INTERVIEW 30.04.2013

Alaba ist mein Vorbild

© KOSMO
Toni Vastić (20), Sohn des legendären Fußballers Ivica, spricht über seinen neuen Club, den SV Ried, und seine Zukunftspläne. Im Interview verrät er uns, dass er ein großer Fan von Rap-Musik ist, und erklärt, warum er in seiner Freizeit nicht Fußball spielt.

Viele Kenner der hiesigen Fußballszene haben in ihren Berichten und Analysen der letzten Monate die jungen Talente wie David Alaba, Veli Kavlak oder Aleksandar Dragović erwähnt. Diese Namen wecken im Moment die Hoffnung der Österreichischen Mannschaft, dass die fußballerische Zukunft dieses Landes etwas rosiger werden könnte.
Einer der Namen, die bei österreichischen Fußballfans Enthusiasmus wecken, ist auch der von Toni Vastić, dem Sohn des legendären Fußballers Ivica. Erinnern wir uns: Sein Vater war Ende der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Spielführer bei Sturm Graz, spielte in der Champions League und war 1998 bei der WM in Frankreich der Schlüsselspieler der österreichischen Mannschaft.
Und während der Vater als eine der größten Legenden des österreichischen Fußballs seine verdiente Pension genießt, unterschrieb sein Sohn Toni erst kürzlich einen Zweijahresvertrag beim SV Ried, einem österreichischen Erstligisten, der derzeit in der Bundesliga im Kampf um einen Europa League-Platz steht.

KOSMO: Du bist von den Amateuren des FC Bayern München kürzlich zum SV Ried gewechselt. Wie ist es zu diesem Abgang in einen neuen Club gekommen?
Toni Vastić: In München war ich anderthalb Jahre, und während ich in der ersten Saison bei Emre Can Stammspieler der zweiten Mannschaft der Bayern war, hat mich der neue Trainer Mehmet Scholl nicht mehr unter die ersten Elf gereiht. Er war nicht mein Typ Trainer, und ich war nicht sein Typ Spieler. Darum habe ich mich für Ried entschieden. Ich glaube, dass das ein guter Schritt für meinen weiteren Weg war. Der Club ist gut, hat den Ehrgeiz, in Europa zu spielen, und hier habe ich die Chance, zu zeigen, was ich wirklich kann.

Man hört, dass du in Bayern ständig mit David Alaba zusammen warst, der einer der größten Stars des Clubs ist. Was kannst du uns über eure Freundschaft erzählen?
David und ich hören und sehen uns regelmäßig, obwohl wir jetzt an zwei verschiedenen Orten spielen. Es gab tatsächlich Tage, an denen wir 24 Stunden gemeinsam herumgehangen haben. Wir waren auf dem Spielfeld und außerhalb davon Kumpel. David ist ein toller Bursche, und trotz seines Erfolgs ist er niemals hochnäsig geworden. Ich glaube, dass das auch das Geheimnis seines Erfolgs ist. Er ist ein sehr kaltblütiger Fußballer und manchmal habe ich den Eindruck, dass es ihn - im positiven Sinne - überhaupt nicht kümmert, dass er gegen die größten Clubs Europas spielt. Was seinen Kopf, seine Stabilität und sein Fußballverständnis betrifft, ist er mir auf jeden Fall ein Vorbild.

Vor der deutschen Fußballschule in Bayern hast du zwei Jahre bei den englischen Blackburn Rovers verbracht. Was ist der Unterschied zwischen der deutschen und der englischen Fußballschule?
Die Engländer forcieren die Arbeit mit physischer Kraft. Dort kann man viel für direkte Zweikämpfe lernen, während die Deutschen Taktik und Technik in den Vordergrund stellen.  Beide Schulen haben mir auf jeden Fall für meine Karriere genützt.

Bei den Söhnen von Fußballern neigen viele dazu, sie mit ihren Vätern zu vergleichen. Was ist der Unterschied zwischen Toni und Ivica Vastić?
Na ja, Papa war mehr der Dirigent des Spiels, der erste Koordinator und Spielmacher. Ich bin eigentlich mehr oben im Angriff. Aber es gibt auch Ähnlichkeiten. Unser Laufstil ist derselbe (lacht).

Du spielst für die Jugendauswahl (U-21) der österreichischen Nationalmannschaft. Auch dein Vater entschied sich seinerzeit, für Österreich zu spielen. War es eine schwere Entscheidung zwischen der österreichischen und der kroatischen Auswahl?
Als Kind habe ich immer gesagt, ich würde für Kroatien spielen. Ich bin im Herzen für Kroatien und schaue immer zu, wenn die Vatreni (die "Feurigen" - die kroatische Nationalmannschaft A.d.Ü.) spielen. Ich habe auch ein Angebot vom Kroatischen Fußballverband bekommen, aber ich bin Österreich einfach zu dankbar, um es zu übergehen. Österreich hat mir alles gegeben, was meine Karriere betrifft, ich bin in Wien geboren und fühle mich hier zuhause. Letztlich habe ich mich also entschieden, ein feuriger Kroatienfan zu sein, aber auf dem Spielfeld für Österreich zu kämpfen.

