SATIRE 04.03.2014

Barbara´s World – Invasion vom Balkan

© zVg.
Der Autor und KOSMO-Redakteur Uroš Miloradović schreibt „Geschichten aus dem kurzsichtigen Winkel“:


Einst saß Barbara Rett im Park und fütterte die Tauben. Die Brotstücke warf sie mit ihrer rechten Hand, mit der sie schon seit Jahrzenten mit unnachahmlicher Professionalität ihren Gesprächspartnern das Mikrofon ins Gesicht rammte – mit langen, ausladenden Bewegung – gleich dem „Sämann“ von Millet.  

Nachdem sie die gefiederten Freunde versorgt hatte, setzte sie sich auf eine Bank, um zu Atem zu kommen. Da fiel ihr Blick auf eine fröhliche Kinderschar und ihr unbeschwertes Spiel. Und sie schaute die Kleinen mit jener Milde an, welche alle guten Menschen bei so einem Anblick erfüllt – die Milde, die natürlich immer der eigenen Person gewidmet ist. Im Sinne von: „Was für eine seelenvolle und selbstlose Persönlichkeit ich doch bin, zu welch schönen Gefühlen fähig“. Oder: „Wie großmütig ich doch bin – ich könnte all die Kleinen wie Ungeziefer ausmerzen, wenn ich nur wollte, weil sie so klein sind, und ich so groß – aber ich will nicht. Ich bin so kultiviert und super!“

Ein bisschen kam sie an jenem Tag auch schon ins Schwärmen über den Prunk der kommenden Ballsaison, von der sie natürlich berichten würde, als sich plötzlich ein leises Unbehagen in ihre Seele schlich. Während sie missmutig die Brotkrumen von ihrem Rock wischte, wurde Barbara klar, dass unter den vermeintlich naiven Kinderchen einige falsch kontrastierte Exemplare dabei waren und dass, oh Graus, diese untereinander in einer misstönenden und primitiven balkanischen Sprache verkehrten. Der Gedanke, dass diese Kleinen heranwachsen würden, um eines Tages die Opernhäuser des Landes zu infiltrieren, möglicherweise sogar auf dem Ballparket zu tanzen, ließ Panik in ihr aufsteigen.

Als gebildete und kultivierte Frau, eine Frau von Welt, wurden ihr die Zusammenhänge sofort klar: Irgendjemand klaute österreichische Kinder, um sie unbemerkt mit diesen balkanesischen hier zu vertauschen. Barbara hatte schon vor langer Zeit eine ausgezeichnete Doku über das Thema gesehen: Invasion Of The Body Snatchers. Damals waren es die Außerirdischen, jetzt sind es die Balkanesen, aber das spielte keine Rolle – der Modus Operandi war derselbe.   
 
Entschlossen etwas dagegen zu unternehmen, verließ Barbara fluchtartig den Park und stürmte auf die Straße. Ungestüm sprach sie die Passanten an, schüttelte sie und schrie ihnen ins Gesicht: „Er ist hier! Der Balkan ist unter uns!“ Doch die Passanten senkten nur verschämt die Blicke, wie Mittäter bei einer Untat, und gingen schweigend davon.

Und dann begegnete Barbara Gott. Und Gott sprach zu ihr: „Du bist eine kultivierte Frau, Barbara. Und echt super!“ Barbara hörte es sehr gern, dass der Herrgott ihre Meinung über sich selbst teilte, obwohl er für ihrem Geschmack ein bisschen zu schnell zum „Du“ übergegangen war.

„Sieh“, sprach Gott weiter, „zu viel von diesem Balkan hat sich hier eingeschlichen. Auch international redet man davon, besonders unter diesen Dänen. Die lachen über uns.“ (Gott ist einer der Unsern – ich wusste es!“, schoss ein begeisterter innerer Monolog durch Barbara Retts Kopf.) „Du musst auf diese Angriffe antworten – und das am besten live auf Sendung, verstehst du? Du wirst sagen, dass wir das mit dem Balkan nicht sehr gern hören. Und dann wirst du umgehend das Gespräch mit diesem pompösen und aufdringlichen Glatzkopf beenden und wirst dich, mädchenhaft frech und flink, deinen anderen Gesprächspartnern zuwenden – der Kriegerfrau mit der Frisur aus den Mad-Max-Filmen. Sprich ein bisschen mit ihr, nichts Bestimmtes, nur so…“

„Das werde ich“, versprach Barbara dem Herrn und nickte bekräftigend.

Eine Gewinnfrage für alle Balkanesen in Österreich und alle, die sich als solche fühlen: Zahlen Sie künftig den Lohn von Barbara Rett?

Uroš Miloradović / KOSMO


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