INTERVIEW 21.01.2014

Amira Medunjanin: „Sevdah ist tiefste Emotion“

© Igor Ripak / Futurebag
Eine der schönsten Stimmen des zeitgenössischen Sevdah, der bosnischen traditionellen Liebeslyrik, Amira Medunjanin hat zum zweiten Mal Wien besucht. KOSMO sprach mit der Sängerin vor ihrem Konzert für den wohltätigen Verein Futurebag.


Für die humanitäre Organisation Futurebag – Eine Tasche für die Zukunft gab Amira Medunjanin vergangene Woche ein Benefizkonzert für bedürftige Kinder. Die aus Sarajevo stammende ehemalige Ökonomin wird in allen Medien mit Billie Holiday oder Cesaria Evora verglichen. Ihre Konzerte reihen sich von Indien bis nach England.


KOSMO: Was bedeutet Sevdah für dich?

Amira Medunjanin: Das ist für mich eine Art des Lebens. All das, was mich durch das Leben geführt hat und mich dazu brachte ein guter Mensch zu sein. Eine unkomplizierte Philosophie. Die Sevdalinka beschreibt tiefste Emotionen und wirkliche Lebenssituationen. Sie sendet Botschaften aus, welche – wenn man sie richtig interpretiert – auch ein guter Wegweiser im Leben sein können.

Wann hast du begonnen, dich mit Gesang zu befassen?

Vor ungefähr sechs Jahren begann ich professionell, diesen Beruf auszuüben, aber ich erforschte schon mein ganzes Leben lang die Musik, insbesondere den traditionellen Gesang des Balkanraums.

Du hast auch mit Künstlern aus Armenien oder der Türkei zusammengewirkt?

In London habe ich mit dem armenischen Künstler Tigran Alesanyan eine Perfomance in der St. Paul''s Cathedral gemacht. Wir haben das mazedonische Lied „Zajdi, zajdi“ interpretiert, während er mich am Duduk, einem armenischen Blasinstrument begleitet hat. Es war unbeschreiblich, nicht nur wegen der Akustik. Damals waren wir die ersten Künstler, die in der größten Kathedrale Englands auftreten durften.

Du hattest auch eine andere Aufgabe in London während der olympischen Spiele gehabt?

Ich durfte für die Festivitäten während der Spiele mit Nenad Vasilić das Team von zehn Musikern aus dem Balkanraum leiten. Wir hatten einen sehr bewegenden Auftritt unter dem Namen „River of Music“ auf dem Trafalgar Square vor Tausenden von Menschen.

Deine Reise durch verschiedene Welten der Musikdarstellung führte dich weiter zu Jordi Savall, dem katalonischen Gambisten, eine kühne Entscheidung?

Es passierte eigentlich auf Anweisung des türkischen Künstlers Yordal Tokcan, der das türkische Saiteninstrument Ud spielt und mit dem ich in London zusammenarbeite. Jordi Savall brauchte eine Vokalistin für sein im Dezember erschienenes Album „Bal Kan“, welches wir in einem Kloster nahe Barcelona aufgenommen haben.

Hast du dabei eine Ähnlichkeit der katalanischen und bosnischen Musik erkannt?

Die Sensibilität und die Darstellungsweise sind ziemlich ähnlich.

Von Spanien wieder zurück nach Wien, seit wann wirkst du mit Futurebag und ihrem Gründer Kemal Smajić zusammen?

Das erste Mal arbeiteten wir vor zwei Jahren zusammen. Es war ein Konzert in der Wiener Urania. Und die Spendengelder, die wir für das Schulmaterial für bedürftige Kinder in Bosnien-Herzegowina sammelten, waren sofort da. Vor allem ist mir sehr wichtig, dass es Menschen gibt, die neben ihren eigenen Verpflichtungen die Zeit finden, sich für andere Menschen einzusetzen.


Interview: Josip Andrejevski / KOSMO


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