KOMMENTAR 04.06.2014

Amfilohije´s World

© zVg.
Der Autor und KOSMO-Redakteur Uroš Miloradović schreibt „Geschichten aus dem kurzsichtigen Winkel“:


Der Erzbischof der Serbischen-Orthodoxen Kirche Amfilohije Risto Radović hat vor kurzem, man höre und staune, Conchita Wurst für die Überflutungen in Balkan verantwortlich gemacht. Außerdem hat Herr Radović auch bekanntgegeben, dass die verlorenen Menschenleben, die überschwemmten Häuser, das ertränkte Vieh und die großen materiellen Verluste ein Zeichen seien, dass Gott (der, selbstverständlich, in dieser Denkschule nur ein orthodoxer Gott sein kann) die Serben liebe, und dass er sie damit auf den Weg der Rechtschaffenheit bringe.

Amfilohijes Überzeugungen über göttliche Zuneigung sind wahrlich bizarr: Wer geliebt wird, der wird gedroschen – und am besten zum Tod. Man würde denken, dass der Tod jeden potenziellen Raum für Besserung und Weiterentwicklung verschließt, aber nicht gemäß dieser besonderen Logik, derer Vertreter auch unser Erzbischof ist.

Zudem, ist es nicht ganz verständlich, warum Gott, wenn er die Serben schon so sehr liebt, die Demonstration seiner Zuneigung nicht auf dieses Land begrenzt hat, sondern bei der Gelegenheit auch so viel Kummer über Kroatien und Bosnien-Herzegowina gebracht hat (und zwar nicht nur die Republika Srpska, sondern auch den „Ungläubigen“ im Landesteil der Föderation Bosnien-Herzegowina)? 

Kompliziert wird es auch bei den Unterschieden zwischen arm und reich: Einer, der nur eine Einzimmerwohnung verloren hat, liegt in dieser Deutung weniger in Gottes Gnade als einer, der eine Zweizimmerwohnung verloren hat. Kleinere Wohnflache bedeutet hier weniger Gottesliebe. Du hast nur ein Auto? Nur ein Hornvieh? Nur eine Lampe? Nur ein einstöckiges Haus verloren? Nicht schlecht, aber du könntest sicher Besseres leisten! Bei dieser Logik schneiden die Reichen besser ab als die Ärmere. 

Der Erzbischof sollte vielleicht zu den Betroffenen gehen, die noch in Flüchtlingslagern und unter freiem Himmel leben, und ihnen die Einzelheiten seiner Theorie über Gottesliebe erklären. Und vielleicht sollte er versuchen, ihnen klar zu machen, wie Conchita, die der Mehrheit dieser Leute ganz unbekannt geblieben ist, die Hochwasserkatastrophe verursacht hat. Vielleich würde ihn dann jemand fragen, wie sehr denn Gott ihn liebt, wenn doch seine eigenen Patschen und sein Bart trocken geblieben sind. 

Uroš Miloradović / KOSMO

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