ANTI-STAND UP 04.03.2015

Der Professor des bosnischen Schmähs

Mit seinem Programm „Đurologija” füllt er die Hallen und ruft Lachsalven hervor – und das nicht nur am Balkan. KOSMO sprach mit dem legendären Comedian Branko "Đuro" Đurić vor seinem Auftritt in Wien.

Der Held der legendären satirischen TV-Serie „Hitliste der Surrealisten“ wird sich dem Wiener Publikum im neuen Licht seiner Show „Đurologija“ vorstellen. Am selben Tag und am selben Ort (Rudolfsheim) tritt Đuro gleich zweimal auf: um 17:30 Uhr und um 20:30 Uhr. Sichern Sie sich rechtzeitig Karten und lachen Sie wieder einmal so richtig von Herzen!

KOSMO: Ihre „Đurologija” hat eine wahre Hysterie ausgelöst. Was bedeutet dieser (anti-) Stand-up eigentlich für Sie?

Branko Đurić – Đuro: Für mich als jungen Schauspieler bedeutet es das Sprungbrett zur ernsthaften Schauspielerei (lacht). Scherz beiseite: Ich überlege, wie ich da antworten soll, ohne Menschen zu beleidigen, die Stand-up ernsthaft betreiben. Dies ist für mich kein Stand-up, ich bin klassisch ausgebildeter Schauspieler von Beruf und somit „spiele“ ich nur, dass ich Stand-up spiele. Darum heißt es auch „anti“.

Wie haben Sie das „Material“ für diese Show gesammelt?

Lange und geduldig (lacht). In 13 Stunden habe ich diese Show im Flugzeug geschrieben, während eines Flugs von Abu Dhabi nach Sydney. Und ich hatte auch das Glück, dass ich die Show noch am Anfang der Auftritte selbst verändern und anpassen konnte, sodass sie vor dem Publikum und nach Maßgabe des jeweiligen Publikums neu entstanden ist. Vielleicht gefällt sie ihm auch gerade deswegen so gut.

In einigen Ankündigen dieses Stand-ups haben Sie erwähnt, dass Ihnen gewisse Szenen in amerikanischen Filmen auf die Nerven gehen. Was genau ist das Thema dieser Show?

Ja, überwiegend spreche ich über Dinge, die mir auf die Nerven gehen, aber auch über Dinge, die mich zum Lachen bringen, die ich mir auffallen und die ich mag…

Während des Krieges aus Ihrer Heimatstadt Sarajevo sind sie nach Slowenien übersiedelt. Geschäftlich sind Sie noch immer mit Zagreb und Belgrad verbunden. Gibt es da bei Ihnen eine Jugonostalgie?

Nein. Warum sollte ich mich nach einem Staat sehnen? Sehnsucht gibt es nach Menschen, Freunden und Ereignissen… Aber darin finde ich mich überhaupt nicht wieder, denn ich schaue nicht viel zurück und auch nicht nach vorne. Ich lebe im Moment und genieße das.

„Đurologija” wirkt, als kämen Sie einfach auf die Bühne und unterhielten sich mit dem Publikum. Ist leichter als alles, was Sie bisher gemacht haben?

Keineswegs. Ich würde unterschreiben, dass das Schwerste, das ich bisher gemacht habe, eigentlich diese Vorstellung ist. So zwanglos und unbeschwert das auch aussehen mag, alleine auf der Bühne zu stehen, eineinhalb Stunden lang vor Publikum, ist eine höllisch schwere Arbeit.

Was ist es, wonach sich Đuro häufig sehnt?

Am häufigsten sehne ich mich nach einem entspannten Tag am Meer mit meiner Familie und Freunden.

Sie haben ihre Frau Tanja kennengelernt, als sie in einem Stück ein Ehepaar spielten. Wie gestalten sich diese Rollen privat?

Naja, Sie wissen ja selbst, wie sich diese Rollen privat gestalten (lacht). Ich weiß nicht, ob das einfach so passiert, aber es ist passiert…

Man sagt, dass Sie ein Ehemann sind, wie ihn sich jede Frau wünschen würde, denn Sie helfen Ihrer Frau bei der Hausarbeit und durchbrechen damit balkanische Stereotype…

Damit, dass Sie gesagt haben, dass ich meiner Frau “helfe”, haben Sie gerade ein Stereotyp verwendet. Wobei sollte ich Ihr helfen? Dass ich ihr helfe, würde ja heißen, dass ihr Platz strikt in der Küche ist, und das ist ja überhaupt nicht so. Sie hilft mir. Ich ihr und sie mir: Wir helfen uns gegenseitig, so viel wir können.

Jemand der so viel gereist ist wie Sie, kann sicher sagen, wo es am schönsten ist und wo die Menschen am besten sind?

Überall gibt es Idioten und Supermenschen. Und überhaupt unterscheide ich Menschen nicht danach, wo sie geboren sind oder wo sie leben, denn ich könnte überhaupt nicht verallgemeinern. Überall gibt es Gute und Schlechte, Egoisten und Altruisten und Sonstiges, das ich nicht aufzählen kann.

Interview: Sandra Radovanović / KOSMO

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