion meiner Eltern, auch wenn ich Österreich als meine Heimat akzeptiert habe und mein Leben bisher hier stattgefunden hat. Mein Wunsch ist es, das Bild, das die Österreicher und andere von uns haben, zu verbessern. Und das werde ich auch tun, und zwar mit gutem Skifahren und sportlichem Verhalten...

Was ist besser in Doboj und was ist besser in Viehhofen?

Naja, zum Skifahren ist Viehhofen das Non-plus-Ultra. Aber wenn wir von Ćevapi, Grillplatten und überhaupt Essen reden, gebe ich Doboj den Vorzug. Und zwar bei Weitem. Eh klar, bei uns Balkanern geht nichts ohne Grillplatte.

Stimmt, und auch nicht ohne Musik... Was hörst du am liebsten?


Ich mag alles, aber ab und zu höre ich gerne etwas typisch Balkanisches. An modernen Sachen höre ich gerne MC Yankoo. Er hat das Balkanische mit dem Modernen verbunden. Das gefällt mir.

Außer dem ÖSV klopfen sicher auch die Mädchen bei dir an...

Die können klopfen, aber es wird ihnen nichts nützen. Ich habe meine bessere Hälfte gefunden, sie ist unsere Landsmännin und ich bin glücklich verliebt.

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