MAGAZIN 04.03.2015

Bosnische Brüder: "Wie wir die Welt eroberten"

Die bosnischen Brüder Denis und Davor Mikan aus Wien haben mit ihrem Spiel Blek die Welt erobert.

Über Denis Mikan (40) und seinen Bruder Davor (34) schrieben 2014 fast alle der international bekanntesten Medien. Die beiden Brüder aus Bosnien-Herzegowina, die seit 1994 in Wien leben, sind durch das Spiel Blek ins Interesse der Öffentlichkeit getreten, das am 3. Dezember 2013 offiziell aus ihrer Werkstatt gekommen ist.

„Das vergangene Jahr hat unser Leben völlig verändert. Obwohl wir seit vielen Jahren in einem Bereich tätig sind, in dem alles sehr schnell geht, hat der Erfolg des Spiels Blek dem allen noch eine zusätzliche Beschleunigung gebracht. Ich kann nicht sagen, dass das Zufall war, denn all dem ist viel Arbeit vorausgegangen, aber als wir dahin kamen, wo wir jetzt sind, mussten wir uns allmählich auf die Situation einstellen. Darum haben wir sofort im Januar 2014 unsere Firma Kunabis Brother GmbH gegründet“, sagt Denis Mikan, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, während sein Bruder Davor sich vom Medienpomp weit entfernt hält.

Die Brüder Mikan sind seit ihrer frühesten Jugend in der Informatikwelt aktiv und waren dort immer kreativ tätig. Denis hat an der Technischen Universität Wien drei Jahre lang Informatik studiert und Davor hat eine HTL abgeschlossen.

„Nachdem ich die Fakultät verlassen hatte, habe ich als Programmierer gearbeitet und auch intensiv geschrieben. Das Resultat war das Prosawerk „Emil“, das ich 2002 herausgegeben habe. Davor hat sich mehr mit Musik beschäftigt, mit sogenannter elektrischer Akustik, und hat sogar bei einem portugiesischen Label eine CD herausgebracht. Außerdem hat er bei Flash-Radio Animation und Graphik gemacht und auch Werbespielchen für bekannte Firmen entwickelt“, erzählt der ältere der Brüder Mikan kurz über ihre früheren Arbeiten.

Der Weg zur Idee ist lang

Der erste Schritt bei der Entwicklung des Spiels Blek waren mehrmonatige Gespräche. „Unser Ziel war es, etwas Neues für mobile Geräte zu schaffen. Mein Bruder hatte dann die Idee zu Blek, d.h. er ist auf die Mechanik für das Spiel und das Zeichnen gekommen. Als er mir seine Idee zeigte, war ich sicher, dass wir das weiterentwickeln würden. Wir brauchten ungefähr sechs Monate, um Blek zu machen“, erinnert sich Denis.

Der Unterschied zwischen anderen Spielen und Blek liegt im innovativen Ansatz. Blek gehört zum Genre Puzzle-Spiele, was bedeutet, dass man durch das Spiel und durch einen kreativen Ansatz Rätsel löst. Die Level haben nicht nur eine vorgegebene Lösung, sondern man kann sie auf viele verschiedene Arten lösen, abhängig von der Kreativität und der Ausdauer der Spieler.

„Zu Beginn haben wir Blek nur für den iPod und das iPhone gemacht. Inzwischen haben wir das Spiel auch für die Benutzung auf dem Smartphone adaptiert und man kann Blek auch auf Google Play und im Apple Store kaufen. Seit kurzem sind wir auch auf der Nintendo-Konsole mit Touchscreen herausgekommen. Blek macht nicht abhängig, erfordert Logik und Kreativität und man kann sagen, dass es Lernspielcharakter hat“, beschreibt Denis Mikan das weltweit beliebte Spiel.

Mit Preisen überschüttet

Denis und Davor Mikan haben mit dem Spiel Blek 2014 mehrere prestigeträchtige Preise gewonnen. Ihre ersten Lorbeeren erhielten sie in Wien.

„Bei dem österreichischen Wettbewerb Content Award haben wir den ersten Platz in der Kategorie Spiele gewonnen, was uns neuen Aufwind gegeben hat. Auf der Konferenz Casual Connect in Amsterdam erhielten wir den Preis für das beste Mobile Game, und dann folgte eine Auszeichnung der Gesellschaft International Mobile Gaming Award für das beste innovative Spiel. Der Kreis hat sich mit dem Apple Design Award geschlossen“, zählt Denis stolz auf.

Doch schon nach dem Anfangserfolg in Wien wurden die ersten Piraten aktiv und man musste Schritte unternehmen, um das intellektuelle Eigentum zu schützen.

Hundertfach kopiert

„Plötzlich erschienen über hundert Klone auf dem Markt und im Apple Store gab es sogar ein Siel „Clone of the Blek“. Die Medien schrieben darüber und so bekamen wir zusätzliche Publizität. Natürlich haben wir in Österreich sofort ein Markenzeichen angemeldet und dann auch in der EU und den USA. Google und App Store haben die Klone hinausgeworfen und der Verkauf ging gut. Bis heute wurden etwa 1,5 Millionen Kopien von Blek verkauft und mein Bruder und ich sind mehr als zufrieden“, ist Denis ehrlich.

Der gigantische Erfolg des Spiels Blek brachte auch zahlreiche neue Verpflichtungen mit sich. Unter anderem musste die neugegründete Firma funktionell organisiert werden und bei der Arbeitsteilung fielen Denis die Kommunikation mit der Öffentlichkeit, das Marketing und die Verwaltung zu. Davor ist für die kreative Arbeit und das Programmieren zuständig. Das kreative Team hat bereits Gespräche über Ideen für ein neues Spiel aufgenommen. Zu mindestens kennen die Brüder Mikan den Weg zur Spitze jetzt genau, denn sie haben gezeigt, dass sie dahin meistern können.

Vera Marjanović / KOSMO

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