MUSIK 09.12.2013

Die musikalische Balkanmischung

© zVg.
Nataša Mirković ist eine Größe im Bereich des Ethno-Jazz mit Balkan-Einflüssen. KOSMO traf die Musikerin zum Interview.


KOSMO: Deine Biografie ist wie aus einem Film: Ein Mädchen aus Bosnien kommt als Schauspielerin und talentierte Sängerin nach Österreich und macht international Karriere?

Nataša Mirković: Ich bin in Zenica und Sarajevo aufgewachsen. Meine Kindheit war schön, fast immer lustig, mit viel Gesang und Musik. In Sarajevo habe ich alle unsere Musikschulen abgeschlossen... Bis zum Krieg war ich allerdings am liebsten mit den Roma aus der Nachbarschaft zusammen, ich hatte auch schöne Freundschaften, die zum Glück bis heute bestehen. Wir haben manchmal am Morgen vor dem Unterricht auf dem Schulkorridor gespielt und in der Pause in irgendeinem Cafe in der Nähe, und manchmal haben wir auch den ganzen Nachmittag mit Gitarren  und Harmonika am Trebević verbracht. Der Krieg hat mich inmitten all dieser Schönheit getroffen, wie so viele andere auch.

Du singst Sevdalinkas und alte, originale Lieder. Wo hast du die aufgetrieben?

 
Ich suche mir die Lieder vor allem nach ihren Geschichten aus, die sie mir erzählen, wenn ich die Aufnahmen irgendeines Bauernliedes oder Ähnliches höre. Mich fasziniert die Tradition des Balkan, wie reich die musikalischen Erfahrungen und das Brauchtum sind, zum Beispiel bei Hochzeiten, Geburtstagen oder Todesfällen im Volk. Einige dieser Melodien bleiben sozusagen mit mir auf der Bühne.

Welche Musik hörst du privat?

Im Moment höre ich gerade die letzte CD von Marie Campbell. Eine phänomenale musikalische Lebensgeschichte in 12 Kompositionen. Ich höre auch gerne Emina Zečaj, Sejo Pitić, unsere alten Sevdah-Künstler. Manchmal entspanne ich mich bei der Musik von Rokia Traore, bei afrikanischer und brasilianischer Musik. Oft höre ich bulgarische Volksmusik oder auch Sting, und es gibt auch Ausflüge in Richtung Jazz-Musik. Das entspannt mich.

Kannst du Ajvar machen und wie kommt er in den Titel deines Albums?

Natürlich! Ajvar haben wir in Sarajevo jedes Jahr gemacht, regelmäßig! Der Albumtitel ist mir spontan gekommen. Irgendwie ist Ajvar mein Lieblingsgeschmack, und Matthias mag Polenta, Sterz, und so ist auch das Album geworden. Jeder hat ein Lied dazugegeben, das ihm am Herzen lag. Und irgendwie ist das der musikalische Versuch einer Balkanesin, sich an Österreich anzunähern, und umgekehrt.

Kannst du von der künstlerischen Ethnojazz-Musik leben?

Von der Musik kann man leben. Seelisch immer. Schwer oder leicht, das kommt drauf an... Manchmal schwerer, manchmal leichter, aber meistens geht''s. Wenn ich Mainstream-Pop singen würde, könnte ich finanziell wahrscheinlich hervorragend leben. Aber im Moment reicht mir das, was ich habe.

Interview: Zoran Radojković Pile / KOSMO


www.mirkovic-dero.com


Auftritte von Nataša Mirković und Matthias Loibner (Duo Ajvar & Sterz)

12.12.2013: Theater Nestroyhof, Wien: Winterreise

21.12.2013: Cafe 7Stern, Wien: Mit Nenad Vasilić "The Art Of The Duo"

27.12.2013: Porgy & Bess, Wien: Nataša Mirković & Matthias Loibner Wien

29.01.2014 Akzenttheater mit Janoska Ensemble, Sandra Pres, Mario Berger, Mitke Sarlandžiev

Mehr zum Thema:
Interview: Matilda Leko - Turbofolkfreie Zone
Interview: Nenad Vasilić - Der Balkan-Rhytmus im Blut

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe als PDF zum Nachlesen

COVER STORY:
Österreichs Beschützer
INTERVIEW:
Rap-Legende Juice
REPORTAGE:
Teure Geburstage

Zusendung

Lassen Sie sich KOSMO bequem nach Hause zusenden! Versandkostenbeitrag nur 11,- EUR (10 Ausgaben).
Zum Bestellformular

Facebook