BLOG 07.05.2015

Balkanci feiern anders - 5 Tipps für die Balkan-Party

© istockphoto.com
Unser Kollege Manuel (Maki) Bahrer ist seit über zehn Jahren in der Wiener Balkan-Szene unterwegs. Er gibt uns 5 Tipps, was man vor allem als Österreicher wissen muss, um in der Ottakringer Straße dazu zu gehören.


Das Nachtleben der ex-jugoslawischen Community in Wien ist wohl eine der bestbesuchten Szenen. Vor allem die berühmte OTK, die Ottakringer Straße, ist die beliebteste Fortgehmeile der Wiener Balkanjugend. Diese Fülle an Lokalen ist für einige Österreicher ziemlich undurchsichtig, aber eines ist ganz klar: Die Balkanci feiern härter, lauter, „flüssiger“ und emotionaler als wir Österreicher. Da ich nun selbst mehr als zehn Jahre in der Jugoszene unterwegs bin, möchte ich meinen Švabos einen kleinen Einblick und die „Dos and Don’ts“ der Balkanpartys geben, mit welchen diese auf jeden Fall ein Erfolg wird.

1. Zieh dein bestes Gewand an!

Der wohl erste Punkt, bevor man überhaupt zur Party aufbricht, ist das Aussehen. Wichtig ist es, zu wissen wohin einen die Jugofreunde entführen. Sollte es sich um eine „sedeljka u kafani“ (vergleichbar mit einem angenehmen Zusammensitzen im Pub) handeln, so kann man ruhig etwas legerer in die Nacht starten. Bei einem Diskobesuch sollte man schon das hübscheste Gewand aus dem Kleiderschrank hervorfischen. Für Männer bedeutet das elegante Schuhe, ein Hemd, vielleicht sogar Sakko und elegante Jeans – mit einem Wort mindestens „casual elegance“. Den Damen der Schöpfung ist alles erlaubt, solange es elegant, aufreizend und sexy ist. Aber Vorsicht: Als Dame sollte man es mit der Rockkürze und dem Ausschnitt nicht übertreiben – man möchte doch nicht als „laka riba“ (leichtes Mädchen) gelten.

2. „Jedi masno pre izlaska!“ – du wirst eine Unterlage brauchen!

Vielleicht noch wichtiger als die Outfitwahl ist es gut ausgeschlafen und gut genährt in die Nacht zu starten. Viele meiner Bekannten gaben mit den Tipp „Jedi masno pre izlaska!“ („Iss vorm Fortgehen fettig!“), um die Mengen an Schnaps und anderen harten Getränken besser durchstehen zu können - ein weiser Rat, der mir schon einige Partys und die Kater danach erleichtert hat.

3. „Ajde da napravimo rundu“ – Kennenlernen auf „Jugo“

Im Lokal angekommen wird erstmal eine Runde gemacht, um zu sehen, ob sich Bekannte auch ins Nachtleben gestürzt haben. Sollte dem so sein wird natürlich jeder ausführlich begrüßt und abgebusselt. Diese Runden durchs Lokal wiederholen sich im Laufe der Nacht stets aufs Neue, somit stellt euch auf viele Namen und neue Bekanntschaften ein. Sollte euch ein Freund auffordern „Ajde da napravimo rundu“ und ihr als reine Burschengruppe durch das Lokal streift, so hat das meist nicht den Zweck Freunde im Lokal zu treffen, sondern vielmehr das weibliche Publikum genauer in Augenschein zu nehmen.

4. „Živeli“ – sei spendierfreudig!

Endlich im Lokal „stationiert“, wird natürlich gleich mal bestellt. Aber Vorsicht! Bestelle als Švabo niemals nur ein Getränk für dich alleine, man möchte doch kein „stipsa“ (Geizhals) sein. Das Zauberwort im Jugolokal heißt „tura“, also Runden spendieren. Viele Fortgehgruppen legen auch gleich am Anfang der Nacht für eine Flasche Wodka oder Whiskey zusammen, dies erhöht die Chancen auf einen Tisch und erleichtert den ungestoppten Alkoholfluss in den gut gefüllten Lokalen. Ebenso wie das Bestellen für sich selbst ist das „individuelle Trinken“ auf jeden Fall ein Don‘t – viel besser ist es vor jedem Schluck mit seinen Freunden mit einem herzhaften „živeli“ oder „nazdravlje“ anzustoßen. Dies mag womöglich etwas umständlich erscheinen, allerdings hält man somit den Alkoholpegel und auch die Stimmung der gesamten Truppe auf ähnlichem Niveau.

5. „Ajmo kolo!“ – lerne tanzen!

Während in Kafanas das Schunkeln am Sessel, welches nach einer gewissen Alkoholmenge von ganz alleine kommt, und das gelegentliche Hände-in-die-Höhe-Strecken reicht, wird in den Jugodiskos ähnlich wie in den österreichischen Pendants getanzt. Eine Ausnahme sind hier nur die Folkloretänze und das, wie ich es nenne, das brüderliche und schwesterliche Gruppenkuscheln.

Zuerst zum Kolo: Solltet ihr euch zum ersten Mal dazu entschließen, euch ins Kologetümmel zu werfen, hier ein kleiner Tipp: Sucht euch einen Platz in der Mitte und versucht auf keinen Fall „kolovođa“ bzw. „kec“ zu sein, da ihr hierfür schon einiges an Übung braucht. Es ist prinzipiell auch keine Schande, sich ohne große Vorkenntnisse dem Reigen anzuschließen. Trotzdem lasst ihr euch am besten vor dem Fortgehen von euren Freunden die Grundschritte in einer Trockenübung zeigen. Für den Anfang reicht auf jeden Fall der Standardtanz „Užičko kolo“. Neben diesem wird in einigen Lokalen Wiens auch noch „Vlaško kolo“ getanzt, welchen ich allerdings erst fortgeschrittenen Kolotänzern empfehlen würde.

Ausklang: Emotionen und Pljeskavica für den Weg

Das Gruppenkuscheln, also das Tanzen Hand in Hand bzw. Arm in Arm ist zumeist in den späteren Nachstunden zu erwarten. Erstens da zu dieser Zeit oftmals emotionellere bzw. nostalgische Lieder gespielt werden und zweitens da die brüderliche und schwesterliche Liebe in Relation zum Alkoholpegel stets steigt. Daher seid nicht verwundert, wenn der sonst so machohafte Jugokumpel bei einem bestimmten Lied und nach einem „Pogodila me pesma, brate! Ovo je najskuplja!“ plötzlich in Tränen ausbricht, euch umarmt und abbusselt.

Mit diesen höchste emotionalen und nostalgischen Liedern, von manchen auch „žalopojke“ oder „sikter pesme“ bezeichnet, und gemeinschaftlichem Kuscheltänzen endet oftmals auch der Besuch in der Jugodiskothek. Solltet ihr euch auf der OTK befinden, so wird oftmals noch ein fettiger und schwerer „Snack“ in einem der Pljeskavica-Lokale zu sich genommen und der Heimweg, bzw. der Weg in den Kater am Morgen danach angetreten.

Manuel (Maki) Bahrer / KOSMO

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