SOMMERAKADEMIE 28.08.2014

Balkanstudenten in Wien: "Österreich ist ein tolles Land!"

Im Rahmen einer dreiwöchigen Sommerakademie, die die Kroatische Kulturvereinigung „Napredak“ bereits zum 16. Mal in Wien organisiert, lernen junge Leute aus Bosnien, Serbien und Kroatien Deutsch.

August ist Ferienzeit an den Schulen und Universitäten, aber nicht für StudentInnen vom Balkan: Vom 3. bis zum 23. August sind sie jedes Jahr im Studentenheim „ÖJAB-Haus Niederösterreich 1“, besuchen dort einen Intensivkurs der deutschen Sprache, besichtigen die Stadt und lernen die österreichische Kultur kennen.

Die Stadt kennenlernen

„Ich freue mich sehr, dass wir mit Hilfe von Sponsoren unser elementares Ziel verfolgen können: in die Ausbildung zukünftiger AkademikerInnen zu investieren und ein Angebot vor allem für diejenigen zu schaffen, die planen, hier zu studieren“, sagt Filip Zloušić, der Vorsitzende von „Napredak“. Er fügt hinzu, dass man versucht, den Jugendlichen vom Balkan neben dem Sprachunterricht auch Wien unter verschiedenen Aspekten zu zeigen – von den Sehenswürdigkeiten bis hin zu wichtigen gesellschaftlichen und politischen Institutionen. Das Programm der Akademie umfasst die Unterkunft, den intensiven Deutschkurs und die Besichtigung der österreichischen Hauptstadt. Willkommen sind Jugendliche aus Bosnien, Serbien und Kroatien, wobei jedoch die Studenten aus Bosnien-Herzegowina bereits seit Jahren dominieren.

„Die Organisation ist hervorragend – sowohl um die Sprache zu lernen als auch um die Stadt und die Kultur kennenzulernen“, sagt Janja Konjevod, eine Kroatin unter den 43 TeilnehmerInnen der diesjährigen Akademie. Ihre Meinung bestätigt auch Filip Kuzman, ein Student aus Bosnien-Herzegowina, der bereits zum zweiten Mal die Akademie besucht. Er wollte auch diese Ferien möglichst sinnvoll nutzen, um sein Deutsch zu verbessern und Wien kennenzulernen, da er sich in dieser Stadt für das Jus-Studium einschreiben will.

 „Ćevapi besser als das Wiener Schnitzel“

Dass Deutschkenntnisse heute ein großes Plus sind, bestätigt auch Marko Vuković, der derzeit in Amerika Biochemie studiert. „Englisch reicht mir nicht, um alle weltweiten Entwicklungen zu verfolgen, und das ist das, was ich will. Ich finde auch, dass die Master-Programme hier besser und günstiger sind als in Amerika. Darum werde ich vielleicht in Wien weiterstudieren. Österreich ist ein tolles Land“, verrät dieser junge Weltmann. Alle TeilnehmerInnen sind beeindruckt, wie ordentlich und sauber Wien ist und wie gut die Infrastruktur die Teile dieser Multi-Kulti-Stadt miteinander verbindet. Nur das Essen, so sagen sie alle lachend, ist am Balkan besser und die Ćevapi liegen klar vor dem Wiener Schnitzel!

 „Ein Lehrer ist nie zufrieden“

Auch wenn der erfahrene Deutschlehrer Thomas W. Bauer sagt, dass ein Lehrer nie zufrieden ist, ist der Pädagoge doch sehr erfreut über die Fortschritte der TeilnehmerInnen an seinem Intensivkurs. Zum 13. Mal unterrichtet er bereits an der Sommerakademie. Er erklärt seinen TeilnehmerInnen die Grammatikregeln, die sie dann in der Konversation gemeinsam weiter üben. Aber hat er auch etwas von ihnen gelernt? „Außer einigen Ausdrücken, die ich gelernt habe, finde ich es interessant zu hören, wie Menschen vom Balkan uns Österreicher sehen – als kalt. Und es ist auch interessant zu diskutieren, warum sie uns so erleben“, erklärt der Lehrer.

Aber wie können diese jungen Leute ihr Deutsch nach der Rückkehr in ihre Heimat weiter pflegen, um es nicht zu vergessen? „Auch wenn es langweilig ist, muss man den Stoff regelmäßig wiederholen. Am besten bleibt man immer im Kontakt mit der Sprache – schaut Filme, liest oder korrespondiert mit jemandem z.B. auf Facebook. Meiner Erfahrung nach sind das die besten Methoden. Und das findet auch meine Frau, die Polin ist und ihr Deutsch so zur Perfektion gebracht hat“, verrät Herr Bauer.

Sandra Radovanović / KOSMO-Redaktion

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