BALKAN 24.03.2014

15. Jahrestag der NATO-Bombardierung Serbiens

© zVg.
Serbien gedenkt heute des Jahrestags der NATO-Bombardierung von 1999.


Bereits gestern wurde bei der Eröffnung eines Parks im Belgrader Wald Košutnjak der sechzehn Mitarbeiter des Fernsehsenders RTS gedacht, die bei der NATO-Bombardierung 1999 getötet wurden. Heute wird der offizielle Erinnerungstag zum Gedenken an die Opfer mit einer Reihe von Gedenkveranstaltungen begangen. Dabei finden unter anderem Kranzniederlegungen in Anwesenheit des serbischen Präsidenten Tomislav Nikolić und des Premiers Ivica Dačić statt.

Vor 15 Jahren fielen NATO-Bomben auf die ehemalige Bundesrepublik Jugoslawien. Am 24. März 1999 begannen die Luftangriffe und dauerten elf Wochen – bis 10. Juni des Jahres. In dieser Zeit sind laut serbischen Quellen zwischen 1.200 und 2.500 Menschen getötet worden. Der NATO-Militäraktion, die von Serbien als Aggression bezeichnet wurde, waren erfolglose Verhandlungen in der Kosovo-Krise im Februar und März desselben Jahres vorangegangen. Der damalige serbische Machthaber Slobodan Milošević hatte den Friedensplan von Rambouillet und die Aufnahme von internationalen Beobachtern in den Kosovo abgelehnt.

Völkerrechtswidriger Angriff

Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder bezeichnete die NATO-Aktion auf einer Veranstaltung der „Zeit“ in Hamburg am vergangenen Sonntag als völkerrechtswidrig. Bei einer Diskussion über die aktuelle Situation in der Ukraine sagte Schröder, dass das damalige Vorgehen des Westens in der Kosovo-Krise ebenso völkerrechtswidrig war, wie die aktuellen Eingriffe Russlands in der Ukraine. „Da haben wir unsere Flugzeuge nach Serbien geschickt, und die haben zusammen mit der NATO einen souveränen Staat gebombt - ohne dass es einen Sicherheitsratsbeschluss gegeben hätte“, betonte Schröder.

Die Operation „Allied Force“ fand, erstmals in der Geschichte, ohne UN-Mandat statt. Bei den Bombardierungen, die 78 Tage dauerten, wurden die Infrastruktur, Krankenhäuser, Geschäfte, Medienhäuser, Schulen und Denkmäler zerstört. Der Gesamtschaden in Serbien wird auf mehrere Milliarden Dollar geschätzt. NATO-Kriegsverluste wurden  nie öffentlich gemacht. Die jugoslawische Armee hat sich nach der Verabschiedung der UN-Resolution am 12. Juni 1999 aus dem Kosovo zurückgezogen. Seit der Ankunft der Friedenstruppen haben laut UNHCR rund 230.000 Serben und Roma den Kosovo verlassen.

KOSMO-Redaktion

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