Wann werden wir dich im Trikot der österreichischen A-Mannschaft sehen können?
Ehrlich gesagt, denke ich darüber noch nicht nach. Jetzt ist es am wichtigsten, dass es im Verein gut läuft, dass ich mich beweisen kann, und alles andere kommt mit der Zeit. Wenn ich mich hier bewähre, zweifle ich nicht daran, dass es auch dort für mich einen Platz gibt. Nein, darüber mache ich mir keine Sorgen.

Was denkst du über die österreichische Fußballnationalmannschaft? Sie besteht aus vielen jungen Talenten in deinem Alter.
Ich glaube, dass der große Unterschied zwischen der österreichischen Nationalmannschaft 2008 und heute klar ist. Außer, dass es sich hauptsächlich um junge Spieler handelt, spielen die meisten von ihnen in starken ausländischen Clubs. Ich bin optimistisch, was ihre Zukunft betrifft.

Wie verbringst du deine Freizeit? Steht der Fußball auch da im Zentrum des Geschehens?
Nein, in meiner Freizeit meide ich den Fußball. Ich bin so viel beim Fußball, dass ich mich dem nicht auch noch in meiner Freizeit widmen will. In der Freizeit höre ich Rap-Musik und schaue auch sehr gerne Basketball. Da auch David Alaba Basketball mag, haben wir oft zusammen gespielt, und da spiele ich wegen meiner Größe besser als er.

Wie verbringst du die Wochenenden? Hast du Zeit zum Ausgehen?
Mich interessiert das Ausgehen nicht so sehr, es passt auch nicht zum Leben eines Fußballers. Natürlich gibt es Ausnahmen, wenn eine Saison endet. Dann gehen wir zu irgendeiner Feier oder so etwas. Ich treffe mich oft mit Ivan Lučić und Robert Žulj, meinen Teamkollegen bei Ried. Manchmal fahren wir in eine der größeren Städte in der Umgebung. Ried ist doch nur eine Kleinstadt, und ich war es immer gewohnt, in Großstädten zu leben.

Hast du irgendeinen Angriffsspieler, der dir in deiner Karriere als Vorbild dient?
Ja, in jedem Fall Mario Mandžukić. Wir haben einen ähnlichen Spielstil und dieselbe Größe. Nur, dass er mit dem Kopf stärker spielt.

„Alles hängt von Toni ab!“ Ivica Vastić, die Legende des österreichischen Fußballs, über seinen Sohn Toni

Ivica Vastić war weder als Spieler noch als Trainer ein Mann großer Worte, sondern vor allem ein Mann großer Taten. Immer freundlich, sympathisch und für alle zugänglich, so präsentierte sich Vastić auch, als wir ihn zum Interview in Mödling trafen, um mit ihm über die Karriere seines Sohnes zu sprechen.

KOSMO: Ihr Sohn Toni ist jetzt zwanzig Jahre alt und spielt beim Erstligisten Ried. Wie stark war ihr Einfluss auf seine bisherige Karriere.
Ivica Vastić: Natürlich bin ich sein Vater und er war als Kind mit mir in allen Clubs und in allen Städten, in denen ich gespielt habe. Das hat seinen Weg sicher vorgezeichnet. Aber was er als Profifußballer macht, hängt ausschließlich von ihm ab, von seinem Spiel und vor allem von seiner Anstrengung, seinem Engagement und seiner Hartnäckigkeit. Ich glaube, dass er mit seinem Körperbau in jedem Fall gute Voraussetzungen hat, aber auch mit seiner Spieltechnik. Ich wünsche ihm als Vater natürlich nur das Beste.

Das Gespräch mit Toni hat mich ziemlich an Ihren Stil bei Medienkontakten erinnert. Es scheint, dass auch Toni sehr bescheiden und realistisch ist, genau wie es sein Vater war.
Ich habe ihm mit meinem Verhalten niemals vorgemacht, dass man sich übertrieben oder anmaßend verhalten sollte, sei es auf dem Fußballplatz oder vor den Mikrophonen der Journalisten. Ich glaube, dass es sehr wichtig ist für den Charakter eines jungen Menschen, dass er nicht großspurig, eingebildet und hochnäsig wird. Man muss immer Realist bleiben.

KOSMO-Redaktion

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