REPORTAGE 03.11.2014

Automuseum Zagreb: Auf den Spuren der Pioniere

© Tomislav Rosandic
Die kroatische Hauptstadt Zagreb ist seit letztem Jahr um ein weiteres Museum reicher: Das Automuseum Ferdinand Budički lockt viele Besucher von Nah und Fern. Unser Reporter hat die einzigartige Oldtimer-Kollektion besucht.


Zagreb verzeichnet bereits seit Jahren steigende Zahlen ausländischer Besucher. Seit Kurzem bietet die kroatische Metropole ihren Gästen neben vielen anderen Attraktionen auch ein eigenes Museum, das sich der Geschichte des Automobils widmet. Das neue Museum wurde im Juli 2013 eröffnet und präsentiert eine Vielzahl alter Autos, Motor- und Fahrräder sowie auch zahlreiche bisher unbekannte Fotografien, die den Beginn der Motorisierung Zagrebs, Kroatiens, aber auch der ganzen Region Südosteuropas dokumentieren.

Hinter dem ambitionierten Projekt steht allem einer Gruppe von Enthusiasten rund um Valentin Valjak (39), einen leidenschaftlichen Oldtimer-Fan: „Ich habe beim Wissenschaftsministerium in der Abteilung für Verlagswesen gearbeitet. Dort habe ich gemerkt, dass wir kein einziges Buch und ein einziges schriftliches Werk über die Automobilisierung in Kroatien besitzen. Da war mir sofort klar, dass man das ändern musste“, sagt Valjak und erklärt, wie die Idee zur Gründung des Museums entstanden ist, das sich heute unweit des Stadtzentrums in der Straße Kneza Ljudevita Posavskog über 1.500 Quadratmeter erstreckt. Getragen von der Idee der Museumsgründung trat Valjak vor einigen Jahren in Kontakt mit den Enkeln von Ferdinand Budički, einem Kaufmann und Schlosser, der 1901 als erster mit einem Auto der Marke Opel nach Zagreb gekommen war.

Der Beginn der Motorisierung


Budičkis Ankunft mit dem ersten Automobil in Zagreb, das er zuvor in Wien gekauft hatte, gilt heute als Beginn der Motorisierung in Kroatien. Er rief nicht nur viele verwunderte Blicke hervor, als er mit dem großen und lauten Gefährt in dem ruhigen Städtchen am Rande der österreichisch-ungarischen Monarchie vorfuhr, sondern er befand sich 1906 auch unter den wichtigsten Mitbegründern des heutigen Kroatischen Automobilclubs. Er war es auch, der als erster in Kroatien die Führerscheinprüfung ablegte, um später auch der erste Fahrlehrer für die Reichen zu werden, die sich in der kroatischen Metropole ein Auto leisten konnten.

Man kann sagen, dass Budički ein Modernisierer Zagrebs war. Er war zu seiner Zeit nicht nur die beste Adresse für Fahrräder und Autos, sondern auch für Nähmaschinen, Grammophone und Ähnliches. „Außerdem durchquerte er als erster Europa und Nordafrika (17.323 Kilometer) mit einem Fahrrad, das er selbst konstruiert hatte. Er zeigte auch bei der Einführung der ersten Taxameter und der ersten innerstädtischen Autobusse Pioniergeist“, erklärt Valjak.

Fotografien der Enkel

Dieser Enthusiast traf sich vor einigen Jahren auch mit den Enkeln Budičkis, die zur Erforschung der Wurzeln und des Lebens ihres Großvaters aus England und Schweden nach Zagreb gekommen waren. „Als ich schon dachte, dass es für meine Forschungen kein weiteres Material mehr gäbe, brachten sie mir etwa 40 Fotografien die 100 Jahre alt waren mit nach Zagreb. Und diese Fotografien erzählen heute im Museum von dieser aufregenden Zeit“, sagt Valjak. Als er genügend Material zusammengetragen hatte, schrieb Valjak seine Monographie „Bešte, ljudi – ide auto“ („Achtung, da kommt ein Auto“), deren gesamten Erlös er in das Museum steckte.

„Nach dem Buch war mir klar, dass ich auch ein Museum gründen wollte. Ich kündigte meine Stelle beim Ministerium, obwohl alle mir sagten, dass es verrückt sei. Ja, und diese Verrücktheit sehen Sie jetzt vor sich“, sagt Valjak und zeigt auf seine vielen wertvollen Exponate. Außer einem Ford T von 1922, dem Highlight der gesamten Ausstellung, kann man hier Autos aus verschiedenen Epochen besichtigen: angefangen vom Mini Morris über den Velorex Oskar, einen Triumph Spitfire, einen Volkswagen Karmann Ghia bis zu den Stars der einstigen jugoslawischen Automobilindustrie. Neben den Autos, die in Kragujevac produziert wurden, darunter auch einem Fićo im Schachbrettdesign, gibt es hier auch einige Oldtimer mit einer besonderen Geschichte.

Sanaders Renault im Museum

So steht hier ein Modell, das vor allem für die kroatische Öffentlichkeit wahrscheinlich von besonderem Interesse ist, nämlich der Renault 8 aus dem Jahre 1967, der einst dem mittlerweile verurteilten ehemaligen kroatischen Premierminister Ivo Sanader gehörte. Sanader hatte ihn mehrfach in seinem Vermögensverzeichnis angeführt, und zwar als einziges Auto, obwohl er normalerweise mit einem anderen, weitaus teureren Modell vorfuhr. Gleichzeitig gab er in dem Verzeichnis jemals weder seine millionenschwere Kunstsammlung an noch das Bankkonto in Österreich, das im Fall der Fimi Media eine Rolle spielte.

„Das Auto stand auf der Straße und tat uns leid. Darum kauften wir es und hier passt es natürlich hervorragend hinein. Manchmal sagen wir im Scherz, dass man es uns wegen Sanaders Straftaten irgendwann noch wegnehmen wird“, sagt Valjak lachend.

Die meisten Autos, die im Museum ausgestellt sind, sind Leihgaben unterschiedlicher Sammler. „Ohne ihre Unterstützung wäre das nicht möglich“, erklärt Valjak, der es mit seinem Team schaffte, rechtzeitig zur Nacht der Museen in Zagreb, das Muesum zu eröffnen. In dieser Nacht kamen mehrere Fernsehstationen und 10.000 Besucher in das Museum. „Sogar Präsident Ivo Josipović war da, und dabei war es in dieser Nacht 8 Grad Celsius kalt”, erzählt Valjak stolz. Niemand hätte geglaubt, dass wir das schaffen. Und jetzt kommen Besucher von überall her“, fügt er hinzu.

Kinder-Workshops


Einen besonderen Fokus legt das Museum Ferdinand Budički auch auf Kinder, für die hier eigene Workshops angeboten werden.

“Wir wollen den Kindern, für die Technik heute eigentlich etwas ganz Selbstverständliches ist, zeigen, dass das früher einmal anders war. Das zeigen wir nicht nur anhand von Autos, sondern wir haben auch alte Rechner wie zum Beispiel einen Commodore und einen alten Nintendo ausgestellt… einfach, damit sie ein Gefühl dafür bekommen, dass es auch vor der Playstation und der Xbox schon etwas gab“, schließt Valjak.

Petar Rosandic / KOSMO

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