EU-WAHL 2014 15.05.2014

„Christentum und Islam vermitteln gleiche Werte“

© zVg.
Alvin Bijedic (ÖVP) ist einer der wenigen Kandidaten mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien bei der EU-Wahl. Wir sprachen mit dem Bosniaken über sein Vorbild Sebastian Kurz und darüber, wie er seinen muslimischen Glauben mit seinem Engagement in einer christlich-sozialen Partei unter einen Hut bringt.


Alvin Bijedić (22) ist Referent für Europa, Außenpolitik und Integration in der Jungen ÖVP Kärnten. Er studiert Rechtswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität in Graz und ist auf Listenplatz 24 der ÖVP bei der EU-Wahl.

KOSMO: Was hat Sie zur jungen ÖVP gebracht?

Alvin Bijedić: Als ich erstmals politisch aktiv werden wollte, habe ich mich mit den österreichischen Parteien aufeinandergesetzt. Die ÖVP beschäftigt sich in ihren Grundsätzen mit Werten, wie Familie, Religion, Kultur, Tradition und ganz besonders mit Leistung. Das hat mich letztlich überzeugt, der Partei beizutreten.

Auf Ihrem Twitter-Profilfoto sind Sie  mit Sebastian Kurz zu sehen. Ist er ein Vorbild für Sie?


Ja, natürlich. Ich traue mich fast sagen, dass er ein Vorbild für alle JVP-Mitglieder ist.  Er versucht Politik auf eine moderne Art zu führen und möglichst konstruktiv mit seinen Partnern zu arbeiten. Als Referent für Europapolitik, Außenpolitik und Integration in der JVP beschäftige ich mich auch mit denselben Dingen, mit denen er sich auf der höheren Ebene befasst. 

Ist es nicht ungewöhnlich, dass jemand mit muslimischem Glauben wie Sie einer christlich-sozialen Partei angehört?


Diese Frage wird mir öfter gestellt. Ich bin übrigens auch nicht der einzige. Bei der Nationalratswahl war Asdin El Habbassi auf Platz fünf der Bundesliste. Er ist Landesobmann der JVP Salzburg und ebenfalls Moslem. Die JVP ist eine Mitte-Partei. Sie hat keine radikalen Ansätze gegenüber Andersgläubigen. Es geht um Tradition und Kultur an sich, nicht ausschließlich um das Christentum. Es geht um die Werte, die das Christentum vermittelt, die aber ebenso im Islam zu finden sind.

Wie reagieren die Menschen aus der bosnischen oder muslimischen Community darauf?

Sie reagieren alle grundsätzlich sehr positiv und freuen sich, dass überhaupt jemand mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien hier in einer Partei aktiv ist. Es gibt aber auch Leute, die etwas skeptisch sind. Da ist es oft etwas schwierig, den Leuten zu erklären, dass die ÖVP auch eine Alternative ist, die unsere Werte vertritt. Wie viele Bosnier, Kroaten und Serben sind nur mit einem Koffer in der Hand nach Österreich gekommen und haben heute Häuser, Familien, Autos und gleichzeitig Häuser in ihrer Heimat. Hier sieht man die Leistung dieser Menschen. Das sind genau die Werte, die die ÖVP vertritt.

Wofür steht die Europäische Union für Sie?

Die EU ist für mich deshalb so wichtig, weil sie bewiesen hat, welche Bedeutung der Frieden auf unserem Kontinent hat. Besonders, wenn man  bedenkt,  was gerade in der Ukraine passiert, die gerade einmal so weit entfernt ist, wie Vorarlberg von Wien. Die EU ist so wichtig, weil die einzelnen Staaten viele ihrer Probleme nicht alleine lösen können.

Was möchten Sie in der Politik erreichen?

Ich möchte mich in der ÖVP für die Jugend einsetzen, meine Aufgaben als Referent in der Außenpolitik, Europapolitik und Integration wahrnehmen und in stärkeren Kontakt mit den Bürgern kommen. Irgendwann würde ich sehr gerne in der Bundesregierung mitarbeiten, um ein Ansprechpartner für die Jugend und für Migranten zu sein.

Interview: Ljubiša Buzić / KOSMO

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