BLOG: AUSTRIA MEETS BALKAN 15.04.2015

Der Balkaner und die Liebe zum Schwein

© istockphoto.com
Aus dem Urlaub in Kroatien mal eben ein ganzes Schwein mitbringen? Das kannte unsere Bloggerin Barbara Šikić nicht – bis sie einen Kroaten heiratete...


Es war in irgendeinem Winter als die neue Kirche im Heimatdörfchen meines Mannes in Kroatien eingeweiht werden sollte. Zu diesem Anlass wollten wir gerne hinunterfahren, ich und mein Mann. Auf dem Weg nach Dalmatien sollten wir in Slawonien bei einem Freund vorbeischauen, der dem Schwiegervater eine schöne Schweinshaxe zum Pršut-machen versprochen hatte. Ich konnte dem Diskurs nicht folgen, aber ich bekam mit, dass übers Wochenende das Projekt immer größer wurde: Aus der Schweinshaxe wurden 2 Haxen und dann ein halbes Schwein und zu guter Letzt sprachen wir von einer ganzen Sau (Wie?! Du willst nicht feilschen!?).

Mein Mann fuhr damals einen klassischen Benz. Der Kofferraum war schon nicht der kleinste, dennoch fragte ich mal kritisch nach, ob mein Mann wisse, wie groß so eine Sau denn sei…

Ich habe nichts mit Landwirtschaft auf dem Hut, aber ich war mir sicher, dass ein ganzes Schwein in einem VW Bora Kombi sicher besser unterzubringen war. Nach einer längeren Debatte, ließ sich mein Göttergatte schließlich überzeugen. Weil ich kurz vor der Abfahrt noch einer Grippe erlag, hatte mir die Schwiegermama Schnapswickel verpasst. Es ging mir supermies und ich stank nach Alkohol – Polizeikontrolle wäre sicher mehr als unangenehm verlaufen… Keine Ahnung, ob so ein Schnapswickel hilft, aber in Alkohol einlegen macht bekanntlich ja länger haltbar… So gewickelt und verpackt starteten wir stinkend unseren Weg Richtung Schwein und Kirche.

Schwein oder Kuh?

Wir gelangten in den kleinen, slawonischen Ort, in dem der Freund lebte, und bogen von der Hauptstraße links in eine Hofeinfahrt ein: Und da hing sie. Die ganze Sau. Von einem Gestänge, höher als eine Teppichklopfstange, kopfüber herab bis hinunter auf den Boden. Meinem Mann klappte der Kinnladen herunter. Auch meine Vorstellungen von der Größe eines Schweines waren übertroffen. Das war ja schon fast eine Kuh!

Ich durfte mich in die warme Küche zurückziehen und heißen Kakao mit der Herrin des Hauses trinken, während die Männer sich daran machten, das riesen Vieh im Kofferraum zu verstauen. Gott sei Dank im Kofferraum eines Kombis! Es passte mit Ach und Krach alles hinein und es dauerte eine Weile bis wir unseren Weg fortsetzen konnten: In Schnaps getränkt und mit einem ganzen Schwein im Kofferraum – der Geruch im Auto hätte jeden kontrollierenden Polizisten sofort umgehauen.

Im Heimatdorf angekommen, luden wir unsere Beute bei der Tetka ab, die schon freudig auf die Ladung wartete. Flugs wurde das Schwein aus dem Kofferraum in den Keller transportiert und flink in seine Einzelteile zerlegt. Massig Salz dran und ehe man sich‘s versah hingen 4 Schinken-in-spe und einige andere „Bauteile“ von der Decke: Die Tetka, der Häcksler. Dass man diese Schinken dann noch pressen muss, immer wieder mal nachziehen und dass man sie mit Geduld und Spucke geraume Zeit reifen lassen muss, davon bekam ich bei jenem Mal in Kroatien noch nichts mit.

Fest steht, dass wir etwa ein Jahr später lecker Pršut auf dem Tisch stehen hatten und Rakija dazu tranken (wieder: Schnaps und Schwein). Der Schwiegerpapa bezieht seine Schweindln mitterweile aus Österreich und stellt nicht nur Pršut her, sondern räuchert auch selber. Über der Feuerstelle in seiner Außenküche hängen seine Schätze und erfreuen uns zu Familienfesten und allen anderen möglichen Anlässen.

Barbara Šikić / KOSMO

Übersetzung:
Pršut: Schinken, Prosciutto
Tetka: Tante
Rakija: Schnaps

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