POLITIK 18.06.2014

Bosnien-Herzegowina: Das Ende des Schweigens

Letzte Woche organisierten das österreichische Außenministerium und das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte in Wien eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Zivilgesellschaft in Bosnien-Herzegowina. KOSMO hat mit zwei von ihnen gesprochen.

Der Anlass für die Diskussion "Bosnien-Herzegowina vor den Wahlen 2014: Zivilsektor als Faktor der Veränderung?" waren die mehrmonatigen Proteste in Bosnien-Herzegowina. Sie diente gleichzeitig als Vorbereitung für eine dreitägige Konferenz über den Zivilsektor in Bosnien-Herzegowina, die im September in Wien stattfinden wird. An der Podiumsdiskussion nahmen u.a. der österreichische Außenminister Sebastian Kurz und der Sonderbeauftragte der EU in Bosnien-Herzegowina Peter Sorensen sowie Medien- und NGO-Vertreter aus beiden Entitäten Bosnien-Herzegowinas teil.

Amna Popovac, Geschäfsführerin des Rundfunks „Studio 88“ in Mostar, versammelt in ihrer Redaktion Vertreter aller ethnischen Gruppen in der geteilten Stadt Mostar. „Bürger von Mostar haben sich bei den Protesten vereint. Genauso viele Kroaten wie Bosniaken gingen auf die Straße. Später wurde auf die Kroaten Druck ausgeübt, einige blieben aber. Wir können so geteilt nicht mehr leben. Mostar ist klein, ganz Bosnien-Herzegowina ist klein. Eine wahre Unterstützung bekommen wir nur von unserer Diaspora“, so Popovac, deren Wunsch es ist, die erste Bürgermeisterin von Mostar zu werden und die geteilte Stadt zu vereinigen. „Ich bin Bosniakin, die den Krieg im mehrheitlich kroatischen West-Mostar überlebt hat. Vier kroatische Familien haben mit ihrem Leib und Leben uns vier Bosniaken geschützt. Deshalb weiß ich, dass wir nur gemeinsam weitergehen müssen.“

"Wir schreiben offen"


Das Internetportal BUKA aus Banja Luka erreichte in den letzten 15 Jahren eine große Popularität. „Wir sind immer gleich, so dass die Leser wissen, was Sie von uns erwarten können. Obwohl es einen gewissen Druck von Seiten der Regierung und von einigen Ultranationalisten gibt, die uns als Verräter abstempeln, ist Banja Luka ein guter Ort für unser Team“, sagt Aleksandar Trifunović, BUKA-Chefredakteur.

Seine Redaktion schreibt offen und nimmt sich bei vielen kontroversiellen Themen kein Blatt vor den Mund: „Uns wird am meisten unsere Offenheit vorgeworfen. Wenn wir schreiben, dass unweit von Banja Luka ein Massengrab mit 800 verscharrten Leichen gefunden wurde, wirft uns die Umgebung vor, dass wir überhaupt darüber schreiben. Es ist aber logisch, dass wir gerade darüber schreiben und es nicht verheimlichen wollen. Wir schreiben über alle Verbrechen, egal wo sie stattfanden und wer sie beging“, so Trifunović, der den Wunsch der politischen Spitze in Banja Luka nach einer Verselbstständigung der Entität Republika Srpska als „unseriös“ bezeichnet: „Ich bin überzeugt, dass mit einer selbstständigen Republika Srpska die wahren Probleme für die Serben in Bosnien-Herzegowina erst beginnen würden. Das wäre ein sehr gefährliches Spiel“, stellte Trifunović fest.

KOSMO-Redaktion

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