KOMMENTAR 21.11.2014

Daham und Islam?

© zVg.
FPÖ-Chef Strache bekennt sich per Facebook zu den türkischen Zuwanderern. Heißt das jetzt Daham UND Islam?


Es war wohl nur eine Frage der Zeit. Als FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache vor ein paar Jahren begann, die große serbische Community zu umwerben (mit serbisch-orthodoxem Gebetsband am Handgelenk und dem Kreuz in der Hand), war schon unübersehbar, dass die die Migranten auch für die Rechtspopulisten in Österreich eine immer größere Rolle spielen würden.

In einem Facebook-Posting wandte sich der FPÖ-Chef nun dezidiert an alle Zuwanderer und bedankte sich sogar bei ihnen. Serben, Kroaten, Slowaken hätten sich vorbildlich integriert, so Strache. Und – historischer Moment – ebenso die Menschen aus der Türkei und dem Iran. Die Worte eines Mannes, der kürzlich noch mit Slogans wie „Daham statt Islam“ Erfolge feierte. Das Posting erhält 15.000 Gefällt-mir-Klicks und wird  über 1.000 geteilt. Unter den Likes findet sich auch der syrisch-österreichische Kickbox-Champion und Integrationsbotschafter Fadi Merza.

Image-Politur oder Sinneswandel?

Die kleine Image-Spritze hat die FPÖ im Moment auch mehr als nötig. Sorgten doch diverse FPÖ-Funktionäre aus der zweiten und dritten Reihe in letzter Zeit für Skandale im Wochentakt. Nach Torkel-Videos, Hitlergrüßen und Schüssen auf Kinder (siehe Kommentar und Bericht auf KOSMO) ist das Image der Partei angeschlagen. Ein Schelm, wer nun glaubt, es ginge nur um Image-Politur und Positionierung vor den Wien-Wahlen.

Zumindest muss man den Populisten eines zugutehalten. Sie haben immerhin erkannt, dass zugewanderte Österreicher eine Gruppe sind, um die es sich zu kämpfen lohnt. Jeder zweite Wiener hat mittlerweile Migrationshintergrund; die muslimische Bevölkerung wächst stetig.

Wie ehrlich die neu gefundene Liebe zu uns „Zugereisten“ ist, bleibt offen. Der Spagat zwischen dem strammen rechten Flügel der FPÖ und dem Bekenntnis zu Multi-Kulti könnte immerhin ein unterhaltsames Kunststück werden. Ob sich dieser schamlose Richtungswechsel auch an den Wahlurnen auszahlen wird, zeigt sich erst noch. 

Ljubiša Buzić / KOSMO

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