ETHNO-JAZZER VOM BALKAN 04.12.2013

Der Balkan-Rhythmus im Blut

© zVg.
KOSMO traf den serbischstämmigen Jazz-Musiker Nenad Vasilić. Mit uns sprach er über seine Anfänge als Straßenmusiker, seine Erfolge als Ethno-Jazzer und den besonderen Rhythmus des Balkans. Teil 2. Der KOSMO-Serie „Ethno-Jazzer vom Balkan“.


KOSMO: Mit 19 Jahren hast du dein Land verlassen und bist zum Studium nach Graz gekommen. Wie war das?

Nenad Vasilić: Ich bin 1995 nach Österreich gekommen. Das war eine schwierige Zeit, Visa, Sanktionen, ich habe es kaum geschafft, mich an der Schule in Graz einzuschreiben. Ich habe auf der Straße gespielt, denn das war für uns Studenten die einzige Möglichkeit, zu überleben. Ich habe schöne Erinnerungen an diese Zeit. Die Straßenmusikszene war ziemlich stark, es war keine Schande, auf der Straße zu spielen. Ich konnte nicht auf Hilfe aus Serbien zählen, denn damals herrschte bei uns das Chaos. Mit großer Anstrengung und Selbstdisziplin habe ich mein Diplom als Jazz-Kontrabassist geschafft.

Wann hast du zu spielen begonnen?

Mit fünf Jahren habe ich angefangen, Klavier zu spielen bis ich eines Tages begriffen habe, dass mich diese Klassik und diese Disziplin überhaupt nicht interessieren. Ich habe aufgehört zu üben und meinen Vater gebeten, mir im Warenhaus eine Bassgitarre zu kaufen. Dann wurde ich Bassist der Gruppe Jenki. Das ist irgendwie ein logischer Weg gewesen, denn die Bassgitarre ist die Enkelin des Kontrabass, eine hervorragende Grundlage, später Kontrabass zu lernen.

Irgendwann zu Beginn deiner Kontrabasskarriere hast du zeitweilig auch in den Lokalen in Niš gespielt?

Ja, das stimmt. Wir konnten nirgendwo Geld verdienen, außer in den Clubs und Lokalen. Dort habe ich gelernt, all unsere südländischen Rhythmen im 7/8-Takt  und viele verschiedene Lieder zu spielen. Das hat mir später in meiner Karriere sehr geholfen, denn davon habe ich dieses Melos mitgenommen.

Wie sehr haben dir die Volkslieder als Jazz-Kontrabassist geholfen?

Ich habe in Österreich sehr lange nur Jazz gespielt, aber später habe ich als einer der ersten in diesem Teil Europas begonnen, Ethno- oder, wie man hier sagt, Balkan-Jazz hinein zu mischen. Ich musste meinen österreichischen Kollegen zuerst einmal unsere Rhythmen und unser Melos beibringen. Das war komisch und schwer für sie, aber sie haben es gelernt.

Das erste Album hast du in den USA herausgebracht?

Als wir begannen, Balkanmusik mit Jazz zu mischen, hat das noch fast niemand gemacht. Vielleicht Vlatko Stefanovski und Bojan Zulfikarpašić, aber nicht hier in Europa. Hier war das neu, und die Herausgeber sahen aus dieser Platte keinen Gewinn herausspringen. Aber Ameri aus Seattle haben das gesehen...

Wie viele Alben hast du schon gemacht?

Na ja, bisher habe ich an über vierzig Projekten mitgearbeitet, das heißt als Musiker, mit anderen Komponisten. Alben mit Eigenkomposition habe ich sieben. So heißt auch das letzte: „Seven“ oder „Sedam“.

Kann man vom Jazz leben?

Jazz spielt man nicht für Geld, sondern aus Liebe. Wenn man viel arbeitet, kann man vernünftig leben, aber man ist weit davon entfernt, reich zu werden. Geld war für mich niemals das Motiv, Jazzmusik zu spielen.


Interview: Zoran Radojković Pile

www.vasilic.com

Termine:
21.12.2013: SOULMOTION  Wien: Nenad Vasilić & Nataša Mirković, Kulturzentrum Café Siebenstern 20:00 Uhr.

Mehr zum Thema:
Interview: Matilda Leko - Turbofolkfreie Zone

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