COMMUNITY 29.09.2014

Der Gourmet-Regisseur

© KOSMO / Radule Božinović
Als er vor 15 Jahren aus Belgrad nach Wien kam, hätte er sich nicht träumen lassen, auf welchen Weg ihn das Leben führen würde. Statt Filmregisseur wurde Vladimir Petković Gastronom, und zwar einer der besten.


Vladimir Petković (35) stammt aus Belgrad, und die Art, wie er lebt, denkt und redet, ist charakteristisch für die modernen jungen Leute, die in sich und um sich herum alle Grenzen gesprengt haben. Er ist offen und kommunikativ, und wenn er über sich selbst und seine Erfolge erzählt, hat man den Eindruck, dass sein Weg mühelos war.

„Ich war Student der Filmregie, als ich vor 15 Jahren nach Wien kam. Ich wollte eigentlich nur einen Deutschkurs machen, um mich an einer Akademie in Baden-Württemberg einzuschreiben“, so beginnt Vladas Wien-Geschichte. „Natürlich brauchte ich Geld, und so ging ich zum Burgtheater. Und stellen Sie sich vor, sie haben mir ein paar kleine Rollen gegeben“, erzählt der junge Mann, der schon bald anfing auch als Regieassistent zu arbeiten und in den folgenden Jahren auch größere Rollen erhielt.

Nach einigen Jahren in Wien zog es ihn aber wieder in die Ferne. Zwischen 2006 und 2009 machte er Station in Berlin, Linz und Amsterdam, wo er sich zuletzt mit Video- und Tonkunst beschäftigte.

„Es ist alles sehr gut für mich gelaufen, aber trotzdem habe ich mich Ende 2009 entschieden, nach Wien zurückzukehren und hier Wurzeln zu schlagen“, sagt Vlada. Eine Rolle spielte dabei auch die Tatsache, dass seine Freunde in Wien lebten und dass Belgrad nicht so weit entfernt war, sodass seine Mutter leichter zu Besuch kommen konnte.

Berufliche Kehrtwende

Man kann sagen, dass der Anfang der Kehrtwende bei Vlada einsetzte, als er in jenem Winter mit seinem Freund Florian Egger nach Tirol fuhr, wo dessen Familie ein großes Hotel besaß. Die beiden stöhnten die ganze Skisaison über unter der vielen Arbeit, aber sie hatten auch Spaß. Als sie nach Wien zurückkehrten, hatte Florian die Idee ein gemeinsames Lokal zu eröffnen.

„Ich sagte unter der Bedingung zu, dass das keine Eckkneipe werden würde, in der wir Čevapi braten würden. Ich wollte etwas breiter Angelegtes, was uns beiden ermöglichen sollte, uns kreativ auszuleben“, so der Gastronom. Mit geliehenem Geld von der Familie und einem Kredit nahm das Restaurant „Zweitbester“ vor drei Jahren den Betrieb auf, erzählt Vlada Petković Szene-Lokal in der Heumühlgasse 2 im vierten Wiener Bezirk.

Einfach anders sein

Die Kreativität sieht man dem Restaurant „Zweitbester“ auch an. Die Ziegelmauern im Inneren bilden mit der Einrichtung aus Glas und Metall und der reduzierten Möbellinie eine spannende Kombination. Die Küche ist für den Gast einsichtig, alles wirkt offen und entspannt. Die Karte ist voll von österreichischen und internationalen Spezialitäten.

„In unserem Restaurant gibt es keine Gefriertruhe, was deutlich zeigt, dass wir das Essen ausschließlich aus frischen Zutaten zubereiten. Fleisch, Obst und Gemüse kaufen wir nur bei den Bauern im Wiener Umland, und wir haben jemanden, der für uns in den naheliegenden Wäldern Kräuter sammelt. Die Preise sind akzeptabel, was auch einer der Gründe dafür ist, dass es kaum freie Plätze gibt. Außerdem servieren wir hervorragende österreichische Weine“, betont Vladimir.

Aber nicht nur Speisen und Getränke locken die Gäste ins Restaurant „Zweitbester“. Performances, Bilderausstellungen und Konzerte sind ebenfalls ein Leckerbissen für das vielfältige Publikum aller Generationen und Nationen. „Vor allem unsere Konzerte im WC kommen immer gut an. Ja, Sie haben richtig gehört, die Musiker treten tatsächlich in der Toilette auf, was eine Art politischer Botschaft gegen die Vernachlässigung der musikalischen Künstler im Staate Österreich ist. Wir haben auch viele andere interessante Veranstaltungen und das Straßenfest, das wir im September veranstalten, wird schon Tradition. Und das ist nur ein Teil der Aktivitäten des verhinderten Filmregisseurs.

Burschen mit Enthusiasmus

Vlada und Florian erweiterten ihr gemeinsames Geschäft, als sie im vergangen Jahr das bekannte Dschungel-Café im Museumsquartier übernahmen. Das ist ein offener Raum für neuartige Veranstaltungen.

„Diesem Kulturkomplex im MuseumsQuartier fehlt ein bisschen die Lebendigkeit, und da werden wir sicherlich mithelfen, Abhilfe zu schaffen, wenn wir in Zukunft auch ein Nachtlokal aufbauen. Ich glaube, dass auch das ein beliebter Treffpunkt für die Menschen werden wird, die unsere Kreativität erkennen und schätzen können“, ist unser Gesprächspartner überzeugt.

In ihren beiden lokalen beschäftigen Vladimir und Florian 40 Mitarbeiter, von denen die Hälfte aus Studenten besteht, die als Aushilfen arbeiten. Die Organisation der Arbeit, den Einkauf, die Administration und die Kommunikation mit den Gästen nehmen sehr viel Zeit in Anspruch. Der junge Mann, der ausgezogen war, um zu lernen, wie man am besten Filme dreht, ist auf einem ganz anderen Lebensgleis gelandet. Aber er sieht das nicht als Fehler.

„Alles, was ich mache, ist in irgendeiner Weise Regie und Schauspiel. Die Lokale sind große Bühnen, auf denen immer irgendetwas passiert. Hier wiederholt sich keine Szene wie auf der Bühne, denn jeden Tag nehmen andere Teilnehmer an dem Spiel teil. Langweilig wird es hier nie und jeder Tag bringt neue Herausforderungen.“ Dem fügt Vladimir nur noch hinzu, dass er sich auch als Unterhalter seiner Mitmenschen sieht und dass er all das leisten kann, weil die Arbeit, die er macht, auch für ihn unendlich unterhaltsam ist.

Vera Marjanović / KOSMO

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