BOSNIEN-HERZEGOWINA 15.06.2015

Dita: das Wunder des bosnischen Widerstands

© Dita industrija (FB)
Jahrelang haben Mitarbeiter der Chemiefabrik Dita aus Tuzla für ihre Rechte protestiert. Dann haben sie die Produktion in die eigenen Hände genommen - und eine riesige Welle an Unterstützung im Internet bekommen.

Proteste, Arbeitslosigkeit, Elend - das ist das häufigste Bild, das uns in den letzten Jahren aus dem bosnischen Tuzla kommt. Die Stadt und die Umgebung waren vor dem Krieg eines der stärksten Industriezentren in Bosnien-Herzegowina und dem ehemaligen Jugoslawien. Doch der Krieg und die mafiose Privatisierung danach haben viele Firmen in den Ruin getrieben. Die Mitarbeiter der Chemiefabrik Dita wollten sich mit dem gegenwätigen Elend nicht abfinden: Sie haben vor einigen Tagen die Produktion in ihrer Fabrik selbst wieder aufgenommen. Dita-Waschmittel werden nun mit Hilfe einer der größten Supermarktketten Bosnien-Herzegowinas Bingo bald wieder den Weg zu den Konsumenten finden. In den Social Media versucht man derzeit, eine kostenlose Werbung für Dita-Produkte zu machen. Tausende Teilungen im Facebook und Twitter und unzählige Unterstützungsbotschaften waren die Folge. Auch einige Schauspieler und bekannte Persönlichkeiten aus Bosnien-Herzegowina drehen kostenlose Werbungen für Dita. Die aktivste Facebook-Seite ist mittlerweile Dita Industrija deterdžent TUZLA, die vom in Österreich lebenden 29-jährigen Bosnier Haris Begić unter dem Motto "Fakat podržimo ljude" ("Unterstützen wir echt die Leute") geführt wird.

Wirtschaftspatriotismus

Viele Wirtschaftsexperten in Bosnien-Herzegowina sehen diese Aktionen als Beginn eines wirtschaftlichen Patriotismus im Land. Es ist zu erwarten, dass Mitarbeiter anderer Fabriken im Land, die nach dem Krieg durch dubiose Privatisierungen zugrunde geführt wurden, die Produktion in die eigenen Hände nehmen. Die Bürger Bosnien-Herzegowinas müssen ihnen bei ihren Kaufentscheidungen eine Unterstützung geben.

KOSMO-Redaktion

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