THEATER 11.04.2014

Das Attentat in der Josefstadt

© zVg.
Das hundertste Gedenkjahr des Ersten Weltkriegs wird im Theater in der Josefstadt mit dem authentischen Geschichtsdrama „Die Schüsse von Sarajevo“ von den Autoren Milan Dor und Stephan Lack gewürdigt.


Der Anfang und das Ende des Stückes wird von zwei verzweifelten Briefen eines verlorenen Liebespaares umrahmt, welches durch die Stürme des „Großen Krieges“ nie wieder zusammenfinden wird. „Marija, warum antwortest du nicht?“, spricht der Hauptdarsteller, Leo Pfeffer, ein österreichisch-ungarischer Justizbeamter, gespielt von Erwin Steinhauer, in einem inneren Monolog. Es ist ein Schreiben an seine Geliebte, die Serbin Marija Begović, gespielt von Julia Stemberger, welches sie nie bekommen wird.

Der „eiserne“ Vorhang geht im Schritttempo nach oben auf. Die gähnende Stille im Saal wird durch laute Schüsse unterbrochen. Maskierte Soldaten des modernen zwanzigsten Jahrhunderts laufen in einem Getümmel über die Bühne, transportieren Verletzte und führen Gefangene ab. Der Regisseur „Herbert Föttinger“ möchte damit eine Parallele zwischen den Balkankriegen der neueren Epoche und dem Ersten Weltkrieg herstellen. Wieder Totenstille. Es ist ein heißer 28. Juni, des Jahres 1914 in Sarajevo und es ist Vidovdan, St. Veitstag, ein serbischer Feiertag. An jenem Tag erschießt der serbische Aufständische Gavrilo Princip den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und Seine Frau Sophie.

Der Krieg lässt sich nicht aufhalten

Das Stück basiert auf dem Roman von Milo Dor „Der letzte Sonntag“ (1982). Der Schriftsteller versuchte anhand von zeitgenössischen Berichten, die damalige Untersuchung des Attentates zu rekonstruieren. Im Mittelpunkt stehen die Gespräche des Justizbeamten Pfeffer mit dem Attentäter Gavrilo Princip, gespielt von Josef Ellers. Es werden Fragen aufgeworfen wie: Warum fuhr die Kolonne des Thronfolgers nach dem ersten missglückten Bombenanschlag weiter durch das Stadtzentrum? Warum bestand Österreich-Ungarn darauf, die Drahtzieher des Attentats im serbischen Parlament zu suchen?

Milan Dor und Stephan Lack gelingt es, ein spannendes Stück zu entwerfen, welches in zweistündiger Aufführung den Zuschauer nicht loslässt. Die Szenen gehen in einander über, Konzentration ist erwünscht. Das Bühnenbild von Walter Vogelweider ist bis ins letzte Detail durchdacht. Eine zweiteilige in die Länge gezogene Bühne, stellt gleichzeitig eine Wohnung, ein Lagerhaus für Untersuchungen, ein Kaffeehaus und ein Amtshaus dar. Die Kostüme von Birgit Hutter sind der Epoche getreu nachgebildet und versetzen das Publikum direkt in das Geschehen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts.

Der Wiener „Standard“ beschrieb die Inszenierung als „fettfrei, fantasiearm und mürbe, wie schwedisches Knäckebrot“. Das Publikum fand dieses Stück alles andere als bieder. Ein zehnminütiger Beifall folgte nach dem Ende. Die Schlussworte des Stückes gehören Marija, es ist ein Brief, welchen Leo niemals bekommen wird: “Lieber Leo, komm’ gesund aus dem Krieg zurück …”

Josip Andrejevski / KOSMO

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