INTERVIEW 22.12.2014

Das Herz jeder Balkan-Party

© Hanna Buschler
Es gibt keine Balkan-Feier ohne Akkordeon. Nikola Zarić (22) ist ein Musiker, der sich zwischen den Welten bewegt. Der junge Wiener mit Wurzeln im bosnischen Bijeljina spielt das Akkordeon auf Weltniveau.


KOSMO: Du bist neben deinem Studium in der Jazz-Szene sehr aktiv und gibst Akkordeon-Unterricht. Was möchtest du beruflich machen?

Nikola Zarić:
Da ich ja in Wien, einer der Welthauptstädte der Musik, geboren wurde, bin ich schnell mit Künstlern aller Musikszenen in Kontakt gekommen. Zur Zeit habe ich keine Probleme mit diesem Multitasking-System, aber es wird sich schon von selbst entwickeln, in welcher Rolle ich tatsächlich bleibe.

Du spielst auf Hochzeiten und Taufen. Was war der höchste Geldschein, der dir zugesteckt wurde?

Da die Musik bei allen Jugo-Feiern ziemlich eine zentrale Rolle spielt, ist es üblich bei vielen besonderen Liedern den Musikern ein Trinkgeld von 50 bis 100 Euro zu geben. Ich hatte aber auch die Ehre bei Roma-Festen, bei denen die Musik einen noch größeren Stellenwert hat, mitzuwirken, wo auch einmal ein 500er-Schein auf meinem Akkordeon landete.  

Was hast du von deinem ersten Honorar gekauft?


Ein Funkmikrofon fürs Akkordeon. Es ist schon lang nicht mehr in, statisch auf einem Fleck zu spielen. Man muss heute beweglich sein soll und dem Publikum näher kommen. Ansonsten investiere ich gerne in meine Konzertkleidung, weil ich bei all meinen Auftritten sehr auf meine Ästhetik achte! 

Es gibt viele Variationen des Kolo. Was ist in Wien am gefragtesten ?

Es hängt natürlich sehr davon ab für welche Volksgruppe vom Balkan man spielt, weil es auch da viele kulturelle und musikalische Unterschiede gibt. Die Walachen z. B. können nicht eine “Šumadijsko kolo“ so spüren, wie die Leute aus diesem Gebiet (Šumadija) und umgekehrt, oder? Durch meinen Vater, der ein großer Liebhaber der Roma-Musik ist, bin ich mit dieser Richtung aufgewachsen und spiele am liebsten deren Tänze und Kompositionen. 
   
Und wann spielst du nur zum eigenen Vergnügen?

Einer der schönsten Momente für mich sind die Sperrstunden bei den Feiern, wo fast alle Gäste weg sind und nur wir Musiker uns gegenseitig die Seele aus dem Leib spielen.

Spielst du auch den Wiener Walzer am Akkordeon?  Oder etwas anderes typisch österreichisches?


Ja, natürlich! Wenn man in Wien geboren und aufgewachsen ist, jahrelang in die Wiener Musikschule geht und dann nicht einen Wiener Walzer auf seinem Instrument spielen kann, fände ich das sehr, sehr schade.

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