INTERVIEW 31.03.2015

Der Charme der Kafana

„Gebt uns Wein und lasst es krachen“, ist die Parole der KOSMO-Party im Club „Insomnia“, bei der der berühmte Haris Džinović am 24. April einheizen wird. Der legendäre bosnische Sänger ist der König der Kafana, des typischen Beisls am Balkan. KOSMO gab er eines seiner seltenen Interviews.


KOSMO: Am 24. April treten Sie in Wien auf. 1992 sind Sie vor dem Krieg nach Wien geflohen. Welche Erinnerungen an diese Stadt werden da wach?


Haris Džinović: So ist es. 1992 war ich fast ein Jahr lang in Wien. Das waren die Kriegsjahre, aber darüber mag ich nicht sprechen. Der Krieg ist lange vorbei und ich will nicht wieder mit diesem Thema anfangen. Ich habe natürlich Erinnerungen an Wien, aber sie sollen nicht diese Kriegskonnotation haben.

Sie haben sicher einen Lieblingsplatz in Wien?

Es gab einen Ort, ich glaube im 7. Bezirk: Das Restaurant „Ragusa“ im Stile des alten Dubrovnik. Als ich in Wien war, bin ich da wirklich gerne hingegangen.

Würden Sie irgendwann wieder nach Wien ziehen?


Nein. Einfach darum, weil ich schon länger an anderen Orten lebe. Ich hätte keinen besonderen Grund dazu.

Ihr musikalischer Weg führte von der Sevdalinka über ein Roma-Ensemble bis zur Solokarriere. Wie definieren Sie Ihr musikalisches Genre?

Dieses Genre ist noch nicht definiert. Es ist etwas, das einfach entsteht, das aus meinem künstlerischen Opus hervorgeht. Es besteht aus Sevdah, Rock, Pop und Balladen, aber auch aus russischer, griechischer und spanischer Musik, ebenso wie aus Roma-Musik. Es ist alles zusammengewürfelt, aber irgendwie ist etwas Gutes daraus geworden.

Haben Sie unter den zahlreichen Hits irgendein Lied, das Ihnen besonders lieb ist?

Das ist, als wenn Sie eine Mutter fragten, welches ihrer, sagen wir, fünf Kinder ihr am liebsten ist. Es ist schwer, eines zu nennen, denn was gehört wird und was nicht, hängt immer auch von der Atmosphäre, der Zeit und dem Ort ab. Darum kann ich nicht nur ein Lieblingslied herausgreifen.

Aber haben Sie irgendein Lied, es muss nicht Ihr eigenes sein, das Sie zum Beispiel in der Kafana, im Beisl, bestellen würden?

Ich gehe nicht und setze mich dahin und bestelle Lieder, ich bin kein Beilstyp. Wenn man lange mit Freunden zusammensitzt, wird natürlich auch gesungen. Aber meine eigenen Lieder mag ich privat nicht singen.

Und können Sie uns zum Ende dieses Gesprächs noch sagen, ob Sie auch privat so streng sind, zum Beispiel mit Ihren Kindern, wie in der Jury der „Pink Stars“?

Ich glaube nicht, dass ich überhaupt streng bin, sondern nur realistisch und objektiv. Wenn andere Jurymitglieder andere Meinungen haben, d.h. wenn sie denken, dass etwas gut ist, was ich nicht gut finde, muss das nicht heißen, dass ich streng bin.

Interview: Sandra Radovanović / KOSMO

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