KOMMENTAR 09.09.2014

Das Wunder von Medjugorje: Über alle Hürden

Der US-Open-Gewinner Marin Čilić kann sich jetzt zurecht vom seinen Landsleuten feiern lassen. Er hat nicht nur die Tennisstars der ganzen Welt in den Schatten gestellt, sondern auch all die Institutionen in der Heimat, mit deren Unterstützung er nie rechnen konnte.

Dass Siege von Sportlern und Sportlerinnen am Balkan sehr emotional erlebt werden und eine ganze Nation in den Bann ziehen, zeigte sich auch beim US-Open Sieg vom kroatischen Tennisspieler Marin Čilić. Bis tief in die Nacht gingen die Siegesfeiern in Zagreb, Split, Osijek und in anderen kroatischen Städten, vor allem in Marins Heimatort, im herzegowinischen Wallfahrtsort Međugorje. Der junge Kroate hat sich nicht nur wegen dem brillanten Tennis den Sieg verdient, sondern auch den euphorischen Jubel, den Applaus und die Umarmungen, die jetzt in Kroatien und in der Herzegowina folgen.

Obwohl die kroatischen Medien, die Öffentlichkeit und die wichtigsten politischen Institutionen den Sieg jetzt wie einen Nationalfeiertag feiern, muss man dabei aber – wie auch bei anderen Erfolgen von Sportlern zuvor – vor allem eines betonen: Die Verdienste für diesen Erfolg liegen ausschließlich bei Marin, seinem Trainer Goran Ivanišević und der Familie Čilić.

Die Flucht der Familie Jukić

Hinter den Karrieren und Erfolgen von Čilić, Ivanišević, der Familie Kostelić, Novak Đoković und vielen anderen Sportlerhelden vom Balkan steckt nämlich oft vor allem eines: der Mut und der Wille, alle Hürden im eigenen Land zu überspringen. Vielleicht die größte Hürde für SportlerInnen am Balkan – sei es in Kroatien, Serbien oder Bosnien - ist dabei die unzureichende Unterstützung der Institutionen, die sich jetzt bei allen Feierlichkeiten im besten Licht inszenieren und sich immer wieder mitfeiern lassen.

Die Unterstützung der SportlerInnen ist oft nicht nur sehr mangelhaft, sondern derart enttäuschend, dass viele von ihnen ins Ausland flüchten. Bestes Beispiel ist die Familie Jukić, die in Zagreb keine Örtlichkeit für ihr Schwimmtraining bekommen konnte und letztendlich nach Österreich auswanderte.

Die besten Botschafter

Umso mehr sollten solche Erfolge wie die von Marin Čilić Anreiz genug sein, um jungen Sportlern und Sportlerinnen aus kommenden Generationen ein Mindestmaß an Logistik, Förderung und Infrastruktur zur Ausübung ihres Sports zu garantieren. 

Wenn man bedenkt wie viel alleine Kroatien von seinen sportlichen Botschaftern in der Welt in den 90-er Jahren profitiert hat, wie sehr das Image Serbiens in der Welt durch Novak Đoković verbessert wurde oder wie viel die bosnisch-herzegowinische Nationalmannschaft zu einem Umdenken in der Gesellschaft beiträgt, dann kann man trotz allen Wirtschaftskrisen sagen: Eine Investition in den Sport am Balkan ist eine Investition in unsere Zukunft.

Petar Rosandić / KOSMO-Redaktion

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