ESC IM RÜCKBLICK 06.05.2015

Als Jugoslawien den Song Contest gewann

Im Jahre 1989, kurz vor dem Zerfall Jugoslawiens, gewann die kroatische Band Riva den Eurovision Song Contest mit dem schnellen Tanzlied „Rock me, baby!“. Jugoslawien war der einzige sozialistische Staat, der seit den frühen 1960er Jahren am ESC teilnahm. Wir lassen die jugoslawischen Auftritte Revue passieren…


Es ist der 6. Mai 1989. Es ist Eurovision Song Contest in Lausanne, Schweiz. Insgesamt 22 Staaten nehmen teil. Und der Gewinner ist... Jugoslawien! Es war der erste und der einzige Sieg der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien im Song Contest. Die Gruppe Riva mit zappeligem Song „Rock me, Baby“ machte Jugoslawien zum Gastgeber der Eurovision 1990 in Zagreb. Wir haben uns die Highlights des ehemaligen Jugoslawien und seiner Nachfolgestaaten genauer angesehen. Wer komplett in die Nostalgie verfallen möchte, sollte die (aus heutiger Sicht ziemlich amüsanten) Original-Videos am Ende des Beitrags anklicken...

„Genosse Tito, wir singen für dich“


Jugoslawien nahm insgesamt 26 Mal am Eurovision Song Contest teil. Vertreten wurde das Land von Künstlerinnen und Künstlern aus fünf der damaligen sechs Teilrepubliken der Föderation. Ihre Vertreter waren aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Montenegro, Serbien und Slowenien – nur Mazedonien hatte keine Vertreter.

In einem nationalen Wettbewerb mit dem Titel „Jugovizija“ wurden die Künstler ausgesucht. Die erfolgreichsten stammten aus Kroatien – sie gewannen 12 Mal von insgesamt 27 ausgetragenen Jugovizijas. Abgestimmt wurde pro Staat. Jeder Staat hat 10 Mitglieder der Jury und sie vergaben Punkte für ihre Favoriten.  

Oft knapp daneben

Die Ehre der ersten Teilnahme Jugoslawiens beim Song Contest hatte die junge Sängerin Ljiljana Petrović. Beim Song Contest 1961 in Cannes schaffte sie mit ihrem Lied „Neke davne zvezde“ immerhin den achten Platz.

Auf dem noch beachtlicheren vierten Platz landeten Lola Novaković (1962 mit dem Lied „Ne pali svetlo u sumraku“), Daniel Popović (1983 mit dem Hit „Džuli“) und die Gruppe Novi Fosili, die 1987 mit „Ja sam za ples“ in Brüssel antraten. Die Gruppe Srebrna Krila schafften in 1988 Dublin nochmal den sechsten Platz. Und dann kam der denkwürdige 6. Mai 1989, als Riva die ganze Welt überraschte und das Song-Contest-Publikum für sich eroberte.

Postjugoslawische Triumphe

Jugoslawien zerfiel wenige Jahre nach diesem musikalischen Sieg, aber der der Enthusiasmus für den Song Contest blieb. Nach dem Zerfall der SFRJ konnten alle Nachfolgestaaten, als unabhängige Republiken, am ESC teilnehmen. Kroatien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina waren schon seit 1993 dabei, Mazedonien seit 1998. Das Bundesland Jugoslawien (später Staatenbund Serbien und Montenegro) trat nach 12-jähriger Pause strahlend auf der europäischen Szene in Erscheinung. „Lane moje“ von Željko Joksimović landete gleich auf dem zweiten Platz. "Lane moje" gilt laut zahlreichen Umfragen als einer der beliebtesten Songs in der Geschichte der des Song Contests. Der nächste Balkan-Triumph war 2007 „Molitva“ von Marija Šerifović. So wurde Belgrad im darauffolgenden Jahr zum Zentrum des musikalischen Spektakels.

Seitdem variierten in verschiedenen Rhythmen Vertreter. aber nicht aus allen Nachfolgestaaten Jugoslawiens nehmen regelmäßig am Wettbewerb teil. So haben dieses Jahr, weil Kroatien und Bosnien-Herzegowina leider keine Vertreter nach Wien geschickt. Aber wir werden unsere Favoriten unterstützen und ihnen folgen – egal, in welche Ecke Europas sie uns führen, wenn es wieder heißt: „12 Punkte gehen an...“

Sandra Radovanović / KOSMO

Jugoslawiens ECS-Hits im Video-Überblick:

TOP:

1962. Lola Novaković „Ne pali svetlo u sumrak“, Luxemburg (4.Platz)
1983. Danijel Popović „Džuli“, München (4.Platz)
1987. Novi Fosili „Ja sam za ples“, Brussels (4.Platz)
1988. Srebrna Krila „Mangup“, Dublin (6.Platz)
1989. Riva „Rock me, baby“, Lausanne – DER GEWINNER

FLOP:

1973. Zdravko Čolić „Gori vatra“, Luxemburg (15. Platz)
1981. Seid Memić Vajta „Lejla“, Dublin (15. Platz)
1984. Izolda i Vlado Kalember „Ciao, amore“, Luxemburg (18. Platz)
1991. Bebi Dol „Brazil“, Rome (21. Platz)
1992. Extra Nena „Ljubim te pesmama“, Malmö (13. Platz)

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