INTERVIEW 14.04.2014

Auf dem Weg in die neue Heimat

© Igor Grbic
Wir sprachen mit Jelena Milenović, die mit ihrer Firma PRESUP Professional Expat Support einen innovativen Service anbietet: Sie betreut Menschen bei ihren ersten Schritten in der neuen Heimat.


Jelena Milenović und Julia Mende bieten mit ihrem Unternehmen PRESUP Professional Expat Support professionell Unterstützung beim Zuzug nach Österreich – von der Wohnungssuche bis zu den Behördenwegen kümmern sie sich um alles, was ein Expat in der neuen Heimat braucht.

KOSMO: Was ist der Unterschied zwischen Expat und Migrant?

Jelena Milenović: Das Wort Expat ist die Abkürzung des Wortes Expatriate und stammt aus dem Lateinischen -  „ex“ steht für aus und „patria“ für Vaterland. Der Expat verlässt seine Heimat, geht für eine bestimmte Zeit wegen des Berufes ins Ausland und kehrt danach meist in die ursprüngliche Heimat zurück. Dieser Ausdruck wird im beruflichen Kontext für hochqualifizierte Schlüsselkräfte benutzt. Ein Migrant hingegen verlässt meist aus sozialen oder wirtschaftlichen  Gründen seine Heimat und lässt sich in einem neuen Land permanent nieder. Wir betreuen in erster Linie Expats, einigen gefällt es aber in Wien so gut, dass sie beschließen zu bleiben.

Ihre Kollegin Julia Mende und Sie haben das Unternehmen PRESUP Professional Expat Support  im Juni 2013 gegründet. Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen?

Sowohl meine Geschäftspartnerin, Julia Mende als auch ich haben viel Erfahrung mit Auslandsaufenthalten und wissen, wie schwer es sein kann, ohne entsprechende Unterstützung in einem neuen Land Fuß zu fassen. Außerdem waren wir immer die Schnittstelle im Bekannten- und Freundeskreis, wenn es darum ging, den richtigen Ansprechpartner zu finden, wenn man neu nach Wien kommt. Julias Großeltern waren als Expats unter anderem in Brasilien, Spanien, Frankreich und England und ihr Vater ist seit 15 Jahren Expat in Peking. Ich bin im Alter von neun Jahren, wegen des Berufes meiner Mutter, mit meiner Familie von Belgrad nach Wien gezogen. Somit weiß ich, was es bedeutet, das Kind eines Expats zu sein.

Ihr Migrationshintergrund qualifiziert Sie besonders für Ihren Job – ist die eigene Erfahrung eine Bedingung für so eine Arbeit?

Ich denke nicht, dass es unbedingt erforderlich ist, eine andere Abstammung zu haben, um sich in die Migrationsthematik hineinversetzen zu können. Es geht darum, wie offen man für Neues ist und wie weit das eigene Spektrum reicht.

Was sollte man beachten wenn man ins Ausland ziehen möchte?

Es ist wichtig, sich vorab ein Bild über die neue Heimat zu machen, über die Kultur, aber auch das Klima und die allgemeinen Gegebenheiten. Sofern die Familie den Expat nach Österreich begleitet, sehe ich es als einen wichtigen Punkt, darüber zu sprechen, was auf alle Beteiligten durch diese Umstellung zukommt.

Sie selbst sind Alter von neun Jahren gemeinsam mit Ihrer Mutter aus Belgrad nach Wien gezogen. Können Sie sich an Ihre ersten Tag in Wien erinnern?

Das werde ich nie vergessen. Es war der 25. August 1989. Für mich war es ein Schock – die vielen Touristen, die Masse von Menschen und die neue Stadt… Ich wurde nach nur zehn Tagen in Wien in die dritte Klasse Volksschule eingeschult. Aber das Schlimmste war: ich habe nichts verstanden. Dadurch, dass meine Mutter mehrsprachig ist und großen Wert auf gepflegte Sprache legt, war es mir möglich, sowohl innerhalb kurzer Zeit Deutsch zu lernen als auch Serbisch weiterhin so zu sprechen wie ich es gewohnt war. Und Deutsch war nie wieder ein Thema. (lacht)

Interview: Sandra Radovanović / KOSMO

Im Web:
www.presup.at

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