SPORT 02.03.2015

Der Gladiator von Zemun

Dušan Džakić (28), der bekannteste und erfahrenste MMA-Kämpfer Serbiens, spricht mit KOSMO über Knock-outs, Maitressen, Gewalt und die serbische Unterwelt.

Nachdem er kürzlich im Ring den kroatischen Kämpfer Sebastian Emini K.O.-geschlagen hat und ihm unmittelbar danach das Leben rettete, ist der MMA-Kämpfer Dušan Džakić sowohl unter den balkanischen als auch bei den internationalen Fans zum Star geworden. Das Videoprotokoll seines Rettungseinsatzes erzielte im Internet fast eine Million Klicks. KOSMO traf den besten serbischen MMA-Kämpfer in seinen neueröffneten MMA-Club „Taurunum“ im berüchtigten Belgrader Stadtteil Zemun.

KOSMO: Titel wie „Serbe rettet Kroaten im Ring das Leben“ gingen um die Welt. Wie siehst du als Hauptakteur dieser Geschichte dieses Ereignis heute?

Dušan: Ich muss sagen, dass die Medien die ganze Geschichte ein bisschen hochgepuscht und aufgeblasen haben, obwohl ich natürlich sofort zu Hilfe gekommen bin und ihm die Zunge herausgezogen habe. Damit habe ich ihm natürlich geholfen, aber zu sagen, dass ich ihm das Leben gerettet habe, ist vielleicht doch ein bisschen übertrieben. Emini ist ein sehr korrekter Bursche, ein ehrlicher Kämpfer. Ich schaue niemals auf die Nationalität, ich schätze die Menschen als Menschen – oder ich schätze sie eben nicht…

Andern Gegnern gegenüber warst du nicht immer so wohlwollend. Ivica Džebić hast du seinerzeit den Mittelfinger gezeigt und ihm angeblich auch ins Gesicht gespuckt…

Es stimmt, dass ich ihm den Mittelfinger gezeigt habe, als er am Boden lag. Wir hatten einige offene Rechnungen von früher. Es war Zeit, ihm das im Ring heimzuzahlen. Das mit dem Spucken stimmt ganz einfach nicht. Einigen Gegnern zeige ich den Mittelfinger, anderen helfe ich und verneige mich vor ihnen. Es ist besser, zur zweiten Gruppe zu gehören, denn sonst landen man bewusstlos am Boden, genau wie Džebić…

Viele halten dich für den besten MMA-Kämpfer der Region. Wen schätzt du unter den serbischen Kämpfern?


In Serbien ist MMA noch ein kleiner Sport, wir haben nur zwei wichtige Kampfevents. Es gibt viele Idiotenwettbewerbe und Dummköpfe, die glauben, dass sie große Kämpfer sind. Aber niemand hat 30 gute Kämpfe in den Armen und Beinen so wie ich. Die Schlimmsten sind die Internet-Idioten, die sich wichtigmachen. Sie werden von den Frauen nicht rangelassen, und dann leben sie ihre Wut über die Tastatur aus…

Was sind deine wichtigsten Asse im Ring?


Viele meiner Siege hatte ich durch die sogenannte Guillotine und über das Würgen. Ich schalte meine Gegner leicht aus, das ist mein größter Trumpf im Ring. Ich hatte drei klassische Knock-outs, zwei Abbrüche und fünf Würgesiege.

Bei einem Kampf in Tschechien hast du 50 Prozent deiner Sehstärke auf dem linken Auge verloren. Und trotzdem stehst du noch im Ring?


Der Mensch hat zwei Augen, aber nur ein Leben. Und mein Leben ist MMA, da ist die Mathematik sehr einfach. Natürlich ist meine Mutter jedes Mal in Panik, wenn ich kämpfe. Sie schaut sich das überhaupt nicht an und das ist auch besser so. Aber wie gesagt, das ist mein Leben und mein Ding…

Wie schläfst du in der Nacht vor einem Kampf?

Früher hatte ich damit Probleme. Einmal bin ich vor einem Kampf mit Džebić sogar noch ausgegangen und alles endete um sechs Uhr früh in einer Striptease-Bar. Heute ist das anders. Ich sehe das alles professioneller und bemühe mich um maximale Konzentration.

Du bist einer der wenigen Kämpfer auf dem Balkan, die von diesem Sport leben. Wie hast du es so weit gebracht?

Naja, mit viel Verzicht und Arbeit. In einem Land, wo die Menschen schwere Arbeiten für lächerliche Löhne machen, ist das auf jeden Fall ein enormer Erfolg. Wenn ich es nicht geschafft hätte, wäre ich jetzt wahrscheinlich Kellner oder würde in einem Wettbüro arbeiten, wer weiß. Oder ich wäre wie viele meiner Freunde auf die schiefe Bahn geraten…

Du bist aber auch gerne in der Gesellschaft junger Damen…

Ich liebe die Frauen, kein Zweifel. Genau wie ich auch manche Pflanzen liebe, über die ich jetzt nicht im Detail sprechen möchte (haha). Und ich liebe Tiere. Ich habe Karpfen, Goldfische, eine Wasserschildkröte, zwei Enten, einen Hahn, einen Pitbull, eine Katze, einen Papagei. Sie geben mir die Ruhe, die mir diese kranke Umgebung nicht bietet.

Interview: Petar Rosandić / KOSMO

STECKBRIEF: DUŠAN „THE CYBORG“ DŽAKIĆ


Club: MMA Taurunum
Geburtsdatum: 17.1.1987
Geburtsort: Zemun, Beograd
Größe: 177 cm
Gewicht: 76 kg
Siege: 16
Niederlagen: 9
Größtes Vorbild: Nick Diaz

Der weibliche Terminator

Der kroatische Conan

Kick it like Jelena!

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