MULTIKULTURELL 23.12.2014

Christkind, Santa oder Deda Mraz?

© zVg.
„Schöne Feiertage“, hört man derzeit mehrmals am Tag - aber das bedeutet für jeden etwas anderes. Wir haben mit Menschen aus unterschiedlichen Kulturen, die in Graz leben, über ihre Feiertage gesprochen.


„Zu Silvester kam Deda Mraz“

„Ich bin Muslimin und feiere Weihnachten eigentlich nicht. Ich habe den Heiligen Abend aber auch schon mit Freunden verbracht, die niemanden haben und einsam an diesem Tag sind. In meiner Heimat Bosnien-Herzegowina bin ich mit Deda Mraz (Väterchen Frost) aufgewachsen. In der Firma meiner Eltern wurden wir Kinder von Deda Mraz besucht. Ich habe mich immer wegen seines Barts vor ihm gefürchtet. Deswegen bin ich fast auf jedem Foto weinend zu sehen. Seit meine Familie und ich in Österreich sind, beschenken wir uns zu Silvester. Wir haben zu Silvester auch einen Tannenbaum, essen gemeinsam zu Abend. Ein Christkind oder einen Weihnachtsmann gibt es bei mir nicht – Deda Mraz aber schon!“ (Selma Jahić, 33 Jahre, Sozialpädagogin)

„Wünsche mir weniger Konsumwahnsinn“

 „Am 24. Dezember faste ich tagsüber und mache Vorbereitungen für die restlichen Feiertage. Am Abend gibt es Essen mit der Familie und danach wird die Mette besucht. Ich finde, dass hier in Österreich das religiöse Feiern nicht genug fokussiert wird und der Konsum im Vordergrund steht. In meiner Kindheit in Kroatien haben wir nicht schon einen Monat davor mit all der Hektik begonnen. Der Höhepunkt unseres Festes war ein Besuch im Stall. Nach längerem Beten und einer Segnung wurde ein Laib Brot mit den Tieren geteilt. Der Vater nahm einen großen Sack Stroh vom Stall mit, der in der Küche auf den Boden ausgestreut wurde. Dann kamen alle Verwandten aus unserem Dorf vorbei. Ich versuche das auch meiner Tochter zu vermitteln. Geschenke gibt es heute keine mehr, als meine Tochter noch klein war besuchte uns jedoch das Christkind.“ (Marija Vukadin, 53 Jahre, Kindergartenbetreuerin)

„Schöne Kindheitserinnerungen“

„Eigentlich bin ich ohne Bekenntnis, doch der Heilige Abend wird auch in meiner Familie zelebriert. Bloß ohne Evangeliumlesen oder Kirchenbesuch. Bereits zu Mittag fahre ich zu den Eltern, um Fondue oder Obstsalat vorzubereiten und den Christbaum zu schmücken. Danach fahre ich meistens noch einen Sprung in die Stadt und treffe meine beste Freundin auf einen Kaffee oder Spaziergang. Sobald es dunkel wird, hole ich in der Kirche das Friedenslicht. Danach kommt auch die liebe Oma bei meinen Eltern vorbei. Die hat bloß immer ihren anstrengenden Hund mit, der fast jedes Jahr den Christbaum umwirft. Jedes Familienmitglied bekommt eine Sprühkerze und wir stehen um den Baum. Gesungen wird nicht, das kommt mittlerweile alles vom Band. Als Kind gab es Adventgeschichten, wir haben Kekse gebacken und gehofft, dass das Christkind endlich kommt. Seltsam, oder? Da werde ich ohne Bekenntnis erzogen, aber ich glaube an das Christkind.“ (Mara Haubenwallner, 24 Jahre, Medizinstudentin)

„Ich feiere zweimal Weihnachten“

„Ich bin zwar als orthodoxe Christin in Serbien aufgewachsen, doch eigentlich will ich keiner Religionsgruppe zugehören. Am 24. Dezember feiere ich auch Weihnachten, weil alle Österreicher feiern. Ich kaufe einen großen Christbaum und lege Geschenke für meine Kinder darunter. Sie sollen nicht als Außenseiter aufwachsen. Am 7. Jänner fahre ich zu meinen Eltern in die Heimat, wo ganz groß das orthodoxe Weihnachtsfest gefeiert wird. Pečenje (Braten) und Sarma (Krautrouladen) dürfen nicht fehlen. Ich feiere Weihnachten also eigentlich zweimal und mag sowohl die österreichische als auch die serbische Tradition. Ich backe sogar Weihachtskekse, aber das darf ich meiner Mutter nicht erzählen.“ (Katica K., 43 Jahre, Krankenschwester)

Anna-Magdalena Druško / KOSMO

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