MAGAZIN 01.10.2014

12 Quadratmeter serbischer Kunst in Wien

© zVg.
Vom 2. bis 5. Oktober spielt sich in Wien die Vienna Fair, die wichtigste heimische Messe der zeitgenössischen Kunst ab. Diesmal gibt es bei der Messe auch einen Stand mit zeitgenössischer Kunst aus Serbien.

Wir sprachen mit Nevena Janković und Jana Dolečki von dem Verein Blockfrei über ihr Projekt „Independent Art From Serbia“, welches auf der Messe präsentiert wird.

Wie sieht die Präsentation von eurem Projekt „Independent Art From Serbia“ aus?

Nevena Janković: Die wird sicher ziemlich bescheiden aussehen. Uns stehen 12 m² der teuren Ausstellungsfläche zur Verfügung, die wir mittels Förderungen besorgt haben. Die Hauptidee ist die unabhängige Kunstszene aus Serbien zu präsentieren, weil sie in den letzten 20 Jahren die Rolle eines Anregers übernommen hat und inzwischen der zäheste Teil der Kulturproduktion geworden ist. Blockfrei stellt sich als Dachorganisation vor, die in Wien fünf serbische Initiativen/Einrichtungen  und die mit ihnen verbundenen vier serbischen Künstler vorstellt. Diese sind: The Street Galery – Micro Art und Aleksandrija Ajduković, Kulturzentrum Grad und Mane Radmanović, TkH Walking Theory und Siniša Ilić, Supervizuelna und Žolt Kovač. Neben diesen erwähnten Institutionen und Künstlern, stellen wir auch die Galerie Remont vor, mit ihrem riesigen, umfangreichen Projekt der Datenbank der zeitgenössischen serbischen Kunst und ihren Akteuren. Noch dazu stellt Dejan Kaludjerović seine Werke aus, ein Künstler der seine Karriere in Belgrad angefangen und in Wien fortgesetzt hat.

Was wird diese Auswahl dem Publikum über die Lage der zeitgenössischen Kunst in Serbien vermitteln?


Janković: Dass diese Szene, wegen des Geld- und Förderungsmangels, sich selbst überlassen wird, ihre Akteure selbstorganisiert und aus der Not gezwungen sind, die Rolle und Verantwortung staatlicher Einrichtungen zu übernehmen. Die ausgestellten Werke symbolisieren sowohl das Thema der Verantwortung des Künstlers als auch die Übernahme der Initiative seitens der Kunstproduzenten. Diese Selbstinitiative ist nötig wenn man sich dafür entscheidet, in Serbien Kunst zu schaffen. Es gibt ein sehr trauriges Phänomen der Künstler der mittleren Generation, die sich aus diesen Gründen ganz zurückgezogen haben. Solche Zustände sind in einem Land wie Österreich natürlich undenkbar.

Dolečki: Unser Projekt ist auch interessant, weil es den Künstlern aus Serbien eine Möglichkeit bietet bei einer kommerziellen Messe aufzutreten. In gewisser Hinsicht ist das eine subversive Aktion. Weil die vorgestellten Galerien und Initiativen keine kommerziellen Unternehmen sind. Die haben nicht genug Geld, um an so einer Veranstaltung teilzunehmen. Ihnen fehlen die finanzielle Mittel um den Raum zu mieten, Reisekosten der Künstler zu finanzieren und für andere nötige Ausgaben, die mit Umsetzung eines solchen Projekts verbunden sind. Auf diese Art und Weise machen wir es möglich, dass die individuellen serbischen Künstler und Initiativen sich mit Sammlern, Kuratoren und verschiedenen Institutionen vernetzen und sich dadurch affirmieren. Die Ausstellung ist auch für Leute mit Migrationshintergrund - besonders serbischer Herkunft - wichtig, weil sie zeitgenössische, alternative Beispiele der Kunstproduktion in Serbien kennenlernen können.

Welches Werk beschreibt diese Situation am besten?

Janković:
Zuerst war unser Wunsch das Gemälde von Žolt Kovač „Der Staat löst unsere Probleme nicht“ ("Država neće rešiti naše probleme") zu zeigen. Meiner Meinung nach fasst das Motto auf dem Gemälde ganz genau und plakativ die Situation in Serbien zusammen. Das Gemälde wurde, aber inzwischen an einen österreichischen Sammler verkauft. Deswegen haben wir uns für ein anderes seiner Gemälde entschieden – nämlich für „Insel der Interessierten“ ("Ostrva zainteresovanih"). Auf dem grauen Hintergrund werden gefärbte, unregelmäßige Flächen gemalt, die auseinander verstreut sind, wie Insel in einem Meer. Das ist auch eine gute Beschreibung der Situation der Kulturschaffenden in Serbien, finde ich... Zuerst, des Hermetizismus der Künstlercommunity, dann ihres Wunsches das neue Publikum und neue Konsumenten für Kunst zu sensibilisieren und zu züchten... Zuletzt, ist das auch eine passende Beschreibung einer Willkürlichkeit die dazu führt, dass in Ermangelung von regulären Kanälen und Wegen, zufällige Partner und Mithelfer auftauchen, die es ermöglich, das neue Sachen entstehen.

Mehr Infos zum Projekt "Blockfrei": www.blockfrei.org

Uroš Miloradović / KOSMO

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