ASYL 03.02.2014

Berlinale-Preisträger kurz vor Abschiebung

© zVg.
Vor einem Jahr gewann Nazif Mujić den silbernen Bären für die beste Hauptrolle auf der Berlinale. Heute kämpft er als Asylwerber um ein Bleiberecht in Deutschland.


Für seine Rolle im Film „Aus dem Leben eines Schrottsammlers“ („Epizoda u životu berača željeza") des Regisseurs Danis Tanović wurde Nazif Mujić im vergangenen Jahr beim wichtigsten Filmfestival Deutschlands ausgezeichnet. Heute lebt der aus Bosnien-Herzegowina stammende Roma mit seiner Familie in einem 35 Quadratmeter großen Zimmer in Berlin. Am 9. März läuft seine Aufnahmegenehmigung ab. Da Bosnien-Herzegowina als „sicherer Drittstaat“ angesehen wird, müssen er und seine Familie dann das Land verlassen. Der Fall des 43-Jährigen und seiner Familie löste eine Welle des Mitgefühls aus. Zahlreiche Medien berichteten bereits über den Kampf der Familie für ein Bleiberecht.

Institutionelle Diskriminierung der Roma


Neben der wirtschaftlichen Benachteiligung, die Mujić nach Deutschland trieb, sind Roma in seiner Heimat Bosnien-Herzegowina auch politisch schlechter gestellt. Wenzel Michalski, Deutschlandchef von Human Rights Watch, sieht eine grundlegende institutionelle Diskriminierung in Bosnien-Herzegowina. „In Bosnien gibt es eine Verfassung, die besagt, dass Roma und Juden sich nicht für politische Ämter bewerben dürfen“, erklärte Wenzel in den Medien.

Tatsächlich dürfen nur Angehörige der bosniakischen, kroatischen und serbischen Volksgruppe für das Präsidium in Bosnien-Herzegowina kandidieren. Eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, die als Fall Sejdić-Finci bekannt wurde, hatte diese Gesetzgebung bereits 2009 als rechtswidrig verurteilt. Eine Änderung wurde bisher nicht vorgenommen.

KOSMO-Redaktion

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