KOMMENTAR 06.03.2015

Bildung: Endlos-Hickhack statt Jahrhundert-Reform

© zVg
Es tagt wieder eine Reformgruppe der Bundesregierung, es geht wieder um die Bildung in Österreich. Niemand kennt sich mehr aus, alle sind frustriert. Wie lange noch?


Vor einigen Tagen bekamen wir es schwarz auf weiß: Das Projekt Neue Mittelschule gewährleistet im Großen und Ganzen keine entscheidenden Verbesserungen im Vergleich zur Hauptschule. Nur an Standorten, an denen sich Lehrerinnen und Lehrer besonders viel engagieren, sieht man positive Ergebnisse. Lediglich im Bereich der Schulgewalt hat sich die Situation zum Besseren gewandt. Schadenfreude über dieses vernichtende Erstergebnis des SPÖ-Herzensprojekts ist bei der ÖVP bemerkbar. ÖVP-Klubobmann Reinhold Lopatka denkt, dass man ein Projekt wie Neue Mittelschule nicht „kramphaft“ fortsetzen solle, wenn es schon keine positiven Ergebnisse bringe.

Die ideologischen Gräben zwischen Rot und Schwarz in Sachen Bildungsreform werden also fortgesetzt. Für die einfachen Bürgerinnen und Bürger ist dies mittlerweile ein unerträglicher Zustand, denn über eine Bildungsreform spricht man in diesem Land seit Jahrzehnten. Unzählige Reformgruppen, Expertenteams, Pilotprojekte... Nun weiß man nicht so genau, ob man die Lehrerinnen und Lehrer „verländern“ oder auf der Bundesebene zentralisieren soll. Reden wir dann doch lieber über die Schulautonomie. Die Gewerkschaften haben dabei sowieso eine komplett andere Meinung.

Ideologie statt Zukunft


In dieser regelrechten politischen Bildungsqual bleibt eines klar: Den wahren Opfern des Schulsystems – Kindern aus bildungsfernen Schichten und benachteiligten sozialen Milieus – nutzen diese endlosen Diskussionen und Reformversuche gar nichts. Sie haben weiterhin nicht die gleichen Bildungschancen: Schlechte Berufsperspektiven und eine häufige Arbeitslosigkeit sind dann die übliche Folge. Auch nach 300 Millionen Euro Investitionen in die Neue Mittelschule gibt es kaum AHS-Schulen in Österreich, die mitmachen wollen. Dies ist aber kein vernichtendes Urteil für ein Schulmodell, sondern ausschließlich für die Großkoalition, der nach einem jahrzehntelangem Hickhack um die Bildungsreform die Ideologie immer noch wichtiger ist als Zukunft dieses Landes.

Nedad Memić / KOSMO

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